Blessuren
Der FC Basel reist mit gesunden Muskeln ins Tessin

Vor dem FCB-Spiel in Lugano fällt auf: Ein Brennpunkt aus der Vorrunde ist erloschen. Somit kann sich die Mannschaft von Urs Fischer voll und ganz auf das Spiel gegen den Cupfinalisten fokussieren.

Sebastian Wendel
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Zdravko Kuzmanovic hat den FC Basel im Winter verlassen – mit ihm sind auch die Muskelverletzungen gegangen.

Zdravko Kuzmanovic hat den FC Basel im Winter verlassen – mit ihm sind auch die Muskelverletzungen gegangen.

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Es war das Thema, das praktisch während der ganzen Vorrunde schwelte und sich einfach nicht abschütteln liess: die auffällig hohe Anzahl an Muskelverletzungen im FCB-Kader. War ein Spieler genesen, verletzte sich der nächste. Die gezerrten, verhärteten oder gerissenen Muskeln entwickelten sich zum Reizthema: Als Reaktion auf kritische Fragen zur Trainingsgestaltung stellte sich Chefcoach Urs Fischer schützend vor seine Mitarbeiter, konnte aber auch keine genauen Gründe für die unheilvolle Verletzungsserie nennen. Doch als dann Ende November sogar Goalie Tomas Vaclik wegen eines Muskelfaserrisses bis zum Jahresende ausfiel, zog Fischer die Notbremse. Er versammelte seinen Staff und kündigte danach gegenüber den Medien an, die Ursache erkannt haben zu wollen und künftig gewisse Dinge zu ändern. Was genau, verriet Fischer nicht.

Nach dem Muskelfaserrisses von Tomas Vaclik zog FCB-Coach Urs Fischer die Notbremse.

Nach dem Muskelfaserrisses von Tomas Vaclik zog FCB-Coach Urs Fischer die Notbremse.

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«Wir haben tatsächlich Sachen geändert»

Heute lässt sich festhalten: Die eingeleiteten Massnahmen scheinen ihre Wirkung nicht verfehlt zu haben. Und dies, obwohl die Verletztenliste mit Boëtius, Sporar und Bjarnason derzeit prominent bestückt ist. Doch handelt es sich bei ihren Blessuren nicht um solche im muskulären Bereich, sondern um einen Riss des Syndesmosebandes (Boëtius), eine gerissene Sehne an der Fusssohle (Sporar) und einen Handbruch (Bjarnason).

Angesprochen auf die nun gesunden Muskeln seiner Spieler, grinst Fischer und sagt: «Ich könnte jetzt trotzig sein und sagen: Wir machen ja doch alles richtig.» Dann fügt er mit ernster Miene an: «Wir haben tatsächlich Sachen geändert. Zum Beispiel passen wir die Intensität in den Trainings mehr dem Spielkalender an.» Eine weitere Änderung: Angeschlagene Spieler, die ihre Muskeln nur schon leicht spüren, werden aus dem Verkehr gezogen. Und nicht forciert, wie dies in der Vorrunde gemäss Fischer vielleicht einige Male passiert sei. Der Trainer erklärt dies am Beispiel seines Goalies: «Vaclik spürte während des Heimspiels gegen St. Etienne Schmerzen in den Adduktoren.

Urs Fischer, Trainer vom FC Basel «Ich könnte jetzt trotzig sein und sagen: Wir machen ja doch alles richtig.»

Urs Fischer, Trainer vom FC Basel «Ich könnte jetzt trotzig sein und sagen: Wir machen ja doch alles richtig.»

KEYSTONE/GEORGIOS KEFALAS

Wir haben dann entschieden, ihn für das darauffolgende Spiel in Thun rauszunehmen, um nichts zu riskieren. Möglich, dass wir in der Vorrunde anders gehandelt hätten.» Heute werde auch mal gegen den Willen eines Spielers entschieden, sprich werde dieser geschont. Obwohl der Spieler selber trotz leichter Beschwerden auflaufen möchte. Fischer: «Es war wichtig, im Spätherbst das Thema zu durchleuchten. Wir vom Trainerstaff sind ja gerne bereit, dazuzulernen.» Und abschliessend: «Man kann ändern und tun, was man will. Unter dem Strich gehört auch immer Glück dazu, ob man von Muskelverletzungen verschont bleibt. Dieses Glück hatten wir in der Vorrunde nicht, derzeit dafür schon.»

Gastspiel beim Cupfinalisten

Mit Berücksichtigung dieser neuen Mentalität darf man davon ausgehen, dass der FCB morgen in Lugano ohne Matias Delgado aufläuft. Der Captain verspürte im Donnerstagstraining Schmerzen im Oberschenkel und ging in die Kabine. Nichts Gravierendes, doch Delgado dürfte geschont werden: Auf den FCB wartet vor der Nationalmannschaftspause noch ein happiges Programm mit den Europa-League-Duellen gegen Sevilla als Höhepunkte.

Taulant Xhaka wird dem FC Basel gesperrt fehlen.

Taulant Xhaka wird dem FC Basel gesperrt fehlen.

KEYSTONE/ALESSANDRO DELLA VALLE

Im Tessin sicher fehlen wird neben den erwähnten Sporar, Boëtius und Bjarnason auch Taulant Xhaka, der seine dritte von vier Spielsperren absitzt. Fraglich ist zudem Davide Callà, der sich am Freitag krank abmeldete.

Gegen den frisch gebackenen Cupfinalisten will Fischer vor allem eines vermeiden: Nämlich ein Szenario wie im August, als der FCB im Cornaredo zu Beginn von Lugano überrollt wurde und nach neun Minuten mit Glück nur 0:1 in Rückstand lag. Damals drehte Rot-Blau die Partie gegen die offensiv starken, defensiv aber sehr anfälligen Luganesi und gewann 3:1. Mit einem solchen Resultat wäre Fischer auch morgen zufrieden.