Es hätte so ein schönes Wiedersehen werden können an diesem Samstagabend. Auf der einen Seite Raphael Wicky, seit Sommer Cheftrainer des FC Basel, auf der anderen Seite Ludovic Magnin, seit zehn Tagen in selber Position beim FC Zürich.

Vor 18 Jahren lernten sie sich kennen, im Jahr 2000 bei Magnins erstem Aufgebot für die Nationalmannschaft. Schnell wurden sie Zimmerkollegen und Freunde. Gemeinsam agierten sie in der Nati acht Jahre lang auf der linken Seite. Nach der aktiven Karriere wurden beide Juniorentrainer, duellierten sich mit den jeweiligen U18-Auswahlen des FCB und des FCZ. Der gegenseitige Respekt war immer da, die Freundschaft ist es noch heute.

Doch damit nehmen die Parallelen ein Ende. Denn wenn am Samstag Wicky auf Magnin und der FCB auf den FCZ trifft, dann treffen ein Verlierer eines Cup-Halbfinals und ein Cup-Finalist aufeinander. Ein Team in der Krise gegen ein Team im Aufschwung. Sowieso mag Raphael Wicky keine Parallelen ziehen. Auch nicht zu jenem ersten Heimspiel gegen den FCZ am 23. September, das der Knackpunkt werden sollte und nachdem dem FCB plötzlich alles zu gelingen mochte.

Ähnlich, aber nicht gleich wie im September 

Der FCB-Coach gibt zwar zu, dass «es gewisse Parallelen» zu diesem Duell gebe. Doch musste er in jenen Tagen im Vorfeld des FCZ-Spiels seine Spieler an die Basics des Fussballs erinnern, sei dem jetzt nicht so. «Damals ging es vor allem um die Leidenschaft. Die Mannschaft trat im Spiel vorher leblos auf, kam nicht in die Zweikämpfe. Jetzt aber ist das nicht so. In Bern haben wir Zweikämpfe geführt, auch wenn in entscheidenden Momenten vielleicht zu wenig konsequent. Aber wir sind in puncto Auftreten nicht am gleichen Punkt wie dort.» Darum versuche er es auch nicht, die Mannschaft mit denselben Worten wie im Frühherbst abzuholen.

Stattdessen griff Wicky zu einem anderen Kniff: er liess den Sportchef vor die Mannschaft treten. Marco Streller erklärte schon am Tag nach dem Cup-Out, dass er an die Mannschaft appelliert und ihnen das Vertrauen zugesprochen habe. Was er aber nicht erwähnt hatte: Wicky wollte dies. «Das war mein grosser Wunsch, ja. Weil ich das Gefühl hatte, dass es nötig ist, dass zu diesem Zeitpunkt der Sportchef etwas sagt.»

Auch deshalb, weil die Mannschaft auf diese Weise von jemand anderem höre, dass man zwar an sie glaube, aber es so nicht weiter gehen könne. «Wir brauchen eine Resultat-Reaktion. Das ist allen bewusst.»

Zu unkonkret, zu unpräzise

Während Wicky im Anschluss an das Ausscheiden gegen YB im Cup-Halbfinal sehr niedergeschlagen und beinahe fast so ratlos gewirkt hatte, war er am Freitag wieder so, wie man ihn kennt: Ruhig. «Aber natürlich geht mir die Situation trotzdem nahe. Innerlich ist all das auch für mich nicht so einfach zu verarbeiten.»

Um gegen Aussen und gegenüber der Mannschaft dennoch einen kühlen Kopf bewahren zu können, habe er Methoden gefunden, um Frust abzubauen. «Das tue ich im Gundeli (wo Wicky wohnt, Anm.d. Red). Vor allem mit Sport. Meine Freundin bekommt das alles nicht mit, die hat Glück, dass sie momentan in Los Angeles ist», sagt er und lacht. Auch wenn es ihm sonst alles andere als zum Lachen zu Mute ist in dieser Phase.

Einer Phase, in der er sich Immer wieder rechtfertigen muss, betonen muss, dass er weiterhin an seine Mannschaft glaubt, weil «die Spieler gezeigt haben, wozu sie fähig sind.» Und immer wieder über YB reden muss, den enteilten Leader, dem sogar Streller Leichtigkeit zuspricht, während der FCB «schwere Beine» habe, wie der Sportchef am Mittwoch sagte.

Nur als Kollektiv aus der Krise 

Aber auch Vergleiche mit dem ersten Konkurrenten um den Titel mag Wicky nicht. Er will sich auf seine Mannschaft konzentrieren. Deren Probleme, und deren Möglichkeit, ebendiese zu lösen. Man müsse wieder «dynamisch und entschlossen nach vorne spielen», anders als am Dienstag, als man «auf den letzten 40 Metern unkonkret und zu wenig präzise» spielte. Wieso dem so war, kann Wicky auch nach drei Tage später nicht erklären.

Am Ende, da finde man aber ohnehin nur als Gruppe aus diesem Tief. So wie man das im Herbst getan hat. Als man statt leblos plötzlich leichtfüssig war. Dieser erneute Wandel, er soll «besser jetzt als in zwei Monaten passieren», sagt Wicky. Klar. Denn dann könnte der FCB nicht nur endlich die ersten drei Punkte im Joggeli in diesem Jahr holen, sondern Wicky würde das Rencontre mit Magnin doch noch in guter Erinnerung bleiben.