Fechten
Der Meister hinter den meisterhaften Athleten

Erwähnt man den Namen Manfred Beckmann, beginnen die Augen der regionalen Fechtelite zu leuchten. Dass diese regionale Elite auch national und international zur absoluten Spitze zählt, daran hat der Maître Manfred Beckmann einen grossen Anteil.

Andreas Fretz
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Manfred Beckmann mit Laura Stähli, die am Dienstag für die Schweiz im Teamwettkampf antrat.

Manfred Beckmann mit Laura Stähli, die am Dienstag für die Schweiz im Teamwettkampf antrat.

Keystone

Drei der acht Degenfechter, die derzeit die Schweiz an der EM in Montreux vertreten, stammen aus seiner Schule. Die Liste seiner erfolgreichen Schützlinge ist lang.

Marcel Fischer, der einzige Schweizer Olympiasieger, zählt dazu, Gianna Hablützel-Bürki, Max Heinzer, Tabea und Benjamin Steffen, Laura Stähli, Florian Staub, Olivier Jaquet, Nic Bürgin und viele mehr.

1989 hat Beckmann, der aus Waldkirch im Breisgau stammt, das Amt in Basel übernommen. Gabriel Nigon, der damalige Präsident der Fechtgesellschaft und Gegner auf der Planche, bot ihm die Stelle an. Beckmanns Verpflichtung war ein absoluter Glücksfall.

Auch heute, nach über 25 Jahren, übt er sein Amt noch voller Elan aus, wird aus dem Umfeld einhellig bestätigt. «Ohne ihn wäre die Fechtgesellschaft nicht das, was sie ist», sagt EM-Teilnehmerin Laura Stähli, «Manfred Beckmann ist die Fechtgesellschaft Basel.» Mit Betonung auf «ist».

Über 100 Goldmedaillen

Der Erfolgsausweis des 58-Jährigen ist beeindruckend. Seit seinem Amtsantritt holte die FG Basel bei Schweizer Meisterschaften 112-mal Gold, 55-mal Silber und 48-mal Bronze. Dazu im Weltcup 115 Platzierungen in den Top 8.

«Dabei war die Fechtgesellschaft bei meinem Amtsantritt ein etwas verschlafener Klub», sagt Beckmann und lächelt. Aber auch für ihn entpuppte sich der Arbeitsort im Zentrum von Basel als Glücksfall.

Davor war er unter anderem als Trainer im Deutschen Olympiastützpunkt in Tauberbischofsheim tätig. «Dort konnte man sich nicht richtig entfalten, weil viel zu viel Politik betrieben wird.

Ständig redet dir jemand drein», sagt Beckmann. In Basel kann er sich austoben. Er leitet den Klub, trainiert Kinder, Erwachsene, Hobby- und Leistungssportler und besorgt auch noch das Administrative. Unterstützung erhält er dabei von anderen Trainern.

Vizeweltmeister bei den Junioren

Seine Arbeitsweise sei effizient, weil er früher selbst gefochten hat, erklärt Beckmann. Er war in den 1970er-Jahren Vizeweltmeister bei den Junioren und mit dem Team. «Ich erkenne Talente und entscheide, wen zu fördern es sich lohnt.» Sein Ziel: komplette Fechter an die Nationaltrainer übergeben.

«Wer die Grundtechnik bei ihm erlernt hat, ist gerüstet», sagt Benjamin Steffen, der am Mittwoch mit dem Team seine fünfte EM-Medaille anstrebt. Auch er hat eine ganz besondere Beziehung zu Beckmann: Steffens Vater verstarb, als er knapp 14 Jahre alt war.

«Manfred wurde für mich zu einem zweiten Vater», sagt der heute 33-Jährige, «mit ihm konnte ich über alles reden.» Fechterisch und zwischenmenschlich ist Manfred Beckmann der Beste, sind sich Steffen und Stähli einig.

Die Liebe gefunden

Noch einmal das Amt eines Nationaltrainers übernehmen, kann sich Beckmann jedoch nicht vorstellen. Das sei etwas für Jüngere, sagt er, «ich brauche das in meinem Alter nicht mehr. Mein Trainerleben ist erfüllt».

Die FG Basel sei ein fantastischer Klub mit einer glänzenden Stimmung. Beckmann kann sich auch nicht vorstellen, dass es ihm irgendwo anders besser gefallen würde: «Nach über 25 Jahren kann ich sagen: Es war Liebe auf den ersten Blick.»

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