Eishockey

Der EHC Basel vor dem Saisonstart: Mit einer professionelleren Einstellung an die Spitze

Sportchef Olivier Schäublin rechnet in der anstehenden Saison mit Turbulenzen.

Sportchef Olivier Schäublin rechnet in der anstehenden Saison mit Turbulenzen.

Beim EHC Basel hat sich über den Sommer einiges getan. Um die Ziele zu erreichen, wurde eine neue Transferstrategie angewandt.

Drei Siege hätte der EHC Basel in der vergangenen Saison ge-gen den HCV Martigny noch gebraucht und er wäre nach sechsjähriger Abwesenheit wieder in die zweithöchste Liga, die Swiss League, aufgestiegen. Doch dann kam die Coronakrise, die für einen frühzeitigen Abbruch der Finalserie sorgte und die Basler zu einem weiteren Jahr in der MySports League verdonnerte.

Für die anstehende Spielzeit, die heute Samstag mit einem Heimspiel gegen den EHC Thun beginnt, nehmen die Verantwortlichen das Wort Aufstieg nur zögerlich in den Mund. «Klar schwirrt er bei uns im Kopf herum», sagt Olivier Schäublin, Sportchef des Klubs. Doch die Coronasituation verunmögliche eine langfristige Zielbekanntgabe. Zu fragil ist die Durchführung der Meisterschaft, zu unsicher sind die
Folgen bei einer Ansteckung mit dem Virus. «Die Pandemie verlangt von uns allen eine grosse Flexibilität», sagt Schäublin und malt sich aus, was passieren würde, wenn ein Spieler coronabedingt in Quarantäne müsste. «Für mich ist es klar, dass es in dieser Saison Turbulenzen geben wird.»

Personelle Fluktuationen gab es auch im Verein. Trainer Robert Othmann wurde trotz erfolgreicher Saison noch Ende März durch Christian Weber ersetzt. Dazu gesellen sich 15 Spielerabgänge und beinahe ein Dutzend Neuzugänge. Deswegen präsentiert sich das Basler Eishockeyteam in einem gänzlich neuen Gewand.

Fehlt der Kampf, gibt es Pleiten gegen Konkurrenten

Die Transfers folgen dabei einer bewussten Strategie. Spieler,
die in erster Linie Spass haben wollen und nach Trainingsende auch mal gerne ein Bier trinken, wurden durch solche ersetzt, die ambitioniert einen sportlichen Aufstieg anstreben. «Vorher gab es eine Diskrepanz zwischen Amateur- und Profiansprüchen. Die Neuzugänge teilen nun alle dasselbe Projekt», sagt Schäublin.

Dazu passt, dass mit Christian Weber ein schweizweit bekannter Trainer an der Seitenbande steht, der auch schon die ZSC Lions und die SCL Tigers betreute. Er zeigt sich zufrieden mit der Arbeit und den Transfers seines Sportchefs: «Wir haben ein sehr breites Kader mit sowohl physischen als auch technischen Spielern. Jetzt liegt es an mir, die Puzzleteile zusammenzufügen.»

Webers Einstellung fiel gerade mit den restriktivsten Coronamassnahmen im Frühling zusammen. Erst im Sommer konnte er mit den Spielern, von denen er 80 Prozent nicht kannte, erste persönliche Gespräche führen. «Was ich sonst während des ganzen Sommers beobachte, war in diesem Jahr erst ab August möglich», erzählt Weber. In jenem Monat begann die intensivste Vorbereitungszeit mit zahlreichen Testspielen. Resultatmässig gingen mehr verloren als gewonnen, auch gegen direkte Ligakonkurrenten setzte es Pleiten ab.

Am vergangenen Mittwoch gab es in der Hauptprobe eine enttäuschende Niederlage gegen Hockey Huttwil. «Es muss uns bewusst sein, dass gegen Ligakonkurrenten nicht das spielerische Element entscheidet, sondern der Kampf. Wenn der nicht komplett da ist, reicht es nicht», warnt Weber. Dennoch ist er zufrieden mit der Vorbereitung. Ein Grund dafür sind die mutigen Auftritte gegen Mannschaften aus der Swiss League. Gegen den HC Sierre gab es einen 1:0-Erfolg.

Teams aus der zweithöchsten Liga dienten nicht nur als Testspielgegner, sondern auch als Präsentanten möglicher Transfers. Martin Alihodzic, der vom EHC Winterthur ans Rheinknie wechselte, ist einer der Neuzugänge. Er verlässt einen Abstiegskandidaten und schliesst sich einem Aufstiegsanwärter an. «Basel war für mich eine interessante Option, da der Verein viele Ambitionen hat», sagt der Stürmer. Er und Weber sind überzeugt, dass der Unterschied zu einer Mannschaft aus der nächsthöheren Liga nicht allzu gross ist. «Das Arbeitsumfeld in Basel ist absolut tauglich für die Swiss League», sagt Weber. «Nun muss noch der sportliche Schritt folgen.» Mannschaften aus höheren Ligen haben, so Weber, lediglich den Vorteil, dass sie über mehr erfahrene und ausländische Spieler verfügen.

Weg von der Amateur- und hin zur Profieinstellung

Ein Saisonziel lässt sich den Verantwortlichen dann doch noch entlocken. «Wir wollen unter die besten drei der Liga und in den Playoffs mit einem Heimspiel starten», sagt Weber. Der EHC Basel vertraut dabei auf sein Transferkonzept: weg von einer Amateur- und hin zu einer Profieinstellung.
Saisonstart

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