FC Basel
Der Druck fällt ab: Basler Glücksgefühle nach dem Gewinn der Meisterschaft

Zum siebten Mal in Serie und zum 19. Mal insgesamt ist der FC Basel Schweizer Fussballmeister. Das meinen Spieler, Trainer und Präsident zu der FCB-Galavorstellung in der Saison 2015/2016.

Konstantin Furrer
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Tor Nummer 42 im St. Jakob-Park: Die Basler jubeln über das 1:0 gegen Sion durch Matias Delgado.

Tor Nummer 42 im St. Jakob-Park: Die Basler jubeln über das 1:0 gegen Sion durch Matias Delgado.

KEYSTONE

Es spielen sich dramatische Szenen ab in den Schlusssekunden. Renato Steffen kommt im Strafraum zu Fall und ein gellendes Pfeifkonzert ertönt aus der Muttenzerkurve. So laut, dass der Schlusspfiff des Schiedsrichters im Lärm untergeht. Erst die Worte des Stadionsprechers «der FC Basel ist Schweizer Meister» lassen Gewissheit aufkommen. Wieder ist der FC Basel Schweizer Meister, zum siebten Mal in Serie, zum 19. Mal insgesamt.

«Es ist einfach unglaublich», sagt ein strahlender Steffen nach dem Spiel. Es ist der erste Meistertitel für den Aargauer. Entsprechend unerfahren ist er in Sachen Meisterfeier: «Ich bin gespannt, was jetzt noch alles abgeht.» Auch Trainer Urs Fischer betritt Neuland. Nach drei Jahrzehnten im Schweizer Fussball holt er als Trainer erstmals den Meisterpokal. Wie man denn so einen Titel feiere? «Ich lasse mich überraschen.» Überrascht wurde er dann auch, als Taulant Xhaka, Breel Embolo, Michael Lang und Renato Steffen die Pressekonferenz stürmten und ihn mit Bier und Isostar übergossen.

Fischer hatte in Basel im Sommer keinen einfachen Einstand. Einen Zürcher an der Seitenlinie des FC Basel? Undenkbar. Der neue Trainer löste auch bei den Fans grosse Skepsis aus. Bei seiner Präsentation als neuer FCB-Trainer hängt vor dem Medienzentrum ein Plakat: «Urs Fischer. Nie eine vo uns.» Entsprechend gross war Fischers Erleichterung nach dem Meistertitel: «Der Druck fällt von den Schultern ab, denn die Anspannung ist von meinem Amtsantritt an sehr gross gewesen.» Der Klub stärkte Fischer während der ganzen Saison den Rücken. «Man versucht, sich zwar vorzustellen, was einen hier erwartet, aber die Realität ist dann doch eine andere. Man braucht die Unterstützung des Klubs und die habe ich hier in Basel auch in schwierigen Situationen immer erhalten.»

Nach dem Titel ist vor dem Umbruch

Präsident Bernhard Heusler sprach von einem riesigen Glücksgefühl und von einer tiefen Befriedigung: «Selten ist mir ein Titel so unter die Haut gegangen.» Dieser Mannschaft gönne er den Titel aufgrund der grossen Solidarität unter den Spielern besonders. «Sie sind so lieb zueinander und schauen aufeinander.» Er verhehlte nicht, dass ihm die Abgänge von Marco Streller, Fabian Frei und Fabian Schär im letzten Sommer einige Sorgen bereitet hätten. Diese blieben unbegründet. Der neuerliche Titel war so früh wie seit 2012 nicht mehr unter Dach und Fach.

Auch in diesem Sommer steht dem FC Basel wieder ein Kaderumbruch bevor. Walter Samuel wird nach 20 Jahren als Profi per Ende Saison seine Fussballschuhe an den Nagel hängen. Daneben werden Philipp Degen und Behrang Safari ab dem Sommer nicht mehr dabei sein. Ob bei Breel Embolo zu dem lang erwarteten Wechsel ins Ausland kommt, ist noch ungewiss. «Ich würde lügen, wenn ich sage, dass ich mir keine Gedanken zu einem Wechsel machen würde. Ob ich bleibe oder gehe, kann ich heute noch nicht sagen.» Trotz diversen offenen Fragen, die Basler Regentschaft wird wohl nicht so bald zu Ende gehen.

