Chancenlos

Der 2:1-Sieg in Basel zeigt, was St. Gallen dem FCB alles voraus hat

Der FC Basel kann gegen St. Gallen nur in der Startphase mithalten. Dann zeigen die Ostschweizer eindrücklich, was sie in dieser Saison so stark macht und was dem FCB fehlt.

Der Kontrast hätte nicht grösser sein können. Während die Muttenzerkurve die FCB-Spieler nach Schlusspfiff kollektiv auspfeift, feiert der FC St. Gallen vor dem Gästeblock, als hätten die Espen soeben die Meisterschaft gewonnen. Hängende Köpfe in der Senftube versus schunkelnde Köpfe beim Siegestanz.

Schuld an diesem auf beiden Seiten sehr emotionalen Bild ist ein Treffer in der 93. Minute. Die Ostschweizer lancieren mit einem langen Ball einen allerletzten Angriff. Cedric Itten macht diesen fest und lupft dann in den Lauf des eingewechselten Axel Bakayoko. Der überläuft Emil Bergström und knallt den Ball an den Pfosten. Von dort prallt er an die Brust von André Ribeiro und kullert in Richtung Tor. Jonas Omlin kratzt den Ball mit einer Rettungstat noch von der Linie, doch Ribeiro kann den zweiten Abstauber kontrollieren und in die Maschen hämmern. 1:2. Die Entscheidung im Spiel der beiden YB-Verfolger.

Dort kann der FCB eigentlich nur in der Startphase mithalten. Basel zeigt, dass es eine Reaktion auf das 0:2 in Bern zeigen will. Und da St. Gallen in dieser Saison sowieso keinem Zweikampf aus dem Weg geht, entwickelt sich eine äusserst intensive Startviertelstunde. Nachdem Itten und Silvan Widmer auf beiden Seiten die erste gute Torchance versemmeln, geht der FCB durch Kevin Bua in der 19. Minute in Führung. Der Romand schliesst einen Pass von Fabian Frei in den Rücken der Abwehr direkt ab. Sein neunter Saisontreffer.

Nach dem 1:0 verpasst es der FCB in der einzigen Schwächephase der St. Galler einen Konter zum 2:0 zu vollenden. Doch ab der 30. Minute haben die Gäste das Geschehen wieder vollkommen im Griff. Wie deutlich zeigt der Fakt, dass der FCB anschliessend nie wieder zu einem Abschluss kommt.
Kurz vor der Pause trifft Betim Fazliji nach einer Ecke per Abstauber zum 1:1. In Halbzeit 2 sieht der FCB dann gar kein Land mehr. «Sie waren aggressiver, spielerisch besser und viel schneller im Umschaltspiel», analysiert Taulant Xhaka treffend. «Bei uns will jeder für den anderen noch ein wenig mehr: Mehr geben, mehr laufen, mehr kämpfen. Wir wollten den Sieg einfach mehr», erklärt ein strahlender Boris Babic. St. Gallens Stürmer hatte in der 60. Minute bereits per Kopf zum 2:1 getroffen. Doch nach drei Minuten Videostudium kam Feld-Schiedsrichter Fedayi San zum Schluss, dass Xhaka im Mittelfeld zuvor gefoult worden war. Ein fragwürdiges Eingreifen des VAR, der in der Schweiz eigentlich nur bei glasklaren Fehlern eingreifen soll.

Die Statistik zeigt Basels Unterlegenheit eindeutig

Doch St. Gallen ist so gefestigt, dass es sich durch die Aberkennung nicht aus dem Tritt bringen lässt. Scheinbar unermüdbar schwappt ein grünweisser Angriff nach dem anderen über den FCB hinweg. 20:3 Torschüsse, 11:2 Torchancen, nur bei den Fouls (16:14) ist der FCB nicht hoffnungslos unterlegen.

Die Suche nach dem Lauf, der Euphorie entfacht

Der eingangs beschriebene Siegtreffer könnte verdienter nicht sein. Und die Gefühlslage könnte unterschiedlicher nicht sein. Während St. Gallen dank des besseren Torverhältnisses jetzt vor YB liegt, ist der FCB nach der dritten Liganiederlage in Folge mittlerweile um fünf Punkte distanziert. «Das ist eine schwierige Situation. Die Gefahr besteht, dass jetzt jeder sein eigenes Ding macht. Doch hier kommen wir nur gemeinsam raus», mahnt Marcel Koller. Der FCB-Trainer hofft, dass sein Team schon bald wieder in einen Lauf reinkommt. Denn nur so könne wieder Euphorie entfacht werden. Wie ein Lauf mit Euphorie aussieht, konnte Rotblau am Sonntagabend vor dem Gästeblock beobachten.

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