Super League

Der FCB hat YB überholt: Zehn Gründe für zehn Punkte

Die Wunschvorstellung der FCB-Fans: Fabian Frei soll auch am Sonntag im Stade de Suisse jubeln.

Vor einem Jahr reiste der FC Basel zum selben Zeitpunkt mit neun Punkten Rückstand nach Bern. Jetzt sind die Basler mit einen Punkt Vorsprung auf die Young Boys Tabellenführer. Für diese positive Entwicklung gibt es zahlreiche Gründe.

1. Die Ideen Kollers wurden vertieft, anstatt jene Rahmens erlernt

Eigentlich war Marcel Koller im Sommer weg. Der Spind war geräumt, der Ersatz stand bereit. Es kam alles anders. Koller blieb, Rahmen auch - aber bei Aarau. Obschon sich im Team viele eine Trainer-Rochade erhofften, kann nicht abgesprochen werden, dass die Kontinuität an dieser Stelle ein gewichtiger Grund dafür ist, dass der FCB steht, wo er steht. Statt neue Ideen konnte Kollers Idee vertieft und automatisiert werden. Spektakulär ist sein Fussball noch immer nicht. Stabilität hat er dem FCB aber verliehen. Und die Resultate stimmen.

FC Basel Trainer: Marcel Koller

FC Basel Trainer: Marcel Koller

2. Bei den Innenverteidiger-Duos gibt es die ersehnte Konstanz

Gab es in der Innenverteidigung in der vergangenen Saison eine Konstante, dann war es Marek Suchy. Paradox, fehlt er doch fast die ganze Hinrunde. Seine Rückkehr in der Rückrunde ging aber einher mit der Stabilisation einer Abwehr, die in der Hinrunde nie zu sich fand. Schuld daran war, dass Wicky, Frei und Koller von Spiel zu Spiel auf dieser Position umstellen mussten. Dort also, wo so ungern rotiert wird.

Bis zum gleichen Zeitpunkt vor einem Jahr hatte der FCB alleine in der Liga bereits mit fünf Innenverteidiger-Duos agiert – in nur sechs Spielen. Ein Umstand, der für Verunsicherung und mangelnde Absprache sorgte. In der jetzigen Saison standen sich mit einer Ausnahme in der Liga stets Cömert und Alderete zur Seite. Beide neigen zu Fehlern. Das schon. Müssten sie sich jedes Mal auch noch an einen neuen Partner gewöhnen, hätte der FCB aber kaum die viertbeste Abwehr der Super League.

3. Jonas Omlin ist der beste Torwart der Liga

In Bern wurde der FC Basel vergangene Saison zweimal an die Wand gespielt. Mit Jonas Omlin im Tor stand am Ende ein 1:3, Omlin parierte acht Bälle. Ohne den damals verletzten Omlin waren sieben von acht Berner Schüssen drin. Der FCB verlor mit 1:7. «Jeder hier weiss, wie gut Jonas Omlin ist», sagt FCB-Ersatzgoalie Djordje Nikolic. Das bestätigen auch die Zahlen.

Zum einen ist Omlin, was die abgewehrten Schüsse angeht, besser als sein YB-Pendant David von Ballmoos. Zum anderen hat sich Omlin in dieser Saison noch einmal gesteigert. 73,1 Prozent aller Schüsse auf sein Tor hält der FCB-Keeper. Von Ballmoos pariert 70,6 Prozent und hat damit im Vergleich zur vergangenen Saison etwas nachgelassen.

Der beste Torhüter der Liga: Jonas Omlin (r.)

Der beste Torhüter der Liga: Jonas Omlin (r.)

4. Dank dem neuem Fitnessteam reicht die Luft bis zum Ende

Es war frappierend vergangene Saison. Nach jeweils 60, maximal 70 Minuten, war der FCB platt. Die Folge: Verspielte Punkte und gar Siege. Die sportliche Leitung erkannte das Problem und holte einen altbekannten zurück: Ignacio Torreño übernahm per Januar die Stelle als Leiter Fitness. Zusammen mit Luis Suárez quälte er das Team im Winter und diesem Sommer zu Ausdauer und Energie. Spätestens seit der neuen Saison ist der besser Fitnesszustand unübersehbar.

Leiter Fitness Ignacio Torreño.

Leiter Fitness Ignacio Torreño.

