Es ist Mitte April, als sich Georg Heitz und Ruedi Zbinden in Basel ins Flugzeug setzen und um die halbe Welt fliegen. Das Ziel ist Osaka, die drittgrösste Stadt Japans. Beim Stadtderby zwischen Cerezo und Gamba interessiert sie nicht etwa das Resultat, der Sportdirektor und der Chefscout des FC Basel haben nur Augen für die Nummer 8 im pinkfarbenen Trikot von Cerezo: Yoichiro Kakitani.

Als Heitz und Zbinden nach der Partie Kakitani das Interesse an seiner Person persönlich mitteilen wollen, blockt das Management des Spielers ab. Ohne Eindruck vom Menschen hinter dem Fussballer Yoichiro Kakitani und leicht irritiert darüber, dass der Delegation eines Champions-League-Teilnehmers und Europa-League-Halbfinalisten der Kontakt mit dem Spieler verweigert wurde, reisen die beiden zurück in die Schweiz.

Drei Monate später kann Heitz über die «ungewohnte Story» lachen. Schliesslich hat sich die Reise ins Land der aufgehenden Sonne doch noch gelohnt: In der ersten Juliwoche hat Kakitani beim FCB einen Vierjahresvertrag unterschrieben. Seit Donnerstag weilt er nun in Basel, gestern lud der FCB zum «Kakitani-Day». Oder wie Präsident Bernhard Heusler die Pressekonferenz einleitete: «Heute ist ein besonderer Tag für den FC Basel.»

Dass für die Präsentation eines neuen Spielers der Präsident, der Cheftrainer und der Sportdirektor persönlich im Mediencenter des St. Jakob-Parks Platz nehmen, ist in der Tat unüblich. Was die Verantwortlichen antrafen, bestätigte jedoch den ganzen Aufwand: Vier TV-Stationen – zwei davon sendeten live nach Japan – und etliche Journalisten aus Kakitanis Heimatland sind gekommen, um den ersten öffentlichen Auftritt ihres Nationalspielers in Basel zu dokumentieren.

Kakitani ist in Japan ein TV-Star

In Japan wird «Yoichiro-Kakitani-TV» gesendet

Als sie im vergangenen November ein erstes Mal über Kakitani diskutierten, ahnten Heusler und Co. in keinster Weise, mit wem sie es zu tun haben. «Wir haben uns ganz auf die sportlichen Fähigkeiten des Spielers konzentriert», sagt Heusler. Dass Kakitani in Japan Popstar-Status geniesst, dass ihn die jungen Japanerinnen so heiss finden wie die Europäerinnen David Beckham und dass in Japan seit kurzem «Yoichiro-Kakitani-TV» gesendet wird – von all dem erfuhr man in Basel erst, als sich die Verhandlungen dem Ende zuneigten.

Über den Deal sagt Heusler: «Es war komplexer als Transfers von Spielern aus der Schweiz oder aus Europa.» Im Frühjahr interessierten sich plötzlich Klubs aus Italien und Deutschland für Kakitani, was den Preis in die Höhe trieb. In Anbetracht des mit 24 Jahren noch entwicklungsfähigen Alters und der Möglichkeit, Kakitani in zwei oder drei Jahren gewinnbringend weiterzuverkaufen, könnte sich die geschätzte Ablösesumme von rund zwei Millionen Franken trotzdem noch als Schnäppchen herausstellen.

Japaner wollen Saisonkarten

Warum er sich für den FCB und die Super League und gegen eine europäische Topliga entschied, begründet Kakitani so: «Der Trainer (Paulo Sousa; d. Red.) war ein wichtiger Grund. Und ich habe gespürt, dass mich die Menschen hier wirklich wollen.» Mindestens genauso wichtig dürfte die Aussicht gewesen sein, mit dem FCB Titel zu gewinnen und in der Champions League zu spielen. Er sagt: «Ich möchte wissen, wie es sich anfühlt, wenn man immer gewinnt. Basel wird jedes Jahr Meister, das hat mich fasziniert.»

Dass er hinter den Mikrofonen und zwischen den medienerprobten Bernhard Heusler und Cheftrainer Paulo Sousa fast etwas unterging und nur sehr leise sprach, lag wohl an der Nervositätzu Beginn des grossen Abenteuers, in Europa Fuss zu fassen. Deutlich gelöster wirkt Kakitani im Kreise seiner neuen Teamkollegen, die ihn laut eigener Aussage «sehr freundlich aufgenommen haben». Im Training rufen ihn die Mitspieler «Kaki». Ob ihn das störe, fragt eine japanische Journalistin. «Nein. Yoichiro ist zu lang. Also habe ich ihnen vorgeschlagen, mich Yo oder Kaki zu nennen», antwortet er und lächelt scheu.

Der neue Basel-Trainer Paulo Sousa zum ersten Mal im Einsatz an der Seitenline im Brügglifeld.

Der neue Basel-Trainer Paulo Sousa zum ersten Mal im Einsatz an der Seitenline im Brügglifeld.

Noch kommuniziert der 24-Jährige über einen Dolmetscher mit seinem neuen Umfeld. Jonathan Wüst, ein Schweizer Japanologe, begleitet Kakitani bis auf den Trainingsplatz. Geht es nach Paulo Sousa, nicht mehr lange: «Kakitani ist ein sehr intelligenter Spieler. Er hat schon viel verstanden von dem, was ich von ihm möchte.» Das dürfte sich decken mit dem, was sich das Publikum vom angekündigten Spektakelspieler erhofft: Tempo, Tore und Dribblings. Vielleicht schon am kommenden Sonntag im Heimspiel gegen Luzern. Die japanischen Fans, die sich diese Woche auf der Geschäftsstelle des FC Basel nach Saisonkarten erkundigt haben, würde es freuen.