«Dürfen wir ein Autogramm haben?», fragen zwei kleine Jungen. «Klar, holt euch etwas zu schreiben!» Solche Situationen würden immer noch häufig vorkommen, sagt Beni Huggel, als wir ihn auf dem Sportzentrum Pfaffenholz gestern Dienstagabend treffen.

Der ehemalige FC-Basel-Spieler nimmt sich kurz vor seinem ersten Training bei seinem neuen Verein Zeit, um uns zu erklären, wieso er mitten in einer laufenden Saison die U16 des FC Luzern verlassen hat, um sein Engagement bei der ersten Mannschaft des FC Black Stars bereits jetzt anzufangen, statt wie geplant erst per Anfang nächster Saison.

«Das ist vor allem dem geschuldet, dass ich aktiv bei der Kaderplanung für die nächste Saison dabei sein wollte. Und der FC Luzern hat mir das verdankenswerterweise möglich gemacht.» Es sei für ihn auch eine Gelegenheit, seine Spieler bereits jetzt besser kennen zu lernen, in einer Situation, in der es keinen Resultatdruck gibt. Der Abstand auf die Aufstiegsplätze ist zu gross, und jener auf die Abstiegsplätze genug gross.

1. Liga als Schnittstelle

Doch wieso hat sich Huggel als neue Station ausgerechnet den Basler Quartierverein ausgesucht? «Es war mir wichtig, wieder in der Region zu sein.» Dass damit die täglichen drei Stunden Weg wegfallen, sei auch nicht zu verachten. ◄«Für mich war es wichtig, dass ich ein Team übernehme, dass etwas erreichen will.» Schliesslich wolle er den Spielern einen Ehrgeiz vermitteln, den er selbst habe und der ihn immer ausgezeichnet hat.

Hat das Engagement Huggels bei den Black Stars vielleicht den einen oder anderen überrascht, ist es für ihn eine folgerichtige Konsequenz. Nach seinen bisherigen Stationen sei der Schritt in den Aktiven-Bereich nur logisch. «Die 1. Liga ist die Schnittstelle zwischen Amateur- und Profi-Fussball.» Will er den Schritt in Letzteren dereinst machen, muss er zwei Jahre als Chef-Trainer einer 1. Liga, U21 oder U18 vorweisen können. Dass das Profi-Business sein erklärtes Ziel ist, will er nicht explizit sagen. «Aber sagen wir es so: Wenn ich dieses Ziel nicht hätte, würde ich den Aufwand, den die Diplome durchaus erfordern, nicht auf mich nehmen.» Und schliesslich sei es auch «kein Wunschkonzert».

Der Spielentscheider

Momentan gilt sein ganzer Fokus seiner neuen Mannschaft. «Ich muss zugeben, dass ich noch nicht alle Spieler und Positionen zu 100 Prozent kenne, aber zu 95.» Neben diversen Spielen, die er in den letzten Wochen live verfolgt hat, hat er sich das letzte Spiel gar aufzeichnen lassen. Hinzu kommen drei Trainings in dieser Woche, um Stärken und Schwächen seiner Spieler kennen zu lernen. ◄«Ich werde aber nichts Weltbewegendes ändern. Anfangs will ich vor allem beobachten.»

Mit den Black Stars übernimmt Huggel ein Team aus der vierthöchsten Liga der Schweiz. Eine Liga, in der Huggel einst mit dem FC Arlesheim ebenfalls spielte. War dies damals noch die 2. Liga, ist es heute die 1. Liga Classic. Aus dieser Zeit stammen auch die Berührungspunkte Huggels mit seinem neuen Arbeitgeber. «Da gibt es vor allem eine Episode», sagt er und lacht. Die Black Stars waren damals Gegner der Arlesheimer und spielten immer um 10 Uhr an den Sonntagen – nicht unbedingt Huggels bevorzugte Anspielzeit. «Weil ich bei meiner damaligen Freundin und jetzigen Frau übernachtet hatte, musste mich meine jetzige Schwiegermutter wecken, das war eine sehr komische Situation.» Huggel erzählt die Geschichte mit Freude, denn «am Ende haben wir 1:0 gewonnen, weil ich einen Freistoss direkt verwandelt habe».

Heutzutage wird er es aber nicht mehr richten können. «Ich glaube nicht, dass ich noch mitspielen könnte, dafür habe ich zu wenig Training in den Beinen.» Lieber vertraut er voll auf seine Spieler, und jene, die das Team im Sommer verstärken werden. Von den Neuverpflichtungen hänge auch die Zielvorgabe für nächste Saison ab.

Die beiden kleinen Jungs kommen wieder, diesmal mit einem Blatt Papier in der Hand. Huggel greift zum Stift, unterschreibt, und gibt den beiden das Blatt wieder. Als sie noch ein Foto machen wollen, sagt er, sie sollen nach unserem Gespräch wieder kommen. «Wie heisst du überhaupt?», fragen die Jungen ihn. «Ihr wisst nicht, wer ich bin, wollt aber ein Foto mit mir?», sagt Huggel sichtlich amüsiert. «Geht euch besser mal umziehen, Fussball ist wichtiger als irgendwelche Fotos.»