Auf die Frage, wie es mit seiner Fussballkarriere weiter gehen soll, reagiert Alessandro Iandoli erzürnt: «Ich habe die Schnauze voll vom Fussball», und legt gleich nach «Ich mag es nicht, wie im Fussball hinten durch kommuniziert wird. Ich überlege mir, andere Wege einzuschlagen.» Wie kommt es, dass ein 30-jähriger Fussballprofi, der letztes Jahr noch in der Europa League spielte, bereits über sein Karrierenende nachdenkt?

«Das viele Reisen macht müde. Ich wäre gerne wieder bei meiner Familie und meinen Freunden in der Schweiz.» Sechs Jahre ist es her, als der Basler von Concordia nach Italien zu Pescara transferiert wurde. Nach einem Jahr ohne Spielpraxis wollte der Schweizerisch-Italienische Doppelbürger unbedingt wechseln.

Über einen Spielerberater wurde der Kontakt nach Belgien erstellt und Iandoli wechselte im Juli 2009 zum AS Eupen – einem Klub der zweithöchsten Liga Belgiens. Iandolis Karriere begann Fahrt aufzunehmen. Mit Iandoli gelang Eupen die Promotion in die Jupiler Pro League, der Linksverteidiger wurde sogar ins Allstar Team der Liga gewählt. Zwar stieg Eupen in der darauffolgenden Saison wieder ab, aber Iandolis Marktwert vervierfachte sich auf knapp eine Million Schweizer Franken, was andere Vereine aufhorchen liess. VV St. Truiden etwa, damals ein Mittelfeldteam der höchsten Liga, legte dem Basler einen Fünfjahresvertrag auf den Tisch. Iandoli zögerte nicht lange und unterschrieb.

Eine fast endlose Odyssee

Drei Jahre sind seither vergangen. Alessandro Iandoli spielte nur das Erste in St. Truiden – das Team stieg danach ab. Dies hatte für Iandoli Folgen: Seinem Verein fehlten die finanziellen Mittel, um den Vertragsbedingungen nachzukommen. Um den vereinbarten Lohn zu bekommen, musste der 30-Jährige verliehen werden. Der FC Ujpest nahm Iandoli für ein Jahr unter seine Fittiche. «Ich spielte eine gute Saison und war als Stammspieler gesetzt», so der Basler. Da sein belgischer Stammverein den Wiederaufstieg aber verpasste, musste sich Iandoli auf die neue Saison hin wieder eine neue Lösung finden.

Über einen alten Kontakt kam dann der Anruf von Standard Lüttich, seines Zeichens zehnfacher belgischer Meister und Vertreter in der Europa League. Für Iandoli die Chance, sich bei einem erfolgreichen europäischen Klub zu etablieren. Der erhoffte Exploit blieb jedoch aus – Iandoli brachte es nur auf acht Einsätze bei Standard. «Ich bekam keine faire Chance. Zu meinem Pech spielte der Kapitän auf meiner Position», erklärt Iandoli

Konkrete Rücktrittsgedanken

Seit Saisonende ist Iandoli wieder beim VV St. Truiden, der auch die kommende Saison zweitklassig spielen wird. Iandolis Zukunft sieht erneut ungewiss aus: «Ich weiss nicht, wie es bei mir weitergeht. Ich denke oft an eine Rückkehr in die Schweiz. Ich kann mir auch vorstellen, meine Karriere zu beenden und im Fitnessbereich als Personaltrainer zu arbeiten.»