Zwei Tage, nachdem die Mitglieder des FC Basel in der St. Jakobshalle den Boden für den Wechsel an der Klubspitze im Juni bereitet hatten, war eigentlich auch für die Fussballer die Wiese gemäht. Die Voraussetzungen bestens, um die Young Boys geschlagen nach Hause zu schicken. Zumindest in der Schlussphase hatten die Basler alle Trümpfe in der Hand, brachten den Siegtreffer aber nicht mehr auf die Reihe.

Schon vor der Pause war den Gästen ihr mit Abstand wichtigster Spieler, Guillaume Hoarau, mit einer schweren Verletzung abhandengekommen. Eine Viertelstunde vor dem Ende verschwand dann auch noch Stürmer Roger Assalé in der Kabine, nachdem er sich gegen Blas Riveros eine Tätlichkeit geleistet hatte und vom Platz gestellt worden war. Weil sich schliesslich dann noch die angeschlagenen Yoric Ravet und Alain Rochat nur humpelnd fortbewegen konnten, erwartete die Mehrheit der über 30 000 Zuschauer im St. Jakob-Park, dass der FCB die Wende vom 0:1 zum 2:1 noch erfolgreich zum Abschluss bringen würde. So, wie er das schon oft vollbracht hatte. Doch es war zu wenig zwingend, wie Rot-Blau das YB-Tor ins Visier nahm. Dort stand mit Yvon Mvogo jener Mann, dessen Transfer zu RB Leipzig nun offiziell ist. Der 22-Jährige erlebte im Berner Tor einen überraschend geruhsamen Nachmittag. Beim Ausgleich der Basler neun Minuten nach der Pause aber sah er nicht eben vorteilhaft aus, weil Mohamed Elyounoussi die Cornerflanke von Luca Zuffi aus ziemlich kurzer Distanz ins Tor dirigieren konnte.

Teuer bezahlt

Offenbar hatte die etwas lautere Pausenansprache von Trainer Urs Fischer seiner Mannschaft geholfen, die Lethargie abzulegen. Sie drückte nun endlich aufs Gaspedal, als wollte sie allen zeigen, warum sie 17 Punkte vor YB liegt. Doch lange dauerte die Herrlichkeit nicht an und die Gäste brachten das Unentschieden trotz aller Unbill überraschend problemlos über die Zeit. «Das 1:1 ist gerecht», sagte Adi Hütter hinterher, «doch vor der Pause hätten wir den Sack zumachen müssen.» Aber einzig Ravet (18.) hatte eine der Berner Chancen zu einem Tor genützt. «Mit der Verletzung von Hoarau haben wir den Punktgewinn jedoch teuer bezahlt», sagte der YB-Trainer.

YB kann mit Basel mithalten

Fischer, der mit der Einwechslung eines zweiten Stürmers neben Seydou Doumbia in den letzten zwanzig Minuten den Sieg angestrebt hatte, mit Andraz Sporar aber keine zusätzliche Torgefahr erzeugte, ging mit seinem Team ungewohnt hart ins Gericht. «Wir haben nur von der 45. bis zur 60. Minute gemacht, was wir sonst tun.» Der Trainer meinte: gut spielen. «In den restlichen 75 Minuten der Spielzeit aber haben wir falsch gemacht, was falsch zu machen war.» Er bemängelte die Passivität und das unpräzise Passspiel.

Dennoch liess sich beileibe nicht sagen, das Publikum habe einen Grottenkick zu sehen bekommen. Die Partie zwischen dem Ersten und dem Zweiten der Super League erreichte trotz der wenig prickelnden Ausgangslage ein ordentliches Niveau. Die Teams schenkten sich nichts, es gab jede Menge harter Zweikämpfe und einmal sogar eine Rudelbildung. «Wir haben gezeigt, dass wir mit Basel mithalten können», sagte Leonardo Bertone. Der Berner Aufbauer wollte dies indes nicht als Kampfansage für die nächste Saison verstanden wissen. «Dafür ist es noch zu früh», sagte der 23-Jährige. Hütter mochte derweil die anstehenden Veränderungen beim FC Basel nicht gross kommentieren. Und schon gar nicht bewerten, ob die Chancen der Young Boys, den FCB endlich einmal zu fordern, damit grösser würden. «Klar ist es mein Anliegen, näher an Basel heranzukommen.»

Zuerst aber muss nun abgewartet werden, was mit Hoarau passiert. Fest steht, dass sich der 18-fache Saisontorschütze bei einem Zweikampf mit Marek Suchy eine Hüftgelenk-Luxation zuzog und operiert werden muss. Wie lange er ausfällt, ob eventuell sogar auch die nächste Saison tangiert ist, steht in den Sternen.

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