Basels Sportvereine
Der Judo Club Basel trotzt den Überschwemmungen und Diebstählen

Dem Judo Club Basel gelang es zwar immer, irgendwo zu trainieren, einfach war es aber nie. Bis zur Sesshaftigkeit brauchte es 15 Umzüge.

Alexandra Toscanelli
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So wurde früher beim Judo Club Basel trainiert.

So wurde früher beim Judo Club Basel trainiert.

zvg

Gestartet haben die motivierten Judokas im Hinterzimmer des Restaurants Pfauen in der St. Johann Vorstadt. Nachdem 1925 die ersten interessierten Schweizer die neue Sportart Judo ausprobiert hatten und kurz darauf in Zürich der erste Verein gegründet wurde, wollten auch die Basler durchstarten. Am 21. August 1935 fand deshalb im Hinterzimmer eines Restaurants das erste Training statt. Nur wenige Monate später versuchten die Judokas ihr Glück im Schwingerkeller des Gotthelfschulhauses. Doch auch hier wollte es nicht richtig funktionieren. Nach dem Rückzug ins Restaurant Pfauen ging es über das Restaurant zur Sternwarte, das Zunfthaus zur Mägd und das Restaurant Amerbach wieder zurück ins Gotthelfschulhaus.

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15 Umzüge und 35 Jahre später schienen die motivierten Kampfkünstler endlich eine perfekte Lösung gefunden zu haben: einen Luftschutzkeller am Hirschgässlein 21. Topmotiviert wurde der Raum gemietet, doch dann die Ernüchterung: Die Decke war zu wenig hoch. Ein weiterer Umzug wollten die Verantwortlichen nicht hinnehmen, weshalb die Idee aufkam, einfach den Boden absenken zu lassen. Am 28. Februar 1970 folgte dann der erste Spatenstich. An zwei Samstagen wurde aus dem zweiten Untergeschoss 50 Kubikmeter Material von den eigenen Mitgliedern ausgebuddelt und zwei Stockwerke hochtransportiert. Am 5. Mai konnte das erste Mal trainiert werden. Bis heute blieb der Judo Club Basel diesem Lokal treu, obwohl es bereits mehrere Überschwemmungen, drei Einbruchdiebstähle und eine Vollrenovation gab.

Unstimmigkeiten führten zur Gründung anderer Judoklubs

Vereinssteckbrief

Name: Judo Club Basel

Gründungsdatum: 1935

Anzahl Mitglieder: 245 (Stand 2019)

Vereinsfarben: Schwarz, Rot, Weiss

Heimstätte: Hirschgässlein 21, Basel

Liga: Damenmannschaft: 1. Liga Team Beider Basel; Herren: Nationalliga B Team Beider Basel

Grösste Rivalen: Der Klub arbeitet mit mehreren Judo- und Jiu-Jitsu-Klubs zusammen und führt gemeinsame Trainings und Turnierausrichtung durch. Zudem stellt der Verein Kämpfer für die Nationalliga-B-Mannschaft der Kantone BS/BL zur Verfügung.

Grösste Erfolge: Mehrere Schweizer Einzel- und Mannschaftstitel.

Bekannte (Ex-)Athleten: Leo Gisin (Bronze EM 1962).

Einer, der das Ganze damals hautnah mitbekommen hat, ist Mitglied Hanspeter Danzeisen. Der 71-Jährige startete 1968 seine Judolaufbahn beim Judo Club Basel als 19-Jähriger. «In dieser Zeit kamen einige vom Boxen zum Judo, denn der Sport war ein Wettkampf, ohne dass man den anderen verletzt. Judo war am Boomen», erklärt er seine Anfänge. Wieso der angefressene Judoka noch immer Mitglied ist, lässt sich leicht erklären: «Es sind immer wieder langjährige Freundschaften entstanden.» Doch so harmonisch lief das Ganze nicht immer ab. «Es gab immer wieder den Fall, dass sich zwei oder drei Mitglieder verstritten und dann einen neuen Verein gegründet haben», wie Hanspeter Danzeisen erzählt.

Der Wunsch nach Räumlichkeiten mit etwas mehr Tageslicht

Das kann auch Präsidentin Tabea Wickli bestätigen: «Viele andere Basler Judoklubs waren früher mit dem Judo Club Basel verbunden oder die Gründer waren Mitglieder vom Judo Club Basel.» Den ältesten Judoverein Basels als Ursprung aller Judokas von Basel zu sehen, ginge zwar zu weit, aber das Alter und der Einfluss dieses Traditionsvereins sind etwas Besonderes. So sieht das auch Nachwuchstrainerin Sonia Stauffer: «Es ist ein sehr alter Verein und das macht es schon speziell.» Die erfahrene Judotrainerin fing als Jugendliche beim Judo Club Allschwil an und arbeitete danach für verschiedene andere Judoschulen. Seit 2018 ist sie nun beim Judo Club Basel. Und ist dort noch immer wunschlos glücklich. Wobei: «Eine andere Räumlichkeit mit mehr Tageslicht wäre vielleicht einmal schön. Aber das ist natürlich auch geschichtlich bedingt, da der Kampfsport eine Zeit lang im Keller praktiziert wurde.» Die Zukunft wird zeigen, ob es in der langen Klubgeschichte noch zum Umzug Nummer 16 kommen wird.

Nachgefragt bei Präsidentin Tabea Wickli

Tabea Wickli

Tabea Wickli

Judo Club Basel

Tabea Wickli ist seit ihrem 14. Lebensjahr beim Judo Club Basel. Zuerst als Athletin, dann als Trainerin und Funktionärin und nun seit zwei Jahren als Präsidentin des Vereins. Nun will die 32-jährige Polizistin zwar ein bisschen kürzertreten und gibt das Amt als Präsidentin ab, doch als Vize-Präsidentin bleibt sie weiterhin bei ihrem Jugendklub.

Wie sind Sie zum Klub gekommen?

Ich habe im Jahr 2002 als Athletin angefangen. Als ich dann meine Hüfte operieren musste, habe ich selbst aufgehört, dann aber weiterhin als Trainerin und Funktionärin beim Judo Club Basel gearbeitet.

Was ist besonders beim Judo Club Basel?

Dass sehr viel ehrenamtlich läuft. Das ist aber sicherlich auch eine Schwierigkeit, da man nur mit Mühe Leute findet, die alles ehrenamtlich machen möchten. Bis vor zwei, drei Jahren waren beispielsweise alle Trainer ehrenamtlich beschäftigt. Inzwischen bekommen einige einen kleinen Zustupf durch die J+S-Gelder, wenn sie eine entsprechende Ausbildung haben.

Wie muss eine Person drauf sein, damit sie zu euch in den Klub passt?

Es kann jeder kommen, in jedem Alter. Wir haben von den ganz Kleinen, also den 4- bis 5-Jährigen, bis zu den Ehrenmitgliedern, die bereits über 90 Jahre alt sind, alle dabei.

Wie sieht es in Zukunft aus? Bleiben Sie für immer beim Judo Club Basel?

Aufgrund meiner Arbeit als Polizistin werde ich zukünftig das Präsidium an Dino Sotto-Corona übergeben, aber weiterhin als Vize-Präsidentin beim Klub bleiben. Ganz weg vom Klub werde ich aber nicht kommen.

Was unterscheidet Ihren Klub von anderen Judovereinen?

Wir sind klar für den Breitensport ausgerichtet, sind aber auch im Wettkampfbereich durch Athletinnen und Athleten in allen Kategorien von Schülern, Eliten und Veteranen vertreten. Unsere Jiu-Jitsu Sektion ist ebenfalls breit aufgesetzt. Zusätzlich bieten wir diverse Kurse wie Kuatsu – ein japanischer Erste-Hilfe-Kurs -, Kampfrichter und in Zukunft auch Kurse für andere Kampfkünste an.

Wenn Sie einen Wunsch für den Klub frei hätten, welcher wäre das?

Dass die Gesellschaft oder Mitglieder auch mehr zurückgeben. Dass sie zum Beispiel ehrenamtlich mithelfen oder als Trainer oder Funktionäre im Verein mitarbeiten. Vielen Eltern unserer Kinder ist nicht klar, dass die meisten von uns ehrenamtlich arbeiten.