So verlief die FCB-Meistersaison 2015/2016:

17. Juni 2015: Paulo Sousa verlässt den FC Basel. Nach nur einem Jahr am Rheinknie zieht der Portugiese weiter, er wird Trainer bei der ACF Fiorentina.
19 Bilder
18. Juni 2015: Der FCB verpflichtet nach dem Abgang von Trainer Paulo Sousa Urs Fischer vom FC Thun als neuen Coach. Da Fischer eine FCZ-Legende ist, passt dieser Transfer einigen Fans nicht. Sie hängen am Tag der Bekanntgabe ein Banner mit der Aufschrift "Fischer, nie eine vo uns!!!" auf.
26. Juni 2015: Auf der Suche nach einem Streller-Nachfolger wird der FCB in Australien fündig: Der Österreicher Marc Janko kommt vom Sydney FC. Kann Janko tatsächlich in die grossen Fussstapfen von Pipi Streller steigen? Er kann! Die "Strafraumkobra" schlägt in Basel voll ein und wird schnell zum Publikumsliebling.
30. Juni 2015: Der FCB vermeldet die Rückkehr von Zdravko Kuzmanovic. Der Serbe soll zur Identifikationsfigur werden, er erhält einen Fünfjahresvertrag.
18. Juli 2015: Das erste Spiel unter Urs Fischer bestreitet der FCB zuhause gegen den FC Vaduz. Zum Saisonauftakt gewinnen die Bebbi 2:0, Matias Delgado führt die Mannschaft als neuer Captain aufs Feld.
25. Juli 2015: Dank dem 2:3-Auswärtserfolg bei den Grasshoppers am zweiten Spieltag übernimmt der FCB erstmals die Tabellenführung. Eine Position, von der er bis zum Ende der Saison nicht mehr verdrängt werden sollte.
25. August 2015: Bittere Enttäuschung für den FCB - durch ein 1:1 im Rückspiel gegen Maccabi Tel Aviv verpasst man die Champions League-Qualifikation und darf "nur" in der Europa League ran.
17. September 2015: Es kommt zur Wiedersehen mit Paulo Sousa. In der Europa League-Gruppenphase spielt der FCB in Florenz und dreht dort einen 0:1-Rückstand in einer verrückten Partie noch in einen 2:1-Sieg.
28. Oktober 2015: Im Cup-Achtelfinal trifft der FC Basel im Regio-Derby auf den SV Muttenz. Auf dem Margelacker wird ein Fussballfest gefeiert, an dessen Ende sich der FCB erwartungsgemäss mit 5:1 durchsetzt.
22. November 2015: In der verschneiten AFG Arena verliert der FCB mit 1:2 gegen St. Gallen. Bereits in der Runde zuvor unterlag man gegen GC. Es ist das einzige mal, dass der FCB in dieser Saison bis zum Titelgewinn zwei Spiele nacheinander verliert.
6. Dezember 2015: Der FC Basel gewinnt in Thun mit 2:0 und ist mit 10 Punkten Vorsprung auf GC Wintermeister.
10. Dezember 2015: Dank dem Auswärtssieg gegen Lech Posen beendet der FCB erstmals überhaupt seine Gruppe in einem europäischen Wettbewerb auf Platz 1.
13. Dezember 2015: Aus ist der Traum vom Double. Dem FCB läuft es bis hierhin in der Meisterschaft zwar hervorragend, doch im Cup scheidet er gegen Pokal-Angstgegner Sion aus - nach Penaltyschiessen.
12. Januar 2016: Von den Young Boys verpflichtet der FCB Renato Steffen. Das stösst vielen Fans sauer auf. Doch Steffen trifft gleich im ersten Spiel und lässt fortan mit guten Leistungen viele Kritiker verstummen.
19. Januar 2016: Das Projekt "Zdravko Kuzmanovic beim FCB" ist gescheitert. Der Rückkehrer konnte die Vorschusslorbeeren nie rechtfertigen. Er verliess den FCB nach nur einem halben Jahr noch während dem Trainingslager in Richtung Udinese.
25. Februar 2016: Das verrückteste Spiel der Saison. Der FCB empfängt Saint-Etienne zum Rückspiel des Europa-League Sechzehntelfinals. Rotblau geht durch Zuffi früh in Führung, kassiert aber in der Nachspielzeit den Ausgleich und wäre ausgeschieden. Doch mit dem letzten Angriff bäumt sich der FCB nochmals auf und trifft durch Zuffi zum 2:1 - Wahnsinn!
17. März 2016: Gegen den starken FC Sevilla ist für den FC Basel die Europa League zu Ende. 0:0 und 0:3 enden die beiden Partien aus Sicht des FCB. Damit wird nichts aus dem Final im eigenen Stadion.
14. April 2016: Eine Machtdemonstration der Basler: Der FCB überfährt den FC St. Gallen auswärts gleich mit 7:0 - der bis dahin höchste Saisonsieg der Bebbi.
30. April 2016: Der FC Basel sichert sich mit einem 2:1-Sieg gegen den FC Sion den siebten Meistertitel in Serie.

17. Juni 2015: Paulo Sousa verlässt den FC Basel. Nach nur einem Jahr am Rheinknie zieht der Portugiese weiter, er wird Trainer bei der ACF Fiorentina.

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