Europaspiele
Der Medaillen-Trumpf der Schweizer Delegation

Die starken Baselbieter Beachsoccer-Spieler sind auch an den ersten Europaspielen in Baku ein Versprechen für die Schweiz.

Michael Schenk
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Die regionale Beachsoccer-Abteilung für die Europaspiele in Baku (hinten v.l.):

Die regionale Beachsoccer-Abteilung für die Europaspiele in Baku (hinten v.l.):

Swiss-Olympic-Präsident Jörg Schild liess es sich nicht nehmen, nach dem Fifa-Erdbeben in Zürich eine gepfefferte Breitseite in Richtung Sepp Blatter abzufeuern. «Wer nach solchen Enthüllungen sagt, diese Sache habe nichts mit ihm zu tun, schadet nicht nur dem Fussball, sondern dem Sport als Ganzem.» Insofern, so der seinerzeit als «Hardliner» bekannte, frühere Basler Justiz-Direktor, sei er froh, «hier unter so vielen vorbildlichen Sportlerinnen und Sportlern zu sein».

Gesagt hat Schild dies in Luterbach, da, wo die rund 200-köpfige Delegation von Swiss Olympic die Ausrüstung für die ersten Europaspiele in Empfang nahm. Diese «kontinentalen, Olympischen Spiele» finden vom 12. bis 28. Juni in Aserbaidschans Hauptstadt Baku statt. 130 Athletinnen und Athleten werden die Schweiz in 24 mehrheitlich olympischen, aber auch einigen nichtolympischen Disziplinen wie Karate, 3er-Basketball oder Beachsoccer vertreten.

Viel Baselbieter Routine

Unter den meist jungen Hoffnungsträgerinnen und -trägern des helvetischen Sports, die in Baku erstklassig erfahren können, wie speziell sich so ein Mammutanlass anfühlt, figurieren nebst dem Trainer aus Basel auch fünf Baselbieter Spieler. «Für uns haben diese Europaspiele einen sehr hohen Stellenwert», hält Coach Angelo Schirinzi fest. Allein schon deswegen, weil seine «Abteilung» (noch) nicht an Olympischen Spielen vertreten ist.

Um sich deshalb so ideal wie möglich auf den Wettkampf, der in Anlehnung an die etablierten Asien- oder Panamerika- Spiele ins Leben gerufen wurde, vorzubereiten, reisen die Swiss-Sand-Fussballer schon zehn Tage vor Beginn der Games an. Alles andere als eine Medaille wäre für die Schweiz, die aktuelle Nummer drei der Welt, eine Enttäuschung. «Ja», bestätigt der 43-jährige Mister Beachsoccer, Angelo Schirinzi, «wir streben sicherlich einen Podestplatz an.» Nun, am Terrain solle es nicht liegen – im Vorjahr wurde die Schweiz in Baku nach einer 6:8-Niederlage im Final gegen Spanien Vize-Europameister.

Seit 13 Jahren in der Nati

Die Brüder Valentin, Moritz und Kaspar Jäggy aus Binningen, Stephan Leu aus Oberwil und der ehemalige Bundesliga-Junior des SC Freiburg, Philipp Borer aus Röschenz, beschreibt Schirinzi als sehr «wertvolle Teamstützen». Die Schweizer legen seit je viel Wert darauf, dass Routine und Jugend gleichsam im Team vertreten sind. Uefa-Pro-Lizenz-Trainer Schirinzi: «Das ist eine Stärke von uns.» Einige, wie etwa Stephan Leu, sind schon seit 13 Jahren Teil der Sand-Nati, und das soll sich in Baku einmal mehr auszahlen.

Die Schweizer Delegation haust am Kaspischen Meer in einem Athleten-Dorf, unter dem notabene die U-Bahn durchrattert. Es könnte also bisweilen etwas «Bewegung» in die Nachtruhe kommen ... Alles läuft ab wie an «richtigen» Olympischen Spielen – allein das mediale Interesse ist geringer, was daran liegt, dass viele Länder ihre Nachwuchs-Eliten entsenden. Eben, um diesen künftigen Stars die Chance zu bieten, unbezahlbare Erfahrungen zu sammeln. Routine, die ihnen später, vielleicht schon in Rio 2016, von enormem Nutzen sein kann.

Eine goldige Feuertaufe?

Insgesamt rechnet Ralph Stöckli, «Chef de Mission», mit «sechs bis acht Medaillen. Das ist die interne Zielsetzung». Der Curling-Europameister von 2006 in Basel ist als Delegationsleiter der Nachfolger von Gian Gilli. Die Europaspiele in Baku sind also auch für den 39-jährigen Uzwiler eine Feuertaufe. Eine Feuertaufe, die für die «Beachsoccerianer» im Idealfall goldig endet.

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