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Der FC Concordia Basel: Viel mehr als nur ein Bratwurstverein

Vor zehn Jahren kämpfte Congeli mit Kim Kuk Jin noch in der Challenge League, unter anderem gegen St. Gallen.

Vor zehn Jahren kämpfte Congeli mit Kim Kuk Jin noch in der Challenge League, unter anderem gegen St. Gallen.

Der FC Concordia Basel schaut auf eine erfolgreiche Historie zurück. Heute liegt der Fokus vor allem auf der Ausbildung von Talenten.

Das blauweisse Logo des FC Concordia, es dürfte wohl fast jedem Fussballfan der Region irgendwoher bekannt vorkommen. Zumindest dann, wenn er regelmässig Spiele des FC Basel besucht. Gönnt sich der hungrige Fan dort eine Bratwurst, wird ihm diese meist von Catering-Mitarbeitern überreicht, auf deren T-Shirts jenes Logo prangt. Doch hinter dem 1907 gegründeten Stadtverein steckt weit mehr als nur die Rolle als Speis-und-Trank-Zulieferer.

Unmöglich, die Vereinsgeschichte des «kleinen Bruders» des FCB mit all ihren Episoden, Anekdoten und Figuren auf einer Seite darzustellen, benötigte der Verein anlässlich des Jubiläumsbuchs «100 Jahre FC Concordia Basel» dafür doch deren dreihundert.

Heute kennt man den FC Concordia vor allem als Talentförderer und Partnerclub des FCB. «In der letzten Saison spielten 44 Junioren mit Congeli-Vergangenheit im FCB-Nachwuchs», erzählt Co-Präsident Balz Bigler stolz. Der exzellente Ruf der Jugendabteilung der Blauweissen ist schweizweit bekannt. So rief einst Yann Sommers Vater, der mit der Familie nach Basel zog, bei Concordia – und nicht etwa beim FCB – an, um zu fragen, ob sein talentierter Sohn dort trainieren könne.

Auch Roger Federer spielte einst für Congeli

Auch Roger Federer schnürte als Junior seine Fussballschuhe für Congeli, ehe er sich fürs Tennis entschied. Auch viele Fussballer starteten erst nach ihrem Abgang bei Congeli so richtig durch. «Talente verlassen uns bereits im Juniorenalter und kehren nur selten zurück. Das ist für uns ein Problem, da zum Beispiel Ehemalige fehlen, die sich im Verein engagieren», sagt Bigler.

Präsident Balz Bigler (links) und Catering-Leiter Stephan Gloor im Leichtathletik-Stadion St. Jakob, wo der FC Concordia Basel zuhause ist.

Präsident Balz Bigler (links) und Catering-Leiter Stephan Gloor im Leichtathletik-Stadion St. Jakob, wo der FC Concordia Basel zuhause ist.

Man hat sich bei Concordia jedoch mit dieser neuen Realität arrangiert, denn aus der Kooperation mit dem FCB, den Old Boys und dem FC Solothurn erwachsen für die Blau-Weissen auch Vorteile. So dürfen die besten Junioren im U-Bereich schweizweit spielen.

Congeli erinnert sich gerne an erfolgreiche alte Zeiten. Von 2001 bis 2009 spielt der Stadtverein in der zweithöchsten Liga und rückt dem Platzhirsch FCB auf die Pelle. Das Abenteuer endet in Verstrickungen mit dem damaligen Mäzen Stephan Glaser und dem Rückzug aus dem Profi-Geschäft.

«Wir hatten bis 2017 einen hohen Schuldenberg abzustottern. Dies hat leider in dieser Zeit verhindert, dass wir im Aktivbereich Stabilität zurückerlangen konnten», erklärt Bigler. In der Krise besinnt sich der Verein auf seine Rolle als Sprungbrett und auf Werte wie Tradition und Zusammenhalt. Diese machen den «Concordianergeist» aus, wie er schon 1923 im Club-Organ «Der Concordianer» festgehalten wurde.

Erfolge und ausländische Investoren nach dem 1. Weltkrieg

Damals gehörte Concordia zur Spitze des Schweizer Fussballs und hielt mit den Stadtgrössen wie Nordstern und FCB mit. In einem Punkt überflügelte Congeli diese gar: Am 28. Juni 1920 wurde man zum ersten Fussballclub der Stadt, der einen eigenen Platz besass. Zum Preis von drei Franken pro Quadratmeter erwarb Congeli eine Grünfläche bei der Tramstation Heiligholz in Münchenstein.

Ein Zeichnungsschein für die Finanzierung des Sportplatzes Heiligholz.

Ein Zeichnungsschein für die Finanzierung des Sportplatzes Heiligholz.

Den Kaufpreis von 30000 Franken stemmte der Club durch Beiträge der Vereinsmitglieder. Sie Hälfte davon übernimmt ein wohlhabendes, mittlerweile in den USA lebendes Vereinsmitglied. Der «Concordianergeist» vermochte gar den Atlantik zu überqueren.

Ein Spiel auf dem Heiligholz.

Ein Spiel auf dem Heiligholz.

