American Football

«Der einzige Tag, an dem ich lieber in Boston wäre»

Die MeanMachine-Spieler, allen voran Mike Margucci (Brady-Trikot), verfolgen gespannt das Spiel. pensa

Die MeanMachine-Spieler, allen voran Mike Margucci (Brady-Trikot), verfolgen gespannt das Spiel. pensa

Der Super Bowl lässt auch die American Football Spieler der Basler MeanMachine nicht kalt. Sie treffen sich um Mitternacht zum Public Viewing. Die meisten der Nationalliga-B-Footballer fiebern für die New York Giants.

Eine leere 30er-Zone-Strasse, überall geschlossene Fensterläden oder ausgemachte Lichter. Nichts deutet auf eine Party hin. Auch der Eingang der Jugi Dalbenloch ist dunkel. Ich trete aus der kalten Dunkelheit ein, zwei Türen später stehe ich in der warmen Stube. Rund zwei Dutzend Männer sind vor einer Leinwand versammelt. Die Nationalliga-B-Footballer der Basel MeanMachine sind gespannt. In zehn Minuten wird die 46.Super Bowl angepfiffen.

250 Dollar für das Spektakel

Ein paar Giants-Trikots lassen Sympathien erahnen. «Ich denke, das Verhältnis ist ungefähr ausgeglichen», sagt Till König, der die Super-Bowl-Party zum vierten Mal organisiert. Der 25-Jährige ist im Quartier aufgewachsen, deshalb der Jugi-Raum für die nicht mehr ganz jugendlichen Footballer. König, der den Anlass schon während seiner Zeit bei den Gladiators, dem zweiten Basler Team, organisierte, ist es auch, der den «NFL Game Pass» abonniert hat. Damit kann er alle NFL-Spiele online in High-Definition-Qualität schauen. «Der Pass kostet 250 Dollar. Eigentlich völlig überteuert, aber ich schaue jedes Spiel», klärt er mich auf. Er hat ab Montag Ferien, kann das Spiel also in Ruhe geniessen, auch wenn es sich bis fast vier Uhr zieht.

Nicht so wie Steve Jascur, der am nächsten Morgen um 7.30 Uhr zur Arbeit muss. Er ist für die Patriots, auch wenn er um deren Defensivschwäche weiss. Sein Bruder Sandy wirft dazu gleich die Weisheit ein: «Die Offensive gewinnt Spiele, die Defensive Meisterschaften.» Er sollte recht behalten.

Währenddessen die meisten Anwesenden eine Tendenz zu einer Mannschaft haben, aber vor allem gutes Football sehen wollen, sind
bei Mike Margucci die Fronten klar. Er stammt aus Boston und besuchte früher alle Spiele der New England Patriots. Natürlich trägt er ein Jersey «seines» Quarterbacks, Tom Brady. «Wir werden gewinnen. Wegen Brady und Belichick (Coach)», ist er vor dem Spiel überzeugt. Der Amerikaner, der seit Oktober in Basel wohnt und arbeitet, vermisst die grosse Party, die es jeweils zur Super Bowl gab. «Heute ist der einzige Tag im Jahr, an dem ich lieber in Boston wäre», sagt er. Er sollte in dieser Nacht eine emotionale Berg-und-Tal-Fahrt erleben. Sein Team startete schlecht, ging in Führung und verlor dann doch noch. Wenigstens hat er sich vorsichtshalber den Morgen freigenommen.

Die Bayern des Footballs

Etwas im Hintergrund hält sich der Präsident der MeanMachine, Richard Nokaj. Er ist San-Francisco-49ers-Fan. «Die Patriots sind das Bayern München der NFL, einfach nicht so unbeliebt», erklärt er mir. Er weiss auch, wie er den Starstatus von Quarterback Tom Brady für Nicht-Footballer fassen kann: «Er ist mit Supermodel Gisele Bündchen zusammen.»

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