FCB-Zahl der Woche
Der FCB gewinnt, wenn der Gegner mehr Spielanteile hat

Die Ära des Tiki-Taka ist mittlerweile längst beendet. Selbst der FC Basel bestätigt den Trend, dass Teams mit viel Ballbesitz nicht zwingend als Sieger vom Platz gehen. Im Schnitt hatte der FC Basel in seinen Siegreichen Partien nämlich weniger als 50% Ballbesitz.

Jakob Weber
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Die Spieler des FCB freuen sich über den Sieg.

Die Spieler des FCB freuen sich über den Sieg.

Keystone

Ballbesitz. Ein Wort, das vielleicht noch Pep Guardiola in Wallung bringt, ansonsten aber von vielen als «unwichtig» abgetan wird. Guardiola läutete vor zehn Jahren die Ära des Tiki-Taka ein. Jeder wollte spielen wie der FC Barcelona. «Ich habe den Ball, ich passe den Ball. Ich habe den Ball, ich passe den Ball.» So beschrieb Guardiola sein Spielkonzept.

Beim FC Barcelona waren jüngst noch Überreste des guardiolschen Stils zu bewundern. Im Champions-League-Rückspiel gegen Chelsea war der grosse FCB zweieinhalb Minuten in Ballbesitz, bevor Messi das 1:0 schoss. Chelseas erster kontrollierter Ballkontakt war der Wiederanstoss. Auch an Guardiolas neuem Arbeitsort bei Manchester City ist Ballbesitz nach wie vor das höchste Gebot. Aber sonst?

Der FC Basel führt zwar mit YB die Ballbesitz-Tabelle der Super League an. Die FCB-Ausgabe 2018 zeigt aber, dass Ballbesitz mit einem Team ohne technische Ausnahmekönner schnell zum Nachteil werden kann. Bei den Niederlagen gegen Lugano, St. Gallen und Luzern hat der FCB über 60 Prozent Spielanteile. Tore aber schiessen nur die Gegner.

Ballbesitz Tabelle

Ballbesitz Tabelle

Zur Verfügung gestellt

Gegen Thun (41 Prozent Ballbesitz) und gegen Sion (50 Prozent) gibt es prompt zwei Siege. Auch die guten Auftritte in der Champions League zeigen, dass der FC Basel unter Wicky gerne dann auftrumpft, wenn er dem Gegner das Spiel überlassen kann.

Nur bei der Heimniederlage gegen Moskau (50 Prozent) muss der FCB in Sachen Ballbesitz mithalten. In allen anderen Partien dominiert der Gegner. Trotzdem gewinnt fünf Mal der FCB. Beim 2:1-Exploit in Manchester reichen Spielanteile von 28 Prozent für den Sieg.

Nimmt man Liga und Champions League zusammen, hatte der FC Basel in 17 der 33 Spiele öfter den Ball als der Gegner. Aus diesen Partien heimste der FCB 28 Punkte ein. Aus den 16 Spielen, in denen der Meister das Spieldiktat nicht an sich riss, holte er 32 Punkte. «Es ist kein Geheimnis, dass es leichter ist, zu verteidigen, als kreativ anzugreifen», sagt Wicky.

«Vor allem im Moment tun wir uns mit Ballbesitz schwer.» Wicky weist aber darauf hin, dass das im Spätherbst 2017 noch anders war. Stimmt. Da gelang dem FCB beim 3:0 gegen St. Gallen sogar mit 70 Prozent Ballbesitz ein Sieg. 2018 ist das anders.