Europa League

Der FC Basel und die erwartete Reaktion aus Russland

Sportlich geht es um wenig, doch der FC Basel tut dreifach gut daran, das Europa-League-Spiel in Krasnodar trotzdem ernst zu nehmen.

Die Ansage, die am Mittwochmorgen an Gate 31 des EuroAirports ertönt, sorgt beim Tross des FC Basel für schallendes Gelächter. „Wir wünschen Ihnen schöne Ferien“, sagt ein nicht ganz informierter Servicemitarbeiter übers Gate-Mikrofon, als das Flugzeug zum Boarding bereit ist.

Natürlich macht der FC Basel in Krasnodar keine Ferien, er spielt in der Europa League. In einem hochmodernen Stadion und gegen den aktuellen Vierten der russischen Premjer-Liga. Doch ganz so falsch lag der Mann nicht. Denn schliesslich ist der FCB schon für die Sechzehntelfinals im kommenden Jahr qualifiziert und könnte den Trip nach Krasnodar somit ziemlich entspannt angehen.

Doch wer gedacht hat, dass die Basler die Russlandreise zum Entspannen nutzt, hat die Rechnung ohne Marcel Koller gemacht. Der FCB-Trainer bemüht auch vor diesem Spiel seine Lieblingsfloskel: «Jedes Spiel ist wichtig.» Er will, dass sein Team «alles in die Waagschale wirft, um auch in Krasnodar zu gewinnen». Natürlich gibt es vor allem in Fankreisen viele Stimmen, die sich wünschen, dass der FCB auf Grund der Ausgangslage in der Europa League den Fokus in dieser Woche voll und ganz auf das Spitzenspiel vom kommenden Sonntag gegen YB legt. Doch Koller wird erst am Donnerstagabend nach Abpfiff an YB denken.

Die Mannschaft hat den Gruppensieg zum Ziel

Zwar mag es sportlich gegen Krasnodar um nicht allzu viel gehen, doch es gibt mindestens drei Gründe, warum sich der FCB besonders anstrengen sollte. Zum einen das Geld. Die Uefa schüttet in der Europa League Punkteprämien aus. Bei einem Sieg würde der FCB 570'000 Euro kassieren. Sollte Rotblau am Ende als Gruppenerster dastehen, kämen weitere 500'000 Euro hinzu. Der Gruppensieg ist auch das mannschaftsintern erklärte Ziel. Denn dann wäre der FCB bei der Auslosung gesetzt und träfe in der ersten K.o-Runde im Februar 2020 auf die vermutlich etwas leichteren Gegner. Für Trainer Koller sind diese Gelder kein Extra-Anreiz: «Wir schauen auf das Ergebnis nicht auf die Prämien.» Für FCB-Präsident Bernhard Burgener dürfte das anders aussehen. Denn für die Geschäftszahlen sind Uefa-Prämien im wahrsten Sinne des Wortes Gold wert.

Selbstgefällig? Kein Kommentar von Koller

Burgener bringt uns zum zweiten Punkt: Reaktion zeigen und Selbstvertrauen tanken. Im Regional-TV bezeichnete der Präsident den FCB-Auftritt beim 0:2 in Genf am vergangenen Wochenende als «selbstgefällig» und mahnte, dass das ein Weckruf sei. Denn schliesslich stünden «zwei grosse Herausforderungen» vor der Tür. Während Koller die Worte des Präsidenten nicht weiter kommentieren will, ist die Mannschaft gewillt, eine Reaktion auf den blutleeren Auftritt gegen Servette zu zeigen. 

Insbesondere Captain Valentin Stocker, der anders als in der Liga auf der internationalen Bühne nicht rotgesperrt ist. Seine vier Spielsperren, welche die Liga ihm aufgebrummt hat,  will der 30-Jährige nicht kommentieren. Er will auf dem Platz eine Reaktion zeigen. Doch auch seine Teamkollegen sind froh, dass sie schon am heutigen Donnerstag und nicht erst am Sonntag eine Chance auf Wiedergutmachung haben. «Wie jeder in der Mannschaft freue ich mich mega auf das Spiel. Diese internationalen Spiele sind nicht alltäglich», sagt Jonas Omlin. Der Basler Torhüter erwartet ein heisses Spiel, denn Krasnodar sei nach der 0:5-Niederlage im Hinspiel sicher auf eine Revanche aus. Ausserdem kämpfen die Russen im Fernduell gegen das punktgleiche Getafe, welches bei Trabzonspor gastiert, noch um einen Platz in der K.o-Phase der Europa League. «Krasnodar ist sehr stark. Es wird nicht noch einmal ein 5:0 geben», sagt Koller.

Zu guter Letzt spielt der FC Basel in jedem internationalen Spiel auch um die eigene europäische Zukunft. Aktuell steht die Schweiz im Fünfjahresranking auf Position 20. Fünf Plätze muss die Schweiz gutmachen, wenn in Zukunft auch der Zweitplatzierte der Super League via Qualifikation zumindest die Chance auf die Champions League erhalten soll.

Zhegrova bleibt wegen Visumproblemen in Basel

Neben dem gesperrten Taulant Xhaka und dem angeschlagenen Raoul Petretta ist mit Edon Zhegrova auch noch ein weiterer FCB-Spieler nicht mit nach Krasnodar geflogen. Der Kosovare musste in Basel bleiben, weil sich die Beantragung eines Russland-Visums für Staatsangehörige des Kosovo kompliziert gestaltet. Grund dafür sind politische Differenzen. Wie das Nachbarland Serbien erkennt auch Russland den Kosovo nicht als eigenständiges Land an. Zhegrova hätte deshalb wegen der Bürokratie nach Serbien fliegen müssen. Weil zudem nicht klar war, ob Zhegrova überhaupt ein Visum erhält, entschied sich der Verein, gar nicht erst eine Aufenthaltsbewilligung für den 20-Jährigen zu beantragen. Unfreiwillig hat Zhegrova damit tatsächlich ein paar Tage Ferien bekommen.

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