Eishockey

Der Baselbieter Wandervogel ist in der Hochburg Davos angekommen

Luca Camperchioli (r.im Dress der GCK Lions) wechselte für die Playoffs zum HC Davos.

Luca Camperchioli (r.im Dress der GCK Lions) wechselte für die Playoffs zum HC Davos.

Der Zunzger Luca Camperchioli versucht, seine ins Stocken geratene Karriere beim HC Davos neu zu lancieren. Unter HCD-Trainer Arno Del Curto erhofft er sich endlich in der Nationalliga A Fuss zu fassen.

Nur eine Handvoll Spieler steht an diesem herrlichen Freitagmorgen in der Davoser Eishalle auf dem Eis. Es sind die HCD-Cracks, die am Vorabend im zweiten Playoff-Viertelfinalspiel gegen die Kloten Flyers (5:2) überzählig waren. Darunter auch Luca Camperchioli, der Baselbieter Verteidiger, der sich vor gut einem Monat dem HC Davos angeschlossen hat.

Gut möglich, dass der 23-Jährige heute Abend in Kloten seine Playoff-Premiere im Dress des Rekordmeisters geben wird. HCD-Trainer Arno Del Curto äusserte gestern die Absicht, mehr Grösse und Gewicht in sein Team zu bringen. Da wäre Camperchioli mit seinen 1,85 Metern Körpergrösse und seinen 94 Kilogramm Kampfgewicht der richtige Mann.

Gut möglich aber auch, dass Arno Del Curto seine Pläne kurzfristig wieder über den Haufen wirft und Camperchioli einmal mehr nur die Rolle des Zuschauers bleibt. Für den Zunzger ist diese Ungewissheit allerdings kein Problem. Alles, was in dieser Saison noch kommt, ist für ihn gewissermassen ein Bonus. Nachdem er mit den GCK Lions die NLB-Playoff-Qualifikation verpasst hatte, wechselte er mit einer B-Lizenz per sofort nach Davos. «Jetzt bin ich einfach parat für den Fall, dass es mich brauchen sollte», umschreibt «Camper» seine Rolle.

Potenzial freilegen

Luca Camperchiolis Fokus ist sowieso eher mittel- denn kurzfristig ausgerichtet. Er will seine ins Stocken geratene Karriere beim HC Davos neu lancieren. Wie so viele hoffnungsvolle Talente, die in einem frühen Stadium ihrer sportlichen Laufbahn etwas aus der Erfolgsspur geraten sind, hofft auch er auf den «Del-Curto-Effekt». Darauf, dass der als herausragender Ausbildner bekannte HCD-Trainer das verborgene Potenzial freilegt.

«Nach Davos kommt man nicht, um die Vorteile einer Grossstadt zu geniessen. Hierher kommt man, wenn man sportliche Fortschritte machen will», sagt Camperchioli, der in der Wohnung des bis zum Saisonende verletzten HCD-Stürmers Grégory Hofmann temporär Unterschlupf gefunden hat. Im Sommer wird er dann seine eigenen vier Wände im Luftkurort beziehen. Vor wenigen Tagen unterschrieb Luca Camperchioli einen Einjahresvertrag mit vereinsseitiger Option auf eine zweite Saison.

Von den Jüngeren überholt

Für den ehemaligen Junioren-Internationalen sind die ersten Erfahrungen in Davos bereits Gold wert. «Ich denke, dass der Schock grösser gewesen wäre, wenn ich erst im Sommer hochgekommen wäre», mutmasst er. Schon in den ersten Tagen wusste er, was ihn erwartet. «Wenn man aus der NLB kommt, dann sind vor allem die läuferischen Unterschiede gewaltig. Alles geht viel schneller.» Grundsätzlich habe er angesichts der schleichenden, negativen Entwicklung seiner Karriere gemerkt, dass es ganz einfach mehr tun müsse, um in der NLA Fuss fassen zu können.

Bei den ZSC Lions galt er lange Zeit als eines der hoffnungsvollsten Talente und war unter Trainer Bob Hartley nahe dran, sich in der höchsten Spielklasse zu etablieren. «Dann sind von unten plötzlich noch jüngere Verteidiger gekommen, die mich überholten.» Und mit der zahlreichen Konkurrenz schwanden auch Camperchiolis Aussichten, im starken Team der Zürcher eine tragende Rolle zu spielen.»

«Ein spezieller Trainer»

Nun soll es also Arno Del Curto richten. «Er ist schon ein sehr spezieller Trainer», erzählt der Zunzger lächelnd. Während er in seiner Zeit in der Organisation des ZSC Lions kanadische und finnische Übungsleiter erlebt hat, die ausserhalb der Spiele und der Trainings kaum mit den Spielern kommunizierten, ist das beim legendären HCD-Coach ganz anders. «Er ist eigentlich ein Teil der Mannschaft. Er spricht sehr viel mit uns.»

Erste Einzelgespräche mit dem Engadiner hat Luca Camperchioli schon hinter sich. Das Fazit? «Ich muss mich in allen Bereichen verbessern», erzählt er lächelnd. Und wer weiss? Vielleicht werden schon in den nächsten Tagen und Wochen die ersten, zaghaften Fortschritte sichtbar, falls Luca Camperchioli tatsächlich zum Playoff-Handkuss kommt.

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