13 Minuten vor dem Ende machte sich im St. Jakob-Park ungläubiges Staunen breit. Wie nur war so etwas möglich? Soeben hatte Milan Vilotic das zweite Tor für den Gast erzielt, und der FC Basel führte nur noch 3:2.

In einem Spiel, das er während 70 Minuten klar und nach Belieben dominiert hatte, so krass gar, dass es wohl manchen der 26 317 Zuschauer vorgekommen war, als seien sie an einem Trainingsspiel gegen einen unterklassigen Gegner. 70 Minuten lang hatten die Grasshoppers nicht ein Mal auf das Basler Tor geschossen; ja, sie waren nicht einmal in die Nähe von FCB-Goalie Tomas Vaclik gekommen.

Dann aber traf Lucas Andersen aus dem Nichts zum 1:3 − und es wurde ein anderes Spiel. Nun wogte das Geschehen hin und her, Ricky van Wolfswinkel verpasste bei einer Grosschance seinen dritten Treffer, und als die Gäste in der Nachspielzeit zu einem Freistoss kamen, hätte ihr Aussenbahnspieler Souleyman Doumbia das 3:3 köpfeln können, verpasste das Tor aber um einen halben Meter. Es wäre das unfassbare Ende eines verrückt gewordenen Spiels gewesen.

Zu sicher gefühlt

70 Minuten lang hatte der FCB alles im Griff gehabt. Er hatte den Grasshoppers keine Luft zum Atmen gelassen, nach einem Eigentor von Vilotic und einem Abstauber aus offsideverdächtiger Position von van Wolfswinkel zur Pause 2:0 geführt. Und als der Holländer dann nach einer Stunde einen Penalty zum 3:0 und zu seinem vierten Saisontor nützte, dachten alle, dass dieses Spiel gelaufen sei.

Wohl auch die Spieler des FC Basel. «Vielleicht haben wir uns zu sicher gefühlt», sagte Michael Lang, «plötzlich bekam GC die zweite Luft und wir machten es noch einmal spannend. Es wäre sehr bitter gewesen, hätten wir noch den Ausgleich kassiert.»

Dies geschah aber nicht. Der FCB gewann zum dritten Mal in Folge und schloss, einen Punkt hinter Leader FC Zürich, zu YB auf. Auch wenn die letzten zwanzig Minuten gewiss der Analyse und Aufarbeitung bedürfen, so ist dem Meister zuvor eine starke Leistung zu bescheinigen. Er präsentierte sich ohne den abwesenden Renato Steffen spielfreudig und unterhielt das Publikum durchaus gut.

«70 Minuten dominant»

Der Angriff, der zum Penaltytor führte, war wunderbar anzusehen. Wie am Schnürchen war die Kugel von Mohamed Elyounoussi über Alexander Fransson und Dimitri Oberlin zurück zum Norweger gerollt, der schliesslich von Cédric Zesiger gefoult wurde. «Das lief in dieser Situation leider etwas dumm für uns», sagte GC-Trainer Carlos Bernegger. «Es ist, wie in Luzern, wieder einiges gegen uns gelaufen. Auch das Eigentor von Vilotic war unglücklich, denn bis zu diesem Zeitpunkt hatten wir gut verteidigt und Basel keine Chancen ermöglicht.»

Doch selbst wenn GC zuletzt das Spiel offen gestaltet hatte, darf nicht vergessen werden, wie schlecht es zuvor ausgesehen hatte. Unglaublich defensiv war es aufgetreten, nichts, aber auch gar nichts hatte es für die Offensive getan und sich quasi dem Spiel verweigert. Es wäre ein Hohn gewesen, wäre es dafür noch mit einem Punkt belohnt worden.

Der Basler Trainer Raphael Wicky sagte: «Ich habe 70 Minuten lang einen sehr guten und dominanten FC Basel gesehen. Niemand im Stadion hätte wohl erwartet, was dann passiert ist. Das muss ich mir selber auch noch anschauen. Aber das ist eben Fussball.»

Basel - Grasshoppers 3:2 (2:0)

26'317 Zuschauer. - SR Hänni. - Tore: 26. Vilotic (Eigentor) 1:0. 43. Van Wolfswinkel (Elyounoussi) 2:0. 60. Van Wolfswinkel (Foulpenalty) 3:0. 70. Andersen (Pusic) 3:1. 77. Vilotic (Jeffren) 3:2.

Basel: Vaclik; Akanji, Suchy, Balanta; Lang, Elyounoussi (83. Serey Die), Xhaka (71. Schmid), Fransson, Riveros; Bua (57. Oberlin), Van Wolfswinkel.

Grasshoppers: Lindner; Doumbia, Bergström, Vilotic, Zesiger, Antonov (72. Fasko); Andersen, Pusic, Bahoui (72. Avdijaj); Jeffren; Munsy (61. Bajrami).

Bemerkungen: Basel ohne Steffen (persönliche Gründe). GC ohne Lavanchy, Pickel (beide gesperrt), Sigurjonsson, Basic, Brahimi und Djuricin (alle verletzt). Verwarnungen: 59. Zesiger. 76. Vilotic. 84. Balanta (alle Foul).


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