Handball NLA

Der entscheidende Faktor: RTV Basel bestreitet den Abstiegskampf mit einem speziellen Rückkehrer

Pascal Stauber (rotes Trikot, links) will den RTV-Abstieg verhindern. Dafür gab er nach zwei Jahren sein Comeback.

Pascal Stauber (rotes Trikot, links) will den RTV-Abstieg verhindern. Dafür gab er nach zwei Jahren sein Comeback.

Der RTV Basel bestreitet am Mittwochabend seine Finalissima. Es geht um Alles oder Nichts: Verliert der RTV, steigt er direkt in die NLB ab. Mit dabei ist auch Goalie Pascal Stauber. Er gibt für die entscheidenden Spiele sein Comeback – nach zwei Jahren ohne Training.

Es ist eine deutliche Niederlage. 21:30 verliert der RTV Basel gegen Gossau, das bis zu diesem Zeitpunkt Tabellenschlusslicht war. Plötzlich ist dies der RTV. Zum ersten Mal in dieser Saison. Bleibt er dort, dann steigt er direkt in die Nationalliga B ab.

Drei Spiele in der Abstiegsrunde bleiben noch. Drei Spiele, um sich doch noch zu retten. «Sie hatten das Messer am Hals. Und weil sie wussten, dass sie alles versuchen und alle mobilisieren mussten, riefen mich Präsident Alex Ebi und Trainer Silvio Wernle an. Den Rest kennen Sie.»

Als Pascal Stauber das erzählt, sitzen wir bei ihm im Garten. Dass der 116-fache ehemalige Schweizer Nati-Goalie noch einmal Interviews geben muss, daran hatte er wohl selber kaum gedacht. Vor zwei Jahren und mit dem Aufstieg des RTV Basel in die Nati A beendete er seine sehr lange und noch erfolgreichere Karriere. Sein kaputtes Knie zwang ihn zu einem Abschied, der früher kam, als geplant.

Nichts zu verlieren

Seither konzentriert er sich voll auf das Dasein als Gym-Lehrer und Papi. Bis ihn ebendieser Anruf erreichte vor gut zwei Wochen. Mit der Bitte, den Verein, mit dem er seit seinem siebten Lebensjahr und somit seit 30 Jahren verbunden ist, mit einem Comeback zu unterstützen. «Zuerst dachte ich ‹nein, das mache ich nicht. Ich kann ja nur verlieren›», erinnert sich Stauber.

Doch nach kurzem Überlegen wurde ihm klar: «Ich habe eine Operation, zwei Jahre Pause und kein Training hinter mir. Also wird man nicht viel von mir erwarten und ich habe nichts zu verlieren. Und wenn sie dann tatsächlich abgestiegen wären, und ich hätte nichts gemacht, dann hätte ich mir lange Vorwürfe gemacht.»

Hundertprozentige Siegquote

Also sagte er zu, seinem Verein in den drei entscheidenden Spielen um den Ligaerhalt zur Seite zu stehen. «Ich weiss nicht, was die genauen Hintergedanken bei meiner Rückholaktion waren. Ob es ein vertrautes Gefühl ist, das man wieder haben wollte. Aber egal was es ist, anscheinend ist irgendwo ein Schalter umgelegt worden.»

Denn: Zwei der drei kapitalen Spiele sind durch. Zwei Mal war Stauber mit dabei, spielte zwar nur 20 Minuten. Aber beide Mal gewann der RTV. «Wenn ich einer der Faktoren war, dann ist das recht. Auch wenn ich in diesen beiden Spielen noch nicht mit sportlicher Leistung überzeugt habe, sondern offenbar mit dem Drumherum.»

Am Ende sei das auch sekundär. «Das Einzige, was zählt, ist, dass der Verein oben bleibt. Natürliche geniesse ich es, noch einmal dabei und noch einmal Teil einer Mannschaft zu sein. Aber mein Befinden ist nur Beigemüse.»

Unvergleichliche Showdown-Spiele

Wenn der sofortige Abstieg verhindert werden kann, dann sei es ihm auch egal, wenn er nicht zum Einsatz kommt am Mittwochabend. «Wenn man mich nicht einwechseln muss, heisst das, dass die Mannschaft gut spielt und wir auch so gewinnen.» Dann könnte er sogar damit leben, über die drei Spiele hinweg vielmehr ein Edelmaskottchen gewesen zu sein als der Akteur, der auf dem Platz den Unterschied gemacht hat.

Denn auch so hatte er wieder dieses Gefühl, dieses Alles oder Nichts, das ihm nur der Spitzensport gibt. Vor allem in solchen Showdown-Spielen. «Mir hilft der Druck. Aber damit geht jeder anders um. Und Druck, der wird da sein.

Im richtigen Moment bereit sein

Der RTV erwartet eine rappelvolle Halle. Alle Vereine geniessen Gratis-Eintritt. Um ob der enormen Wichtigkeit nicht auch noch die Routine zu ändern, verläuft die Vorbereitung am heutigen Spieltag wie immer. «Dann kann jeder sein Ritual durchführen.» Und ist so eher auf Punkt x bereit. Denn darauf werde es ankommen.

Fünf Mal haben die beiden Teams schon gegeneinander gespielt diese Saison, kennen sich in- und auswendig. «Da macht die individuelle Klasse den Unterschied. Und dort sind wir definitiv besser.» Das, so Stauber, würde auch der Gegner bestätigen. Behält Stauber recht und der RTV gewinnt, dann behält auch er selber die seit seinem Comeback bestehende hundertprozentige Sieg-Quote. Und der RTV die Chance auf den Ligaerhalt.

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