In den letzten Jahren ist es dem Schweizerischen Ruderverband (SRV) gelungen, eine neue Generation von international kompetitiven Athleten aufzubauen. Und so gehören die Schweizer bei den Leichtgewichten der Männer sowohl im olympischen Doppelzweier (Simon Schürch/Mario Gyr) als auch in den nicht-olympischen Kategorien Skiff (Michael Schmid) und Zweier ohne (Niepmann/Tramèr) zu den Anwärtern auf Edelmetall. Letztes Jahr feierte der SRV in Südkorea die erfolgreichste WM seit 1999. Nebst Niepmann/Tramèr gewannen auch Gyr/Schürch (Silber) eine Medaille.

Zwei Medaillen als inoffizielles Ziel

Nach den Erfolgen der letzten Jahre sind die Ansprüche und die Erwartungen auch innerhalb des SRV gestiegen. Die offiziellen Zielsetzungen des Verbandes, die Anfang Jahr festgelegt wurden, lauten zwar bescheiden "vier Boote in den Top 10, zwei davon im A-Final", inoffiziell dürften mindestens zwei Medaillen wie 2013 das Ziel sein. "Die meisten unserer Delegation haben etwas Zählbares aus diesem Jahr vorzuweisen", so Verbandsdirektor Christian Stofer. "Die Voraussetzungen für eine erfolgreiche WM sind deshalb gut."

Als Garant für einen Spitzenplatz erwiesen sich zuletzt Niepmann/Tramèr. Das Duo musste sich letztmals am Weltcupfinal 2013 auf dem Rotsee (4.) geschlagen geben. Seither ruderten Niepmann (Seeclub Zürich) und Tramèr (Club d'Aviron Vésenaz) von Erfolg zu Erfolg - unter anderem in diesem Jahr zu ihrem zweiten EM-Titel in Serie und dem ersten Sieg auf dem Rotsee. "Ihnen sind in der letzten Zeit immer bessere Zeiten gelungen", so Stofer optimistisch. "Sie haben ihren Zenit noch nicht erreicht. Und im Gegensatz zum Vorjahr kam Lucas Tramèr verletzungsfrei durch den Sommer."

Am Schweizer Heimrennen vor den Toren Luzerns feierte auch Michael Schmid (See-Club Luzern) einen Sieg - den ersten auf Stufe Weltcup. Und spätestens seit diesem Erfolg auf dem "Göttersee" ist dem letztjährigen WM-Sechsten auch auf der "Bosbaan" in Amsterdam ein Topresultat zuzutrauen. Schmid gewann noch keine WM-Medaille bei der Elite.

Hartes Brot für Olympia-Hoffnung

Etwas härteres Brot mussten zuletzt Gyr (Luzern) und Schürch (Sursee) essen. Das Duo, das vor einem Jahr die erste Schweizer WM-Medaille in einer olympischen Disziplin seit Xeno Müller (1999) einfuhr, hat im Doppelzweier - quasi der "Königsdisziplin" bei den Leichtgewichten - mit sehr starker Konkurrenz zu kämpfen. In diesem Jahr resultierten so die Plätze 5 (EM) und 4 (Rotsee). Zum Sprung auf das Podest fehlte jedoch in beiden Rennen nur sehr wenig.

Insgesamt startet die Schweizer Delegation an der WM mit 13 Athletinnen und Athleten in 7 Booten. Nebst den drei Leichtgewichts-Booten tritt der SRV bei den Männern auch im schweren Doppelvierer und im schweren Skiff an. Der Doppelvierer gewann im Juli zum zweiten Mal in Folge den WM-Titel bei den U23-Junioren. Für die Elite-WM rücken nun David Aregger und Nico Stahlberg ins Boot mit Roman Röösli und Augustin Maillefer. Barnabé Delarze ist als Ersatzmann dabei und tritt an der WM im Skiff an, Damien Tollardo musste zu Hause bleiben.

Bei den Frauen vertreten Jeannine Gmelin im schweren Skiff sowie Frédérique Rol/Patricia Merz im leichten Doppelzweier die Schweizer Farben. Stofer freut sich, dass im Gegensatz zum Vorjahr nun auch Frauen-Boote an der WM dabei sind: "Für uns ist es ein Riesenschritt, dass wir bei den Frauen zwei Boote dabei haben. Sie verdienten sich die Selektion mit ihren Leistungen in diesem Jahr." Einen Spitzenplatz erwartet Stofer nicht: "Der Halbfinal-Einzug wäre eine gute Sache."

Die Schweizer bereiteten sich in den letzten sechs Wochen in Sarnen und in Libourne (Fr) auf den Saisonhöhepunkt vor. Seit dem Donnerstag weilt die kleine, aber feine Delegation in Amsterdam. Ihre Vorläufe bestreiten alle Schweizer Boote bereits am Sonntag. Auf der Amsterdamer "Bosbaan", die im Gegensatz etwa zum Rotsee eine künstlich angelegte Ruder-Anlage ist, fanden letztmals 1977 Weltmeisterschaften statt.