Die Muttenzerkurve will nach Spielschluss gar nicht mehr aufhören: «In dr Tabelle hets no Plätzli frei, no wiiter hinde, uff Platz zwei oder drei...», hallt es minutenlang durchs Joggeli. Die Mannschaft lauscht mit einem kollektiven Lächeln auf dem Gesicht. Durch den 2:1-Sieg gegen Lugano und das 2:2 von Meister YB in Luzern grüsst der FCB seit heute wieder von ganz oben in der Tabelle. 772 Tage musste Rotblau auf diesen Moment warten. Seit dem Double in der Saison 16/17 war der FCB nicht mehr Tabellenführer. Am 22. Juli 2017 übernahm YB durch einen 2:0-Sieg gegen den FCB am ersten Spieltag der Saison das Ruder.

«Wir sind mega happy, aber eigentlich ändert sich nichts. Wir wollen diesen Platz verteidigen und das wird schwierig genug», sagt FCB-Captain Valentin Stocker. Vor einem Jahr hatte der FCB zum selben Zeitpunkt neun Punkte Rückstand auf YB. «Das zeigt, dass wir in diesem Jahr eine gute Entwicklung gemacht haben. Diesen Lauf wollen wir weiterverfolgen», sagt Marcel Koller. Der FCB-Trainer warnt aber sogleich: «Der Leader wird von allen Teams gejagt. Gegen ihn will jeder gewinnen. Wir dürfen nicht nachlassen.»

Alle Highlights der Partie: Basel gegen Lugano

Gegen Lugano lässt der FCB 75 Minuten lang nicht nach. Nach einer ganz kurzen Drangphase der Gäste in den Startminuten mit drei Abschlüssen neben das Tor von Jonas Omlin dominiert Basel das Geschehen. Schöne Ballstafetten führen zu zahlreichen Abschlüssen. Starkes Gegenpressing dazu, dass Lugano eigentlich nie gefährlich in des Gegners Hälfte kommt. Die Basler lassen den Ball gut laufen, sind ständig in Bewegung und haben deshalb meist auch die Zeit, den Ball anzunehmen und weiterzupassen. Lugano deckt eigentlich nur den Raum und muss sich bei Goalie Noam Baumann bedanken, dass es nicht mit 0:4 in die Pause geht.

Der 23-jährige Teufelskerl pariert mehrfach glänzend. «Ohne ihn hätten wir eine Klatsche kassiert», sagt Lugano-Trainer Fabio Celestini. Stocker wird gleich viermal zum Opfer von Baumanns Glanzparaden und sagt: «Er hat das sensationell gemacht. Ich dachte, der hält heute einfach alles.» Neun Paraden stehen am Ende auf dem Konto des Innerschweizers in Diensten der Tessiner. Absoluter Super-League-Saisonrekord.

Kemal Ademi trifft und trifft

Nur einmal ist Baumann in Halbzeit 1 machtlos. Nach einer schönen Kombination mit ein oder höchstens zwei Ballkontakten von Omar Alderete, Fabian Frei, Luca Zuffi und Kevin Bua landet der Ball vor den Füssen von Kemal Ademi. Und den FCB-Toptorschützen in Topform muss man aktuell nicht zweimal bitten. Wumms, lange Ecke, drin. Der fünfte Saisontreffer im fünften Spiel von Beginn an für den Neuzugang.

Nach seinem vierten Treffer vor Wochenfrist in Neuchâtel hatte Ademi angekündigt, mit einem Doppelpack oder Hattrick seine Bilanz beim nächsten Spiel aufzubessern. Schon damals war diese Aussage nicht als Witz gemeint. Der 1,98 Meter grosse Stürmer ist ein Typ, der selbstbewusst sagt, was er denkt, und vor allem Wort hält.

Doppelpack angekündigt, Doppelpack gemacht

In der 48. Minute lenkt Luganos Lavanchy einen Schnittstellenpass von Frei unglücklich direkt vor die Füsse von Ademi. Weil der Ball vom Gegner kommt, steht er nicht im Offside. Das 2:0 und damit der Doppelpack ist Tatsache. Es folgen weitere Paraden von Baumann. Der FCB macht den Sack nicht zu und Lugano kommt in der 86. durch das 1:2 von Dalmante doch noch in die Nähe eines Auswärtspunkts. In der Nachspielzeit ist dieser dann fast Realität, doch Omlin rettet mirakulös gegen den frei vor ihm auftauchenden Aratore und sichert dem FCB nach 772 Tagen Abstinenz die Tabellenführung. Nach der Länderspielpause und dem Cup in Meyrin geht es in der Liga dann zu YB.

Die Noten: