Fussball
Der FC Black Stars erreicht beim Aufsteiger FC Bassecourt ein 2:2

In einer intensiven Partie, die einer Achterbahnfahrt auf der Basler Herbstmesse gleichkam, gewannen die «Schwarz-Sterne», lange in Unterzahl spielend, einen Punkt. Oder verloren sie doch nicht eher zwei Zähler?

Georges Küng
Merken
Drucken
Teilen
FC Black Stars Branislav Micic sieht sich von seinen Gegenspielern regelrecht umzingelt.

FC Black Stars Branislav Micic sieht sich von seinen Gegenspielern regelrecht umzingelt.

Uwe Zinke

Es gibt Partien, in denen sich eine Partei im falschen Film wähnt. Das war am Sams­tagnachmittag beim FC Black Stars der Fall. Denn bereits nach 65 Sekunden lagen die Gäste aus Basel im Rückstand. Jérémy Randaxhe, der die Jurassier in der letzten Saison praktisch im Alleingang in die 1. Liga geschossen hatte, brachte den Neuling in Führung.

Ein Mann übrigens, der beim FC Basel viele Nachwuchskategorien durchlaufen hat und als eines der grössten Talente bei Rot-Blau galt und vor einem gutdotierten Profivertrag stand, bevor seine Karriere nicht mehr linear verlief. Aber es sollte für «Blägg» noch drama­tischer kommen. Keine drei Minuten später stand es 2:0 für Bassecourt; bevor sich die «Schwarz-Sterne» einigermassen eingefunden hatten, lagen sie «bereits hoffnungslos im Rückstand», wie ein treuer Black-Stars-Anhänger bemerkte. Gegen einen Rivalen, der viel von seiner Aufstiegs-Euphorie und anfänglichem Saisonschwung verloren hat und seit bei­nahe zwei Monaten keinen Meisterschaftssieg mehr errungen hat.

Auch noch in Unterzahl

Aber mit den beiden Gegentreffern hatte das Malheur noch kein Ende gefunden. Wissam Kassem (seit Wochen eine zentrale Figur bei Black Stars) schaffte es, innerhalb von drei Minuten zweimal verwarnt zu werden – und damit lag die Elf von Cheftrainer Andy Fimian nicht nur mit 0:2 zurück, sondern musste die restliche Spielzeit auch noch in Unterzahl spielen. Auch wenn den Jurassiern nach dem furiosen Auftakt nicht mehr viel gelungen war und die Basler die Partie kontrollierten, so hatte man das zur Pause das Gefühl, der «Match ist bereits gegessen».

Es ist das Glück des FCBS, dass sie in ihren Reihen einen Spieler haben, welcher in der französischen Sprache schlicht als «un butteur» bezeichnet wird. Ein Mann, der zwar schon älter ist (36 Jahre), dessen Erfahrung jedoch dem Basler Quartierverein in den zwei letz­ten Jahren manchen Punktegewinn, oder Sieg, eingebracht hat. Die Rede ist von Mickaël Rodriguez. Ein Franzose, welcher in der Schweiz den Nationalliga-Fussball (SR Delémont und Neuchâtel Xamax) kennt und im Sechzehner weiterhin unberechenbar ist.

Mit Kopf eine Tor-Doublette

Mit dem ersten Eckball in der zweiten Halbzeit glückte dem Gast das Anschlusstor. Es war natürlich Rodriguez, der mittels Kopfball abschloss. Und damit war das Spiel neu lanciert. Und trotz Unterzahl waren es die Schwarz-Weissen, welche von nun an den Vergleich be­stimmten. Sicher, «Blägg» musste aufpassen, nicht in einen Konter zu laufen. Dafür sind die Basler heuer anfällig. Andererseits sind die Jurassier eine Equipe, die nun den rau­heren Wind in der 1. Liga spürt – und viele Akteure sind in dieser Spielklasse am Limit.

Und als Rodriguez nach 67 Minuten eine Flanke mit perfektem Antizipationstiminng und spektakulär, mittels Kopfball, ins hohe Eck wuchtete, da lag das Momentum auf Seiten der Gäste vom Rheinknie. Damit hat Rodriguez 14 von 28 Black-Stars-Toren erzielt – und führt, wie könnte es anders sein, die Torschützenliste der 1. Liga an.

Es verblieben noch gut 25 Minuten, um den «budgetierten» Dreier einzufahren. Trotz Domi­nanz blieb es bei Abschlussversuchen, die entweder neben dem Gehäuse endeten oder von Bassecourt-Keeper Beat Weber – in der Region Basel nicht gänzlich unbekannt, da der Basler beim FC Concordia, BSC Old Boys und der US Olympia gespielt hatte – behän­digt wurden.

Und weil die Black Stars zuletzt, und zurecht, dem «safety first» ebenso Be­achtung schenkten, blieb es bei einer Punkteteilung, mit der beide Teams zufrieden sein konnten. Und dennoch haderten, denn beide Parteien glaubten, den Sieg verschenkt zu haben...

Mit der Auswärtspartie in Buochs wird der FC Black Stars eine Vorrunde abschliessen, die sportlich nicht jene Resultate lieferte, welche man für realistisch glaubte. Spielerisch ha­ben die Basler – bis auf den Vergleich mit dem Nachwuchs des FC Luzern – gezeigt, dass sie ihren Rivalen mehr als ebenbürtig, teils sogar überlegen, sind. Noch ist ein Spitzen­platz (Rang 3 oder Platz 4 dürften für die Barragespiele reichen) nicht unmöglich; hiefür wird es aber eine ganz starke Rückrunde, in Form einer Aufholjagd, benötigen.

FC Bassecourt – FC Black Stars Basel 2:2 (2:0)

Stade des Grand-Prés. - 100 Zuschauer. - SR: Keller. - Tore: 2. Randaxhe 1:0. 4. Soltani 2:0. 47. Rodriguez 2:1. 67. Rodriguez 2:2.

Bassecourt: Weber; Chiquet, Monnerat (61. Boukaoui), Ghomrani, Ochs; Essomba (70. Steullet); Amaouche, Lachat, Iseni (79. Sarret); Soltani; Randaxhe.

Black Stars: Oberle; Alic, Micic, Silva, Ozan; Mumenthaler (83. Fazio), Bajraktari (81. Kovacevic), Kassem, Spahr; Hengel (90. Maliqi); Rodriguez.

Bemerkungen: Bassecourt ohne Hayoz (gesperrt). - Black Stars ohne Infantino (abwesend). - Ver­warnungen: 32. Lachat, 33. Kassem, 64. Hengel (alle wegen Foulspiel) und 71. Randaxhe (Rekla­mieren). - Platzverweis: 37. Kassem (zweite Verwarnung nach erneutem Foulspiel).