Die WM 1952 als Ursprung des Congeli-Stadioncaterings

1952 findet Concordia ein neues Zuhause. Im Zuge der WM 1954 sollte zu St. Jakob ein Stadion erbaut werden. Das Basler Stimmvolk lehnte ab. Eine private Genossenschaft, in der FCC-Mitglieder federführend waren, ermöglichte den Bau trotzdem. Bis zum Abriss des alten Joggeli im Jahr 2000 blieb Concordia dort offizieller Platzclub, übernahm deswegen auch einen Teil des lukrativen Stadion-Caterings für den FCB.

Eine Aufgabe, die man bis heute ausübt. 13 der Stände im neuen St. Jakob-Park betreibt der FCC. «Viele Vereine denken, wir seien deshalb ein Krösusverein. Die Realität ist aber anders, denn es steckt ein enormer Aufwand dahinter. Klar, das Catering ist wichtig und nimmt uns einen gewissen Existenzdruck. Aber es ist eben auch ein Kreislauf: Das Geld, das wir so verdienen, fliesst in den Nachwuchs, und geht so langfristig wieder an den FCB zurück», erklärt Catering-Leiter Stephan Gloor.

Von Platzkäufen in der Zwischenkriegszeit, Cup-Siegen, Mega-Talenten bis zu Zwangsabstiegen: Hinter dem Biss in die Bratwurst steckt doch so einiges an Geschichte.

Interview mit einer Vereinslegende: Nachgefragt bei Catering-Leiter Stephan Gloor

Stephan Gloor.

Stephan Gloor.

Stephan Gloor ist seit 52 Jahren im Verein aktiv, wie es vor ihm sein Vater und Grossvater und nach ihm sein Sohn waren. Gloor übernahm diverse Ehrenämter, heute ist er Chef des FCC-Caterings im St. Jakob-Park.

Warum stehst Du wie kein anderer für den FC Concordia Basel?
Stephan Gloor: Ich bin seit der Saison 1966/67 im Verein. Ich war natürlich geprägt durch Vater und Onkel, die beide in der 1. Mannschaft gespielt haben. Die Liebe wurde mir in die Wiege gelegt. Ich war nach meiner Juniorenzeit aber mehr auf der organisatorischen Ebene unterwegs. Ausser Präsident habe ich fast jedes Amt gemacht.

Warum willst Du nie wieder weg?
Über all die Jahre ist so viel Herzblut von so vielen Leuten eingebracht worden, das ist schon speziell. Aber klar: Ich laufe zuhause jetzt auch nicht im weiss-blauen Pyjama herum (lacht).

Hast Du Dein aufopferndes Engagement für den Verein je bereut?
Manchmal fragt man sich schon, warum man das alles macht. Mein Sohn hat einmal an einem Samichlaus-Anlass gesagt, dass der Papi nie zuhause sei, weil er immer beim Fussball ist. Das fährt schon ein, wenn man realisiert, wie sehr die Familie da eingebunden und gefordert war. Wir hatten aber auch unglaublich schöne Zeiten im Verein, die ich nicht missen möchte.

Wie stark war Deine Mannschaft früher in der dritten Halbzeit?
Als Junioren waren wir schon ziemliche Filous (lacht). Zum Beispiel waren wir mal in Chiasso und sind aus den Hotel-Fenstern zum Feiern abgehauen. Am Morgen hatten wir ein Spiel. Schon nach zehn Minuten lagen wir 0:3 zurück. Das gab ein Donnerwetter. Aber solche Anekdoten haben meine Aktivzeit geprägt. Vor allem auch, weil wir trotz des Feierns später auf dem Platz immer alles gegeben haben.

Was war damals im Vergleich zum Alltag der heutigen Concordia-Junioren anders?
Früher konnte man neben dem Fussball noch leben. Heute ist das sicher anders mit höherem Niveau, Intensität und Fitness. Das war ja früher viel gemächlicher. Heute wird man auf der Gass auch schnell einmal fotografiert, und das kriegt der Trainer dann mit.

Was war das Verrückteste, das Du als Aktiver je erlebt hast?
Ich war damals ein beinharter Verteidiger. Manchmal musste ich vor wütenden Gegnern in die Kabine flüchten, wenn ich wieder einmal einen umgegrätscht hatte (lacht).

Welches Spiel vergisst Du nie mehr?
Ein Spiel, das ich als Zuschauer erlebte. Da hat mein Sohn im Cup mit Congeli gegen den FC Zürich gespielt und den entscheidenden Penalty an den Pfosten gesetzt.

Wenn Du einen Wunsch für Deinen Verein frei hättest, was würdest Du Dir wünschen?
Dass wir wieder in der 1. Liga spielen, denn da gehört der FC Concordia hin.

Angenommen, Concordia hätte unlimitiert finanzielle Mittel. Wie würdest Du sie einsetzen?
Ich würde all denen, die ehrenamtlich hinter den Kulissen arbeiten, eine finanzielle Unterstützung geben und gewisse Annehmlichkeiten ermöglichen, die sie verdient hätten.

Amateure sind die echtesten Fussballer, weil …?
... sie es primär aus Freude machen.

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