Basels Sportvereine

Der FC Bubendorf: Die TV-Stars aus dem Oberbaselbiet

Alex Frei und Bruno Kernen beim Bubendörfer Promi-Turnier.

Alex Frei und Bruno Kernen beim Bubendörfer Promi-Turnier.

Den FC Bubendorf, dessen 1. Mannschaft in der 2. Liga interregional spielt, umgibt eine verrückte Geschichte, die mit einem TV-Gag in den 90ern begann und mit einem Promi-Auflauf endete.

Die Vereinsmitglieder des FC Bubendorf staunten nicht schlecht, als sie im Herbst 1997 die Sportsendung «time out» im Schweizer Fernsehen sahen. Nachdem der Abspann bereits über die Bildschirme gerauscht war, war plötzlich nochmals Moderatorin Regula Späni zu sehen.

«Neus us Buebedorf», sagte sie und las eine Meldung zum kleinen Dorfverein aus dem Oberbaselbiet vor. Es sollte während eines halben Jahres ein Running Gag der Sendung werden, jeweils ganz am Ende mit diesen Worten eine lustige, exotische oder brisante Geschichte aus dem Innern des FC Bubendorf zu erzählen.

Die Mehrheit der Bubendörfer wusste anfangs nicht, weshalb ihnen diese plötzliche Berühmtheit zuteilwurde. «Die Redaktion um Oliver Bono wollte eine Rubrik mit einem Amateurverein aus der Region machen. Über einen Redakteur der Basellandschaftlichen Zeitung kam der Kontakt zu Walter Ritter vom FC Bubendorf zustande», erinnert sich Hans Simon.

Simon und Ritter waren in der Fussball-Region bestens vernetzt, gaben sie doch seit 1975 die «FCB-News» heraus, eine Bubendörfer Vereinszeitung, die 800 Abonnenten über die Resultate und Geschehnisse von der 3. bis in die 5. Liga auf dem Laufenden hielt.

Das Logo des FC Bubendorf

Das Logo des FC Bubendorf

Nun belieferten die beiden FCB-Urgesteine das Schweizer Fernsehen. «Die ersten Wochen sorgten im Verein für Unruhe. Damals gab Walter dem Fernsehen einfach die Geschichten, aber niemand wusste das. Keiner traute dem anderen mehr, weil jeder den anderen für den Informanten des SF hielt. So mussten wir dann mit dem damaligen Präsidenten für Klarheit sorgen», sagt Simon.

Das berühmte Promi-Turnier wird geboren

Als jedoch offengelegt wurde, wie das SF an die Geschichten kam, begannen die Bubendörfer ihre neue TV-Berühmtheit zu geniessen. So erzählte «Neus us Buebedorf» etwa von einem Tresorfund der Junioren, ein anderes Mal versuchten Simon und Ritter, Sepp Blatter zu interviewen.

Zum Ende der beliebten Rubrik entschloss sich die «time out»-Redaktion, am berühmten Grümpeli des FCB teilzunehmen. Eine schicksalhafte Entscheidung. Denn zum Schutz von Späni, Bono, Salzgeber & Co. vor übermotivierten Amateuren kam Ritter die Idee, zusätzlich zum Grümpeli ein Promi-Turnier zu lancieren.

Alex Frei lud sich selber ein und verletzte sich angeheitert

Über Ritters Kontakte wie den Sissacher «Hockeygott» Kevin Schläpfer standen schnell einige illustre Namen auf dem Rasen. Nach dem Spiel wurde feuchtfröhlich gefeiert. Das Turnier erlangte schnell Legendenstatus. Über zehn Jahre kamen die Profis immer wieder. «Wir konnten richtige Stars anlocken, das waren keine Wurstsalat-Promis», erzählt Simon. Namen wie Marco Streller, Karli Odermatt, Martin Gerber, die Degen-Zwillinge, Beat Feuz, Bruno Kernen oder Rico Freiermuth nahmen am Promi-Turnier teil.

Rainer Maria Salzgeber und die Degen-Zwillinge posieren gemeinsam.

Rainer Maria Salzgeber und die Degen-Zwillinge posieren gemeinsam.

Manche kamen gar von sich aus: Alex Frei, einmal zufällig als Gast im Festzelt anwesend, wollte unbedingt auch mitspielen und meldete sich bei Ritter gleich fürs Folgejahr an. Als Spieler von Stade Rennes kam er dann auch. Nach dem Abend im Festzelt stolperte der angeheiterte Frei über eine Bordsteinkante und zog sich eine Beckenprellung zu. Den wahren Grund für diese verschwieg er dem Verein.

Nach zehn Jahren endete das Promi-Turnier 2007. «Der Aufwand wurde schlicht zu gross. Walter musste unglaublich viel telefonieren und organisieren. Und man soll ja bekanntlich aufhören, wenn es am schönsten ist», so Simon. «Ich denke auch nicht, dass ein solches Turnier mit anschliessendem Festzeltbesuch aufgrund der sozialen Medien heute noch möglich ist. Ausserdem sind die Promis ja auch viel abgeschirmter», ergänzt Präsident Martin Scheidegger.

