Basketball

Der neue Chef: Starwings-Trainer Dragan Andrejevic geht euphorisch in die neue Saison

Dragan Andrejevic: «Ich bin ein Typ, der immer die Herausforderung sucht.»

Dragan Andrejevic: «Ich bin ein Typ, der immer die Herausforderung sucht.»

Es soll alles wieder besser werden in Birsfelden: Mit dem neuen serbischen Headcoach Dragan Andrejevic wollen die Starwings die enttäuschende letzte Saison vergessen machen. Andrejevic ist optimistisch, dass dies gelingen wird. Trotz mangelnder Kaderbreite.

Ein Herbstabend in Birsfelden. Das Neonlicht in der Sporthalle trotzt der einbrechenden Dunkelheit. Gesprächsfetzen und das Prellen von Basketbällen auf dem Boden erfüllen die Halle. Allmählich trudeln die NLA-Akteure der Starwings ein. Es steht eines der letzten Trainings an, bevor es am Samstag in Luzern endlich mit der Meisterschaft losgeht. Die Anspannung ist greifbar, bald haben die Strapazen der Sommervorbereitung ein Ende. Nach der enttäuschenden letzten Saison, die man auf dem zweitletzten Rang abschloss, soll alles wieder besser werden.

Festgemacht wird der intendierte Umbruch vor allem an einer Person: Dragan Andrejevic. Der Serbe wurde als neuer Trainer verpflichtet und soll die Birsfelder zu alter Stärke führen. «Bereits beim ersten Kontakt mit dem Vorstand spürte ich eine unglaubliche Energie, mit der die Dinge angepackt werden. Wie intensiv hier der Sport gelebt wird. Das war einer der Gründe, warum ich her gekommen bin», erklärt Andrejevic.

Das Hoffen auf die Euphorie-Explosion

Spricht man mit dem 45-Jährigen über seine Philosophie und seine Visionen, fällt kein Wort öfter als «Challenge», also Herausforderung. Das ist es, was ihn stets antreibt, was ihn über das serbische Nachwuchs-System als Assistenztrainer in die deutsche Bundesliga und als Headcoach in die Schweiz gebracht hat. 2017 heuert Andrejevic in der NLA an, übernimmt mitten in der Saison die kriselnden Riviera Lakers Vevey. Er führt sie beinahe noch in die Playoffs. «Es war eine schwere Aufgabe, aber ich bin ein Typ, der immer die Herausforderung sucht», sagt der zweifache Familienvater. Eine vielleicht noch grössere Herausforderung wartet nun in Birsfelden.

Die Starwings gehören budgettechnisch zu den Kleinen der NLA. Das Erreichen der Playoffs wäre bereits ein Exploit. «In Vevey haben wir es geschafft, eine Euphorie-Explosion zu zünden. Nach ein paar Monaten hatte sich der Zuschauerschnitt verdoppelt. Genau das wünsche ich mir auch für die Region Basel und die Starwings. Ich bin optimistisch, dass wir die Playoffs packen können», so Andrejevic.

Serbische Schule in der Nachwuchsarbeit

Für die Starwings, die mit ihrer starken Jugendabteilung – die U17 wurde unlängst Schweizermeister – und ihren limitierten finanziellen Mitteln auf den Nachwuchs angewiesen sind, passt der serbische Trainer wie die Faust aufs Auge. Denn mit der Ausbildung und Integration von Talenten verbrachte dieser die ersten 15 Jahre seiner Karriere. Nachdem sich Andrejevic als Zweitligaspieler in Serbien gegen das Profitum und für ein Studium entscheidet, möchte er seinem Sport dennoch verbunden bleiben und wird Trainer. Beim Erstligisten FMP Beograd lernt er das Handwerk der serbischen Schule.

Die U17 der Starwings feiert den Meistertitel

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Er bildet Junioren in einem Land aus, in dem Basketball Nationalsport ist. «Es ist wohl unmöglich, dort aufzuwachsen, ohne Basketball zu spielen», scherzt er rückblickend. 2012 führt ihn sein Weg erstmals aus seinem Heimatland hinaus: Weil seine Frau einen Job in Deutschland annimmt, geht Andrejevic mit ihr.

«Ich bin mit der schönsten Frau der Welt verheiratet. Da war es keine Frage, dass ich sie begleite», sagt er und lacht. Beim Bundesligisten Bayreuth steigt er im Nachwuchs ein, wird später Assistenztrainer. Es folgt ein Engagement in der Juniorenabteilung Bayern Münchens. Mit diesen Erfahrungen im Gepäck will er nun die Starwings vorwärtsbringen.

Dem Starwings-Kader mangelt es an Breite

Mit der Arbeit der ersten Monate ist er schon einmal zufrieden: «Wir arbeiten täglich hart für unser Ziel. Ich denke, wir sind bereit. Das haben auch die Testspiele gezeigt.» Dort halten die Starwings lange mit ihren Gegnern mit, brechen dann in der Schlussphase aber ein.

Andrejevic muss nicht lange nach der Ursache suchen: «Unser Kader ist momentan leider noch etwas zu wenig breit. Ich hoffe, dass wir noch ein bis zwei erfahrene Spieler in die Rotation aufnehmen können. Davon würde das ganze Team profitieren.» Auch die Junioren – ein Herzstück der Arbeit des Serben. In einem grösseren Team würden sich mehr Phasen ergeben, in denen er dem Starwings-Nachwuchs, auf den er grosse Stücke hält, Spielzeit geben könne. Er schiebt jedoch gleich nach: «Ich bin der Chef auf dem Court, daneben nicht. Ich kann meine Wünsche äussern, letztlich muss aber der Vorstand entscheiden.»

Auch mit seinem gegenwärtigen Kader ist er zufrieden. Besonders die neuen US-Amerikaner Jacori Payne und der gegenwärtig verletzte Elias Chuha begeistern ihn. «Sie sind topseriöse Profis. Sie sind motiviert und stellen das Team über alles.» Möglich, dass darin ein Seitenhieb an den Amerikaner Auston Calhoun steckt, der die Starwings in der Krise der letzten Saison demotiviert verlassen hatte. Doch nun soll alles wieder besser werden. Das ist an diesem Herbstabend in Birsfelden spürbar.

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