«Am Schluss bin ich einfach der oberste Bürogummi hier», sagt Roland Heri. «Interessiert es da wirklich so sehr, wer ich genau bin und was ich gemacht habe in meinem Leben?» Die Antwort lautet: Ja. Auch wenn der 59-Jährige dies nicht ganz nachvollziehen kann. Aber spätestens seit vergangenem Dienstag ist Roland Heri eine Person, die in Basel interessiert.

Denn seit vergangenem Dienstag ist Heri offiziell «Chief Operating Officer» – kurz COO und zu Deutsch operativer Leiter – des FC Basel. Er ist der neue starke Mann beim FCB. Und damit in jener Rolle, für die eigentlich Jean-Paul Brigger eingestellt worden war. Für Heri ist die Ernennung zum COO ein Aufstieg in der Hierarchie. Ein weiterer.

War Heri bis Ende der letzten Saison noch administrativer Leiter der FCB-Nachwuchsabteilung, war er seit Sommer Sportkoordinator und rechte Hand Marco Strellers. Jetzt ist er dessen Chef, einzig Brigger und Präsident Bernhard Burgener stehen über ihm. Dass er dereinst eine wichtige Rolle im Fussball übernehmen würde, das hat Heri nicht geplant.

Mit dem Grosspapi am Match

«Ich bin in diese Welt hineingerutscht», erzählt Heri, der zwar schon immer Fussball-Fan gewesen ist, beruflich als Informatiker aber in einem ganz anderen Bereich zu Hause war. Heri arbeitete acht Jahre in Südamerika, drei Jahre in Afrika und eines in Asien. Auf diesen Reisen durch die Welt lernte er sieben Sprachen – unter anderem Bahasa Indonesia und Quechua.

«Aber das ist doch alles gar nicht spannend», wiegelt Heri ab. Denn der Zürcher spricht zwar gerne und konzentriert – nur nicht über sich selber. Lieber winkt er auf Nachfragen ab, stellt sein Licht fast schon ein wenig unter den Scheffel. «Die Fans werden mich schon noch kennen lernen», sagt er. «Dann werden sie hoffentlich sagen können: ‹Das ist ein cooler, alter Typ, der weiss, was er tut›.»

Heri ist zwar mittlerweile zu Hause in der Welt des Fussballs, ein typisches Exemplar aber ist er nicht. Im Vergleich zu vielen seiner Mitarbeiter in der FCB-Führungsriege war er kein grosser Fussballer – «gereicht hat es nur für 1. Liga in den 70er-Jahren» – und wurde er mit Begriffen wie «Matchblatt» und «Leihvertrag» erstmals konfrontiert, da war er fast doppelt so alt wie die jungen Spieler im FCB-Kader.

Das war, als er als Spiko-Präsident bei Black Stars seine ersten Schritte im Fussball machte. «Dort hat diese Welt mir angefangen zu schmecken.» Das war Ende der 90er-Jahre, nach seiner Rückkehr aus Afrika. Seither hat ihn der Fussball nicht mehr losgelassen. Nach seiner Zeit bei Black Stars zog es ihn zu den Old Boys, dann zum FCB.

Zu diesem Verein, über den er sagt, dass dort immer am meisten los war. «Wenn ich während meiner Zeit in Südamerika jeweils mit meinen beiden Söhnen in die Schweiz gereist bin und wir uns ein Spiel ansehen wollten, haben wir das deshalb immer in Basel getan.» Sein erstes FCB-Spiel aber hat er im Letzigrund gesehen.

© Probst Martin

«Als die Gegentribüne noch eine Velorampe war und mein Cousin und ich uns eine Wurst teilen mussten, wenn wir mit dem Grosspapi im Stadion waren.» Diese Ausflüge, sie waren für Heri immer das Wochenendhighlight.

Es hat etwas von Fussballromantik, wenn er davon spricht. Und Fussballromantik, die passt zu Heri. Gerne besucht er mit seinen Söhnen Spiele der dritten oder vierten englischen Liga. «Dort ist es egal, wenn einer den Ball verliert. Hauptsache, er rennt dem verlorenen Ball hinterher.»

In seiner neuen Rolle als COO sind es nicht Ballverluste, die Heri primär kümmern. Er sorge «in einem grossen Unternehmen mit sehr vielen Mitarbeitern für flotte Rhythmen, schnelle Entscheide und gute Grundlagen. Das beschäftigt mich am meisten.» Die Bandbreite sei gross, der Alltag abwechslungsreich.

«Im einen Moment darf ich den älteren Fan, der seit 60 Jahren eine Saisonkarte hat, besänftigen, weil ihm die Laufwege von Albian Ajeti nicht gefallen. Im anderen Moment sitze ich bei einer Vertragsverlängerung eines Kaderspielers am Tisch.»

Diese Vielfalt entspreche ihm so sehr wie ihm das Verständnis dafür abgeht, dass sein Tun interessiert. «Schliesslich», und das wiederholt er im Gespräch nicht nur einmal, «bin ich einfach der oberste Bürogummi hier.» Einer aber, dem nun ganz Basel auf die Finger schaut.