Richtig unglücklich sah Davide Callà nach Spielschluss gegen den FC Thun nicht aus. Der Edeljoker war massgeblich daran beteiligt, dass der FC Basel nach einem wenig inspirierten, aber keineswegs desolaten Auftritt gegen den FC Thun noch den Ausgleich erzielte. Rot-Blau war nicht in der Lage gewesen, die Spannung hochzuhalten, und hatte den absoluten Siegeswillen vermissen lassen. Fehlte den Baslern der nötige Ehrgeiz? Callà zufolge ist man in Basel mit dem einen Punkt nicht zufrieden: «Wir sind alles Sportsleute, der Ehrgeiz ist immer da. Wenn wir den nicht haben, dann können wir zu Hause bleiben. Es gibt ja nichts Schöneres, als einfach mal unbeschwert auf den Platz gehen zu können und mit Freude zu kicken. Aber Freude hat man schlussendlich nur, wenn man gewinnt.»

Dass es für den Meister nicht mehr zwingend nötig ist, zu punkten, versteht sich von selbst. Auch für die Berner Oberländer geht tabellarisch weder nach vorne noch nach hinten viel, man liegt im gesicherten Mittelfeld des Klassements. Eine Punkteteilung in jener Partie dieser Super League-Runde, die am ehesten dem berühmten Duell um die goldene Ananas gleichkam, dürfte für beide Seiten in Ordnung gehen. Dennoch wird der FCB den Schlendrian nicht einziehen lassen und dürfte in den nächsten Partien gegen Luzern, YB und GC entschlossener agieren als gegen Thun. Das sieht auch Callà so und formuliert eine Kampfansage an die Konkurrenz: «Wir haben jetzt nochmals drei attraktive Gegner. In Luzern ist es immer schwer. GC und YB wollen wir nochmals zeigen, wer der Schweizer Meister ist.»

Nach der Saison ist vor der EM

Nicht nur aufgrund der Rivalität zu den nächsten drei Gegnern wird es für den FCB um mehr als die goldene Ananas gehen. Es geht nach wie vor um Punkteprämien, die Kaderplanung für nächste Saison und darum, den Wettbewerb für die anderen Vereine nicht zu verfälschen. Mit motivierten Leistungen zum Saisonende gibt man auch dem treuen Publikum etwas zurück, das an Auftritten wie jenem gegen Thun wenig Freude hat. Das merkte man an den Pfiffen, die in der zweiten Hälfte des Öfteren zu hören waren. Ausserdem wird im Sommer in Frankreich ja noch ein Turnier gespielt, an dem sich einige Basler eine Teilnahme erhoffen dürfen. «Man weiss, dass die Saison eventuell noch nicht zu Ende ist nach der Meisterschaft. Man muss topfit sein für eine allfällige Europameisterschaft. Das ist sicher ein Vorteil, den viele Spieler hier haben. Deswegen bleiben wir sicher alle dran», sagt Luca Zuffi zur EM als Motivationsfaktor.

Obschon man in Basel den Spielern nach dem Unentschieden gegen Thun nicht die Köpfe abreissen wird, müssen die Spieler jetzt ihre Spinde räumen. Dies hat aber andere Gründe. Das nächste Spiel im Joggeli bestreitet nicht der FCB, sondern Sevilla und Liverpool – im Europa-League-Final vom 18. Mai. Nach Schlusspfiff mussten Delgado & Co. also ihre Habseligkeiten mit nach Hause nehmen. Bei Davide Callà gehört dazu auch sein Glücksbringer. Was hilft denn Callà, derzeit so bestechend aufzutreten? «Ein Foto meines Sohnes habe ich als Glücksbringer im Schrank», sagt der Joker, und witzelt: «Und eines von Walter Samuel.»