Olympisches Fazit

Der Biathlet Mario Dolder über seine erste Olympia-Teilnahme: «Schwierig, etwas Positives zu finden»

Mario Dolder, Biathlon

«Vielleicht kann ich mich ja in einer Woche etwas mehr über das Erlebnis Olympia freuen.»

Mario Dolder, Biathlon

Der Baselbieter Biathlet Mario Dolder zieht ein sehr selbstkritisches Fazit seiner ersten Olympischen Spiele, die mit einer riesigen Enttäuschung zu Ende gingen. Er wollte um die Medaillen mitlaufen, musste sich aber schlussendlich mit dem 15. Rang in der Staffel zufriedengeben.

Der Moment ist alles andere als passend, um Mario Dolder eine Bilanz seiner ersten Olympiateilnahme zu entlocken. Der 27-Jährige kommt gerade als Letzter des Feldes ins Ziel der Männerstaffel. Um die Medaillen wollte das Schweizer Quartett mitlaufen, ein 15. Platz ist es geworden.

«Eine Katastrophe» sagt Dolder, «wir haben uns so viel vorgenommen.» Der Baselbieter zieht trotz der riesigen Enttäuschung ein erstaunlich sachliches und selbstkritisches Fazit einer sportlichen Reise, die weit entfernt der eigenen Vorstellungen und Träume endete.

Mario Dolder

«Beim Laufen hingegen habe ich die Form auf den Punkt gebracht.»

Mario Dolder 

Er habe sich nach dem sensationellen Saisonstart mit dem 6. Platz im Weltcup und angesichts des 15. Rangs an der letzten WM einiges ausgerechnet für Pyeongchang. «Ein 49. Platz als beste Klassierung im Einzel und ein 15. Rang mit der Staffel sind natürlich ein Fiasko», sagt Dolder.

Das Schiessen als Partykiller

Den Grund für die ungenügenden Resultate muss der Student nicht lange suchen. Er liegt am Schiessstand. Im Sprint etwa lief Mario Dolder in der Loipe nur drei Sekunden langsamer als Olympiasieger Arnd Pfeiffer aus Deutschland. Fünf Strafrunden sind aber für jeden Biathleten eine unakzeptable Hypothek. Beim Einzelrennen blieb es dann zwar bei «nur» drei Schiessfehlern, dafür passte an diesem Tag die Laufform nicht.

Auch in der Staffel durfte Dolder mit seiner Leistung nur bedingt zufrieden sein. Zwar ging er bereits weit abgeschlagen ins Rennen, aber dass er sich auf seiner Schlussrunde auch noch von Rumänien – im Biathlon nicht gerade eine Weltmacht – überholen lassen musste, war dann doch des Guten zu viel.

«Es gelang mir zwar sehr gut, die Ausgangslage komplett auszublenden, läuferisch hat es auch gepasst und das Liegendschiessen war perfekt», bilanziert Dolder seinen Einsatz. «Doch beim Stehendschiessen erwischte ich teilweise unglaubliche Böen. Wenn man sich ohnehin nicht so sicher ist am Schiessstand, ist das natürlich der Killer.»

Rekordwerte bei den Nachlader

Die Folge? Drei verfehlte Scheiben, die er auch mit seinen drei Nachladern nicht mehr traf. Insgesamt musste die Schweiz fünfmal in die Strafrunde und benötigte 19 Nachlader. Beides Rekordwerte aller startenden Nationen.

Mario Dolder sagt, dass er sich im Moment sehr schwer damit tut, «überhaupt etwas Positives an meinem Olympiadebüt zu finden». Klar dürfe er sich nun offiziell Olympionike nennen, und das könne ja längst nicht jeder Sportler von sich behaupten. «Aber wir sind eigentlich nicht hierher gekommen, um einfach dabei zu sein. Vielleicht kann ich mich ja in einer Woche etwas mehr über das Erlebnis Olympia freuen.»

Die Besten trotzen dem Wind

Vorerst, gibt er zu, «bleibt eine gewisse Ratlosigkeit, wieso ich es beim Schiessen nicht auf die Reihe gekriegt habe. Beim Laufen hingegen habe ich die Form auf den Punkt gebracht.» Ein Thema war der heftige und flatterhafte Wind.

Dolder spricht davon, dass einerseits die Rennen zu einem gewissen Grad zur Lotterie wurden, dass andererseits dennoch die Besten gewonnen haben. «Aber wenn das Vertrauen ins Schiessen fehlt, dann macht es der Wind nicht einfacher.»

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