Arlind Ajeti war untröstlich. Schnurstracks eilte er nach dem Schlusspfiff in Thun in die Kabine und kam nicht mehr heraus. Zumindest nicht mehr vor die nach ihm fragenden Journalisten. «Er ist ein junger Spieler, wir müssen ihn ein wenig trösten», nahm Sportdirektor Georg Heitz den 20-jährigen Innenverteidiger in Schutz.

Ajetis spektakuläres Eigentor von der Strafraumgrenze liess das eintreffen, was nach 60 Minuten und dem 2:0 durch Philipp Degen nicht mehr möglich schien: Den Ausgleich für die Berner Oberländer. Dass dieser nur Sekunden vor dem Schlusspfiff durch Schiedsrichter Schärer fiel, macht die Angelegenheit für Ajeti und den FCB doppelt bitter.

Erfahrung mit sehr späten Entscheidungen

Doch dürfte die Enttäuschung über den verpassten Auswärtssieg schnell einmal verflogen sein: Denn beim FCB hat man in dieser Saison so etwas wie Erfahrung mit ultraspäten Wendungen. Schon zum vierten Mal in nun 39 Saisonspielen musste Rot-Blau in der Schlussphase den Ausgleich hinnehmen. Immerhin: Zu einer Niederlage führte ein spätes Gegentor nie, bei den drei Saisonpleiten (2x Schalke 04, FCZ) hatte das Endresultat schon etliche Minuten vor dem Anpfiff Bestand.

Doch der FCB hatte auch schon mehrmals in der Schlussphase einer Partie das Glück auf seiner Seite. So kam er drei Mal im Endspurt zum Augleich, gegen YB krönte Freis Penaltytreffer in der 89. Minute gar die Aufholjagd vom 0:2 zum 3:2. Und zwei Mal rettete Goalie Yann Sommer den FCB mit sensationellen Paraden vor der Niederlage.

Diese insgesamt ausgeglichene Bilanz lässt sich mit einem Satz des zweiten, am Sonntag in Thun herausragenden FCB-Spielers zusammenfassen. Philipp Degen, in dieser Saison lange auf dem Abstellgleis, sagte nach seinem Assist und dem Treffer zum 2:0: «Das Leben ist eine Achterbahn. Wichtig ist einfach, dass man bei dieser Fahrt nie den Kopf in den Sand steckt und immer weitermacht.»