Und als Marco Streller zu Beginn des Jahres gefragt wird, wen er als Favoriten auf die Meisterschaft sehe, YB oder den FCB, sagte er: «Aufgrund der vergangenen Jahre werden wir als Favorit gesehen. An unserem Ziel hat sich nichts geändert: Wir wollen Schweizer Meister werden.» Man habe Grund, optimistisch zu sein. Dank der starken Phase zum Ende der Vorrunde, dank einer Mannschaft, die plötzlich konstant spielte, stabil wurde. Und: «Die Vergangenheit hat gezeigt, dass wir in der Rückrunde noch stärker sind als in der Vorrunde.»

Das ist ein Mythos. Während der vergangenen drei Saisons hat der FC Basel in der Rückrunde stets abgebaut. Zuletzt sogar ziemlich deutlich, holte man in der Saison 2016/17 in der Rückrunde im Schnitt doch fast einen halben Punkt weniger als noch während der Vorrunde.

Weniger ausgeprägt trat dieses Phänomen auch während der beiden vergangenen Saisons auf. Allerdings ist es mehr als verständlich, dass der FCB Gas rausnahm. Beginnend mit der Saison 2014/15 betrug der Vorsprung der Basler auf die Zweitplatzierten acht (FCZ), zehn (GC) und zwölf Punkte (YB).

Erinnerungen an die Finalissima

Wenn man im Winter hinten lag oder der Vorsprung nur knapp war, dann legten die Basler in der zweiten Hälfte meist eine Schippe drauf (siehe Grafik und Tabelle). Am Extremsten zu Beginn der Meisterserie. 2009/10 betrug der Rückstand auf YB sieben Punkte. Trotzdem gelang es den Baslern, die Berner noch abzufangen.

Im Schnitt holten sie in der Rückrunde über 0,6 Punkte mehr als in der Vorrunde – und konnten so zum Schluss der Saison nach gewonnener Finalissima in Bern den Meisterpokal entgegennehmen. Und so hat Marco Streller doch irgendwie recht, wenn er sagt, dass man in der zweiten Hälfte der Saison jeweils noch besser war. Man müsste bloss hinzufügen: Wenn es denn nötig war.

Der Rückstand ist nun – dank eines Steigerungslaufs der Basler – deutlich geringer als 2010. Trotzdem hat sich der FCB auch diesen Winter sehr bewusst verstärkt. Mit Valentin Stocker (28) und Fabian Frei (29) hat Marco Streller nicht einfach zwei Kumpel und Jasspartner aus alten Tagen heimgeholt. Oder wie er es sagte: «Das hat nichts mit Nostalgie zu tun.» Denn Stocker und Frei sind vor allem auch zwei Spieler, die wissen, was man mit starken Leistungen in der zweiten Saisonhälfte noch alles hinbiegen kann. Insbesondere Stocker.

Zuerich, 08.05.2013. Sport, Fussball, Super League 2012/2013. FC Zuerich - FC Basel. Valentin Stocker (FC Basel) jubelt nach dem 0:1 fuer den FCB. Copyright by: foto-net / Alexander Wagner *** Local Caption ***

Valentin Stocker in der Saison 2012/2013 beim FC Basel.

Zuerich, 08.05.2013. Sport, Fussball, Super League 2012/2013. FC Zuerich - FC Basel. Valentin Stocker (FC Basel) jubelt nach dem 0:1 fuer den FCB. Copyright by: foto-net / Alexander Wagner *** Local Caption ***

Er war es, der beim meisterschaftsentscheidenden Sieg in Bern 2010 mit seinem 1:0 den Weg zum Titel ebnete. Damals übrigens im Tor der Berner ein gewisser Marco Wölfli. Und wenn YB in den kommenden Tagen nicht noch einen Ersatz für den verletzten David von Ballmoos präsentiert, dann wird es ebendieser Wölfli sein, der bei den Bernern in der Rückrunde das Tor hüten wird.

Frei kam auf die Saison 2011/12 von St. Gallen zurück zu seinem Ausbildungsverein. In der Folgesaison lagen die Basler zur Winterpause vier Punkte hinter den Grasshoppers. Die Saison beendeten die Basler mit drei Punkten Vorsprung auf die Zürcher.

Doch das Wissen um die Chancen einer starken Rückrunde allein bringt nichts. Was geschehen ist, ist geschehen. Für die Basler aber zählt jetzt nur, was noch kommt. Heisst: In dieser Rückrunde wird sich zeigen, ob diese Mannschaft eine Mannschaft von Siegern ist oder eben nicht. Dazu braucht es im Schnitt mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit mehr Punkte als in der Vorrunde. Denn auf die Schwäche der Gegner verlassen sich nur Verlierer.