Auch Karli Odermatt zog es auf den Sportplatz Brühl.

Auch Karli Odermatt zog es auf den Sportplatz Brühl.

Kein einziger Promi bekam in dieser Zeit übrigens eine Antrittsgage. Alle spielten umsonst. «Irgendetwas am Grümpeli ist besonders, vielleicht kann man das gar nicht genau in Worte fassen. Aber die Kollegialität im Verein ist hier ohnehin einmalig», versucht Scheidegger eine Erklärung dafür zu finden.

Gut möglich, dass auch heute dieses besondere Etwas den FC Bubendorf einzigartig macht. Denn, anders als alle anderen Vereine in der 2. Liga interregional, zahlt der FCB seinen Kickern keinen Rappen. Trotzdem werden die treuen Spieler vom Sportplatz Brühl irgendwie angezogen, wie zuvor schon die Promis und das Fernsehen.

Interview mit einer Vereinslegende: Nachgefragt bei Tobias Wahl, Ex-Spieler und heutiger Senioren-Trainer

Tobias Wahl.

Tobias Wahl.

Wie bist Du zum Club gekommen?
Tobias Wahl: Irgendwie lag das damals auf der Hand. Die meisten meiner Kollegen haben dort Fussball gespielt. Mit sechs Jahren habe ich angefangen, mit 13 in der 1. Mannschaft gespielt in der 4. Liga bis ich 18 war. Dann neun Jahre in anderen Vereinen und dann bin ich wieder zurückgekommen. Heute bin ich Spielertrainer bei den Senioren.

Wieso stehst Du wie kein anderer für Deinen Verein?
Ich bin immer mit Bubendorf verbunden geblieben, auch als ich woanders spielte. Ich war vermutlich der Erste, der wieder in die 1. Mannschaft zurückgekehrt ist. Dann sind weitere Spieler, die höher gespielt haben, zurückkommen und wir konnten den Grundstein für den Aufstieg in die 2. Liga legen.

Wieso willst Du nie wieder weg?
Ich wüsste nicht, wo ich sonst hin will (lacht). Ich wohne eine Strasse vom Sportplatz entfernt, es gefällt mir hier unglaublich. Das Umfeld ist top, der Zusammenhalt hat mich sehr geprägt.

Was hat dich in deiner Aktivzeit in Bubendorf am meisten geprägt?
Wenn ich so überlege, wie ich vor 25 Jahren ins Eins gekommen bin bis zur heutigen Zeit – da hat sich schon einiges getan. Als ich hier unter Bruno Trüssel anfing, waren die Trainingsmethoden komplett anders. Da gingen wir eine Stunde in den Wald rennen und danach kamen die Medizinbälle dran. Davor gab es ein Zückerli mit Tigerbalsam. Das gibt es heute so sicher nicht mehr.

Welches Spiel vergisst Du nie mehr?
Mein allerletztes Aktivspiel. Wir haben gegen Wallbach zuhause um den Aufstieg in die 2. Liga gespielt und 5:1 gewonnen. Ich habe ein Tor geschossen und drei vorbereitet. Da hat einfach alles gepasst, ein wunderschöner Abschied.

Wie hätte sich deine Mannschaft gegen den FCB geschlagen?
Kommt immer darauf an, ob es ein Ernstkampf oder ein Freundschaftsspiel ist. Früher mit der Drittliga-Mannschaft hätten wir vermutlich einfach ein Stängeli verhindern wollen.

Wieso sind Amateure die echtesten Fussballer?
Hier ist halt kein Geld im Spiel, deshalb ist die Leidenschaft im Vordergrund. Dass wir hier beim FC Bubendorf überhaupt keine Gehälter zahlen und in dieser Liga bestehen können, kann man gar nicht hoch genug einschätzen.

Wie muss jemand drauf sein, damit er zu euch in den Verein passt?
Da muss man sicher offen sein und gut auf Leute zugehen können. Vor allem neben dem Platz, wenn es ums Festen geht, wird es aber anspruchsvoller (lacht). Ich denke, der FC Bubendorf ist bekannt dafür, dass wir alle gerne mal Einen nehmen. Das spiegelt sich ja auch an unserem Grümpeli. Ich sage jetzt nicht, dass man ein Kampftrinker sein muss, um zu uns zu passen, aber das Gesellige ist bei uns schon wichtig.

Wie stark wart ihr in der dritten Halbzeit?
Schon sehr stark. Im Alter von 16 bis 18 zum Beispiel sind wir nach dem Training immer ins Clubhaus. Die damalige Wirtin hat mir dann irgendwann den Schlüssel gegeben und ist heim. Ich habe um halb vier abgeschlossen und ihn im Briefkasten deponiert. Das zeigt auch, wie stark das Vertrauen untereinander im ganzen Verein war.

Meistgesehen

Artboard 1