5. Der Effekt der neuen Captain-Hierarchie

Es hätte auch das Gegenteil bewirken können. Als Koller im Sommer Stocker statt Frei zum neuen Captain machte und damit nicht die naheliegende Lösung wählte, war der Aufruhr gross. Zwei Monate später scheint auch dieser Entscheide gut zu sein. Stocker wirkt, wie schon vor seinem Wechsel zu Berlin, als er die Binde tragen durfte, beflügelt, und geht mit noch mehr Einsatz und noch vorbildlicher voran. Frei hat alles als absoluter Teamplayer akzeptiert und will scheinbar zeigen, dass er auch ohne Bändeli Leistung bringt. Eine Entwicklung, die dem Team gut tut.

Seit Sommer Captain: Valentin Stocker.

Seit Sommer Captain: Valentin Stocker.

6. Basel ist die Nummer 1 in Sachen Effektivität und Zielgenauigkeit

Das kaltschnäuzigste Team der Liga steht ganz oben in der Tabelle. Vergangene Saison war das YB, jetzt ist es der FCB. 42 Prozent aller Grosschancen verwandelt Rotblau an den ersten sechs Spieltagen. YB nur noch 40 Prozent. Im Vergleich zur Spielzeit 2018/19 verzeichnen die Berner nur einen Verlust von 2,2 Prozentpunkten. Der FCB dagegen hat sich gleich um 9,9 Prozentpunkte gesteigert und YB damiteinfach überholt.

Ein Grund für diese Entwicklung ist in der Präzision der Abschlüsse zu suchen. YB und Basel sind mit über 90 Schüssen die abschlussfreudigsten Teams der Liga. Doch während der FCB 46 Prozent aller Versuche aufs Tor bringt, sind es bei den Bernern in der neuen Saison nur noch 28 Prozent. In dieser Statistik ist YB sogar Letzter.

Erzielte in vier Spielen fünf Tore: Kemal Ademi.

Erzielte in vier Spielen fünf Tore: Kemal Ademi.

7. Der FCB ist auswärtsstark und das auch auf Kunstrasen

Gut, der FCB hat seit 2016 nicht mehr in Bern gegen YB gewonnen. Doch jetzt ist der perfekte Moment gekommen, um das zu ändern. Denn auf fremdem Platz punktet Rotblau in der Liga aktuell besonders gern. 4:1 in Sion, 3:2 in Thun und 3:0 in Neuchâtel. Nimmt man das letzte Auswärtsspiel der vergangenen Saison in Thun und den Cupfinal in Bern noch hinzu, hat Basel die letzten vier Spiele auf dem «ungeliebten» Kunstrasen gewonnen.

8. Die Berner haben Probleme mit der «YB-Viertelstunde»

In der vergangenen Saison hätte YB Spiele wie jetzt gegen Servette oder Luzern durch ein Tor in der Schlussphase wohl noch gewonnen. Achtmal trafen die Berner 2018/19 allein in der Nachspielzeit. Die ist in dieser Saison wegen der Einführung des Videoschiedsrichters zwar noch üppiger. Trotzdem traf der Meister in seiner YB-Viertelstunde bislang nur zweimal und in der Nachspielzeit noch gar nicht. Darum fehlen jetzt auch ein paar Punkte.

Guillaume Hoarau beim 1:1 gegen Genf.

Guillaume Hoarau beim 1:1 gegen Genf.

9. Die Zuständigkeiten sind dank klaren Strukturen geregelt

Seit Bernhard Burgener und sein Team im Sommer 2017 übernommen hatten, waren diverse Zuständigkeiten unklar. Es war das komplette Gegenteil der Führung Heusler/Heitz, bei der jeder noch so scheinbar unwichtige Mitarbeiter wusste, wann er sich wie an wen wenden musste. Die neue Führung brauchte ihre Zeit. Sie versuchte sich mit Fremdkörper Brigger als CEO, als Korrektur mit Heri als COO und schliesslich mit Letzterem als CEO. Seit dem sind so ist, werden Aufgaben klarer verteilt. Und Probleme schneller gelöst.

CEO Roland Heri.

CEO Roland Heri.

10. Und plötzlich ziehen alle an einem Strang

Dass Marcel Koller und Marco Streller das Heu nicht auf der selben Bühne hatten, war nicht er seit dem Machtkampf im Sommer bekannt. Streller stärkte seinem Trainer nie den Rücken, der Trainer wiederum sprach immer wieder die Unerfahrenheit und das junge Alter Strellers an. Die Wechselwirkung war ungesund, kontraproduktiv gar. Seit Streller weg ist und Ruedi Zbinden seinen Posten übernommen hat, ziehen zwei der wichtigsten Positionen im Verein wieder am gleichen Strang.

Sportchef Ruedi Zbinden.

Sportchef Ruedi Zbinden.

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