Was ist Dominanz? Nein, es geht hier nicht um sexuelle Vorlieben, sondern um Fussball. Was also ist Dominanz im Fussball? Man könnte ganz einfach sagen: Dominanter ist, wer den Ball häufiger in seinen Reihen hat. Aber die Abkehr vom Ballbesitz-Fussball auf internationalem Niveau legt nahe: Ballbesitz ist nicht alles. Sonst hätte der FC Basel im Rückspiel des Champions-League-Achtelfinals auch nnicht gewonnen, sondern gnadenlos aufs Dach gekriegt.

Manchester City war nämlich während 72 Prozent der Zeit in Ballbesitz, stellte einen Passrekord auf – und verlor dennoch mit 1:2. «Wir haben gepasst, um zu passen, nicht um anzugreifen», ärgerte sich Pep Guardiola nach dem Spiel.

Nicht der Ballbesitz ist entscheidend

Schauen wir also, bezüglich welcher Statistiken sich dieses Spiel ausgeglichener gestaltete. Und wir werden schnell fündig: Beide Teams haben drei Mal aufs Tor geschossen, Basel war da einfach eine Spur effizienter. Somit ist klar, dass es, um etwas über die Dominanz eines Teams aussagen zu können, mehr Sinn macht, wenn man die Abschlussversuche zweier Teams ins Verhältnis zueinander setzt.

Basel hat in der Super League bisher 363 Mal auf das gegnerische Tor geschossen, gleichzeitig hat man 208 Abschlussversuche des Gegners zugelassen. Die Total Shots Ratio setzt diese Zahlen ins Verhältnis (Abschlussversuche FCB/ (Abschlussversuche FCB + Abschlussversuche Gegner). Ein Wert über 0,5 bedeutet also, dass der FCB dominanter ist als sein Gegner. Nimmt man die Zahlenaus allen Liga-Spielen, ergibt sich für den FC Basel ein Wert von 0,64. YB dagegen kommt bloss auf einen Wert von 0,63.

Profitiert YB vom Kunstrasen?

Wie kann YB trotzdem so viel besser sein? Ganz einfach: Die Berner sind effizienter. 62 Tore haben sie geschossen bei 392 Abschlussversuchen. Das entspricht einer Erfolgsquote von 15,8 Prozent.Basel dagegen kommt bei 363 Abschlussversuchen auf 43 Tore, was einer Quote von 11,8 Prozent entspricht. So klein der Unterschied scheint, so gross die Auswirkungen auf die Tabelle.

Interessant ist zudem, wo der Leader den Unterschied macht. Der FCB ist zwar insgesamt das dominantere Team, betrachtet man aber nur die Heimspiele, dann hat YB die Nase vorne. Mit einer Total Shots Ratio von 0,70 liegen sie vor dem FCB (0,66). Zwar haben die Berner auch auswärts mehr Punkte geholt als Basel (siehe Tabellen oben), den grossen Unterschied aber haben sie im Stade de Suisse herausgearbeitet.

Das mag daran liegen, dass die Berner mit der Unterstützung der eigenen Fans noch stärker sind. Es kann aber auch daran liegen, dass sie zu Hause auf Kunstrasen spielen. Die einzige Heimniederlage in der Meisterschaft hat YB diese Saison übrigens gegen den FC Thun kassiert.

Eine Mannschaft, die ihre Heimspiele ebenfalls auf Kunstrasen austrägt. Wobei Thun nicht dominanter war, sondern effizienter. Acht Mal gingen die Oberländer in den Abschluss, vier Mal buchten sie. YB dagegen unternahm 10 Abschlussversuche und scheiterte genauso oft. Dominanz ist eben nicht alles. Das weiss auch der FCB.