Im Herbst 2011 konnte der FC Basel auf U19-Juniorenstufe erstmals so etwas wie Champions-League-Luft schnuppern. Die «NextGen Series», wie diese inoffizielle Version hiess, erfüllte aber die Erwartungen nicht. Negativer Höhepunkt aus Basler Sicht war das Aus nach der Gruppenphase, weil Inter Mailand sämtliche Terminvorschläge für das Spiel im Rankhof abgelehnt hatte. Dieses wurde mit 0:0 anstatt mit einem 3:0-Forfaitsieg für den FCB gewertet, was auf allgemeines Unverständnis stiess. «Dieser Wettbewerb taugt nichts, wir werden unsere Lehren daraus ziehen», lautete der Kommentar des damaligen Mediensprechers Josef Zindel.

Probleme behoben

Die «NextGen Series» ist mittlerweile nicht nur für den FCB Geschichte. Die Uefa hat vergangene Saison mit der Uefa Youth League (UYL) eine offizielle U19-Champions-League ins Leben gerufen. Terminprobleme gibt es keine mehr, gespielt wird jeweils ein paar Stunden bevor sich die Fanionteams gegenüberstehen.

Mit der Änderung des Wettbewerbs hat sich auch die Einstellung beim FC Basel geändert. «Die UYL ist eine gute Geschichte, wir freuen uns, dabei zu sein», sagt Roland Heri. Für den administrativen Leiter des Nachwuchses bedeutet die Teilnahme des FCB an diesem Wettbewerb einen «beträchtlichen Mehraufwand». Denn alles ist bis aufs letzte Details genauestens reglementiert.

Erfahrungen sammeln

Bei der Vorbereitung auf das heutige Heimspiel gegen Liverpool (morgen 15 Uhr, FCB-Campus St. Jakob) stand Heri gleich mit vier Vertretern des englischen Traditionsvereins in Kontakt, was auf einen grossen administrativen Apparat im Nachwuchsbereich hindeutet. «Bei solchen Sachen merkt man, dass wir auf dieser Stufe noch nicht so lange dabei sind», so Heri.

Doch nicht nur hinter den Kulissen sind die Spiesse ungleich. Während Liverpool und Real Madrid, die Favoriten in der Gruppe B, in ihrer Heimat in einer U19-Meisterschaft spielen und deswegen mit eingespielten Teams antreten, hat der FCB keine U19. Die Rotblauen müssen eine zusammengewürfelte Mannschaft von U18- und U21-Junioren aufs Feld schicken.

Hohe Belastung

Allerdings ist auch die Philosophie eine andere. So hat Real Madrid den UYL-Sieg als Ziel ausgegeben. Entsteht auf einer Position eine Vakanz im Kader, wird umgehend nachgerüstet. So holte Real auf diese Saison hin die ausländischen Junioreninternationalen Benjamin Kuscevic (Chile) und Philipp Lienhart (Österreich) für die Innenverteidigung. «Wir stellen diese Überlegungen auch an, entscheiden uns aber meist gegen einen Transfer, wenn wir sehen, dass bald ein jüngerer Spieler auf dieser Position nachrücken könnte», erklärt Thomas Häberli. Der Basler U21-Trainer, der auch bei der U19 an der Linie steht, hat die schwierige Aufgabe, in der UYL eine kompetitive Elf aufs Feld zu schicken.

Hohe Belastung

Denn die Belastung ist hoch: Neben Promotion League, Juniorennationalmannschaft und Schule muss auch auf genügend Erholung geachtet werden. «Im Gegensatz zu einem Aktiven kann ein Junior nicht wochenlang alle drei Tage spielen», so Häberli. Aus diesem Grund erhielt beispielsweise Robin Huser (16), der letzte Woche im Dress der U17-Nati zwei Spiele über die volle Dauer absolviert hatte, am Wochenende frei, anstatt im Aufgebot gegen die U21 des FC Zürich zu fungieren.

Nach der 0:2-Niederlage in Madrid sind die Basler auch gegen Liverpool klarer Aussenseiter. «Die Partie kommt in einem ungünstigen Moment», findet der Trainer, denn mehrere Spieler mit Jahrgang 1996 fallen aus. Dennoch traut Thomas Häberli seinem Team ein gutes Resultat zu: «Ein Punkt wäre super, doch wir streben den Sieg an!»