Schweizer Nati

Der einen Leid, der anderen Freud - Cömert und Widmer bei der Nati

Eray Cömert rückte am Montag erstmals offiziell bei der A-Nati ein.

Eray Cömert rückte am Montag erstmals offiziell bei der A-Nati ein.

Die beiden FCB-Spieler Eray Cömert und Silvan Widmer sind erstmals beziehungsweise nach einem Jahr wieder zurück in der Nati. Auch, weil ihre Konkurrenten aus diversen Gründen fehlen.

Hätte man Silvan Widmer vor einem Jahr gesagt, dass er heute aus dem Quartett Lichtsteiner, Lang und Mbabu plötzlich mit die besten Nati-Karten hat, hätte er es wohl kaum geglaubt. Denn vor einem Jahr schien die Beziehung Widmers zur Nati an einem Tiefpunkt angelangt. Wie schon bei der EM 2016 schafft er auch vor der WM 2018 den letzten Cut nicht, muss nach Hause reisen. Für die ersten Spiele nach der WM bekommt er ein Aufgebot, aber keine Einsatzminuten. Widmer sucht das Gespräch, sagt Nati-Trainer Petkovic, dass er nur einrücken möchte, wenn er nicht nur auf der Tribüne landet wie im September 2018 gegen England.

Danach bleiben die Aufgebote aus, Widmer baut leistungstechnisch ab, die Nati rückt in die Ferne. Mit dem Verein läuft es alles andere als gut. Die Blamage gegen YB, das Europa-Aus, der immense Rückstand. Mittendrin Silvan Widmer. Der Hoffnungsträger, der nicht liefert, was sein Renommee versprach. «Ich bin sicher als grosser Name zum FCB gekommen und habe mir selber grossen Druck gemacht», sagt er.

Nach einjähriger Absenz rückt Silvan Widmer am Montag wieder bei der Nati ein.

Nach einjähriger Absenz rückt Silvan Widmer am Montag wieder bei der Nati ein.

Als es der Mannschaft nicht lief, «wollte ich alles tun, um zu helfen, statt mich auf mich zu konzentrieren und meine Leistungen zu bringen.» Ein Fehler, aus dem er gelernt habe, wie er gestern sagt. Gestern, als er nach einem Jahr Pause erstmals wieder bei der Nati ist. Weil sowohl Lichtsteiner als auch Lang auf der Suche nach mehr Spielpraxis eben erst den Verein gewechselt haben und nicht aufgeboten sind. Weil Mbabu aufgeboten, aber frei von Spielpraxis ist. Und weil Widmer auf einmal der Spieler ist, der am besten in Form ist.

Die Abwerbungsversuche des türkischen Verbandes

Dass Silvan Widmer auch davon profitiert, dass es den anderen nicht läuft, dürfte ihm egal sein. Er sieht die Gründe bei sich selber und nicht beim Leid der anderen. «Ich bin persönlich auf einem guten Weg und kann wieder bessere Leistungen abrufen als zum gleichen Zeitpunkt vor einem Jahr.» Eine Meinung, die Petkovic teilt, wie er bereits am Freitag sagte. Widmer sagt: «Das Aufgebot ist daher glaube ich schon eine Bestätigung. Und ich denke, es ist auch verdient.»

Verdient hat sich auch Eray Cömert sein Aufgebot, auch wenn der 21-Jährige nicht immer fehlerfrei spielt. Petkovic attestiert ihm einen Prozess, den er durchlaufen habe beim FCB. Dieser bringt ihn erstmals offiziell zur A-Nati, nachdem er im Pre-Camp vor dem Final Four der Nations League schon hatte schnuppern dürfen. Dass auch er von der Abwesenheit eines leidgeplagten Kollegen profitiert – Timm Klose fehlt mit einer schweren Knieverletzung, die ihn ein Jahr kosten könnte – ist für ihn kein Thema. «Für mich zeigt dieses Aufgebot, was ich die letzten Jahre für Leistungen gezeigt habe.»

Der Captain der U21-Nati sei einfach extrem stolz, erstmals dabei zu sein. Das Lachen kriegt er beim Sprechen dieser Sätze kaum aus dem Gesicht. Dass er in Zürich einrückt und nicht in der Türkei, ist nicht selbstverständlich. Der Verband seiner zweiten Heimat hat schon oft angefragt. «Das Interesse war wirklich da.» Nicht so aber seines, für die Türkei zu spielen.

Zwar hörte er sich bei einem Schweiz-Besuch einer türkischen Delegation deren Argumente an. «Aber ich spiele seit der U15 für die Schweiz und die A-Nati der Schweiz war immer schon mein Ziel.» Mit der Berufung geht für ihn ein Traum in Erfüllung. Dass er nur kleine Einsatzchancen hat, und wenn dann vor allem zwecks Bindung an den Schweizer Verband, diese Gedanken sind für ihn ganz weit weg.

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