Was der FC Basel diese Saison in der Champions League geschafft hat, ist eine der grössten Sensationen der jüngeren Fussball-Geschichte Europas. Denn wie tönte es noch vor etwas mehr als einem Jahr, als sich Urs Fischer mit den Rotblauen sang- und klanglos aus der Königsklasse verabschiedet hatte?

Die Schere zwischen Top-Klubs und Vereinen aus kleineren Ligen wie der Schweiz werde immer grösser, betonte der damalige Sportchef Georg Heitz gebetsmühlenartig. Eine Entwicklung, die man bedauern kann; die aber nicht aufzuhalten ist. Angetrieben von den TV-Milliarden der Premier League und den dicken Portemonnaies von Scheichen und Oligarchen.

Vor diesem Hintergrund muss man beurteilen, was der neuen Führung um Präsident Bernhard Burgener und Sportchef Marco Streller, dem Trainer Raphael Wicky und dem Team gelungen ist.

Das Ausscheiden – keine Schande

Nur ganz kurz die Highlights, dieser aussergewöhnlichen Kampagne: höchster Heimsieg in der Champions-League-Geschichte des FCB gegen Benfica (5:0), am meisten Siege – und alle zu null – während der Gruppenphase (es waren deren vier; für die Vergesslichen) oder der 1:0-Triumph gegen Manchester United (eine Mannschaft die mehr als zehn Mal so viel wert ist wie der FCB) im Joggeli.

Das Ausscheiden gegen City ist mitnichten eine Schande. In Manchester gewinnen die Basler gestern gar sensationell mit 2:1. Das mag das 0:4 aus dem Joggeli nicht aufwiegen, aber selbst in jenem Spiel versuchten die Basler, Fussball zu spielen. Im Gegensatz zum Premier-League-Topteam Chelsea, das am Sonntag 0:1 verlor und dabei kein einziges Mal aufs City-Tor schoss. Das Team von Pep Guardiola ist der wohl besten Liga der Welt entrückt. Das ist Fussball von einem anderen Planeten, fast schon surreal. Können die Skyblues die Form bis im Sommer halten, sind sie Topfavorit auf den Sieg in der Königsklasse.

Höchstwahrscheinlich steht man mit leeren Händen da

Der FC Basel hat unter den besten 16 Mannschaften Europas das mit Abstand billigste Kader. Am ehesten in Reichweite der Basler ist Besiktas, das fast doppelt so viel Wert hat und gespickt ist mit Altstars, Spielern wie Pepe, Ryan Babel oder Quaresma. Eine geballte Ladung Erfahrung. Da wirkt die Truppe von Raphael Wicky schon fast wie eine Schüler-Mannschaft dagegen. Mit ihren jungen, talentierten und hungrigen Spielern.

Der Erfolg macht sich für den FCB bezahlt. Rund 30 Millionen Franken spült die Champions League in die Kassen, weitere 20 Millionen der Transfer von Manuel Akanji, der sonst kaum so viel eingebracht hätte. Über den Geldsegen kann sich nicht nur der unternehmerische Präsident freuen, er ist auch Basis für künftige Erfolge.

Dieses Jahr kein Titel?

Trotzdem: Der FCB bezahlt dafür einen hohen Preis. Mit grösster Wahrscheinlichkeit wird er diese Saison nach acht Meistertiteln in Serie erstmals mit leeren Händen dastehen. Es bräuchte ein Wunder, um dieses Szenario noch abzuwenden. Zu stark präsentiert sich YB derzeit, zu schwach der FCB.

Mit der neuen Philosophie hat man dieses Risiko in Kauf genommen. Bewusst. Man wollte nicht nur vermehrt auf jüngere Spieler und Eigengewächse setzen, sondern hat sich auch vom Ballbesitz-Fussball abgewandt, hat routinierte, aber nicht ganz so schnelle Stürmer ersetzt durch Tempo-Fussballer wie Dimitri Oberlin. Das ist nachvollziehbar. Denn der europäische Fussball bewegt sich immer mehr in diese Richtung: schnelle Konter, schnelles Umschalten, schnelle Tore.

Marco Streller trifft natürlich eine Mitschuld

Natürlich gibt es auch in der Meisterschaft Gelegenheiten dazu. Und doch sieht sich der FCB in der Liga meist mit ganz anderen Spielanlagen konfrontiert. Während man sich in der Königsklasse eher unter Druck sieht und das Tempo braucht, um zu Torgelegenheiten zu kommen, trifft man in der Schweiz meist auf abwartende, verteidigende Gegner.

Kommen dann noch gewichtige Abgänge in der Winterpause dazu und Neuankömmlinge, die nicht in Form sind, hat man die Quittung. Die muss Sportchef Streller natürlich auch auf seine Kappe nehmen. Es war kein Geheimnis, dass Valentin Stocker kaum spielt und Fabian Frei nur teilweise. Da hat man sich wohl zu sehr auf die Vergangenheit verlassen, zu sehr
auf Altbewährtes (Rückholaktionen) gesetzt und zu wenig an der eigentlichen Philosophie festgehalten.