Handball
Der RTV Basel muss auf die Jugend setzen und hoffen

Vor dem Start zur Abstiegsrunde am Samstag mit dem Heimspiel gegen Fortitudo Gossau (16 Uhr, kleine St. Jakobhalle) stellten die Realturner ihre Strategie in Frage. Die Antwort lag schon vorher auf der Hand.

Ilan Olstein
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Die Basler (Goalie Pascal Stauber) sind sich leiden gewohnt.

Die Basler (Goalie Pascal Stauber) sind sich leiden gewohnt.

Keystone

Herz oder Verstand? Diese Frage stellten sich die Verantwortlichen der Realturner in den letzten Wochen eingehend. Was sie damit meinen: Soll man sich für einige zehntausend Franken zwei ausländische Verstärkungsspieler leisten, um so gemäss RTV-Präsident und -Trainer Alex Ebi den Klassenerhalt zu 95 Prozent sicherzustellen – also das Herz sprechen lassen. Oder soll man auf die Variante Vernunft setzen, die vorsieht, ausschliesslich auf die Karte Jugend zu setzen und kein finanzielles, aber ein sportliches Risiko einzugehen?

Einsatzzeit für die Jungen

Das Ziel der Basler bleibt in beiden Fällen dasselbe: Der Ligaerhalt wird angestrebt. Wie sich die Verpflichtung von ausländischen Spielern überhaupt finanzieren lässt, ist schleierhaft. Kommt hinzu, dass mit diesen Spielern ganz sicher keine Erfolgsgarantie verbunden ist – was die Vergangenheit bereits des Öfteren gezeigt hat. Somit bleibt den Baslern gar keine andere Wahl, als in Zukunft den Weg der Vernunft zu beschreiten und die eigene Jugend zu fördern.

Für Alex Ebi sieht diese Förderung kurzfristig folgendermassen aus: «Die jungen Spieler brauchen Spielzeit, damit sie sich weiterentwickeln können. Wir haben uns dafür entschieden, ihnen diese Spielzeit zu geben. Nicht nur als Ersatz für fünf Minuten, wenn das Spiel schon entschieden ist.» Eine löbliche Einstellung. Es fragt sich, auf welche Jugend man setzen will, hat der RTV aktuell doch keine eigene Jugendmannschaft.

Bedauern über Kaisers Abgang

Im Kader der Basler findet man zurzeit weniger als eine Handvoll junger Spieler. Umso mehr liess der Abgang von Flügelspieler Sebastian Kaiser in die Nationalliga B zum TV Endingen aufhorchen. Zumal mit Sandro Strübin der etatmässige linke Flügel verletzungsbedingt noch länger ausfällt. Ebi meint dazu: «Wir bedauern es sehr, hatten es aber nicht in der eigenen Hand.»

Kaiser sagt: «Ausser von den Mitspielern habe ich in den Gesprächen keine grosse Überzeugung gespürt.» Kaiser trifft bei den Aargauern einerseits auf seinem jüngeren Bruder Severin (ebenfalls Ex-RTV), erhält einen kleinen Zustupf und findet andererseits einen Verein vor, der schon seit einiger Zeit gezielt den eigenen Nachwuchs fördert, auf NLA-Handball aber verzichten muss.

Es wird nicht mehr Silvio Wernles Aufgabe sein, den RTV auf diesen nachhaltigen Weg zu führen. Der vormalige Trainer hat als Leiter mehrerer Filialen einer Finanzberatungsfirma eine Zusatzaufgabe erhalten und deshalb keine Möglichkeit mehr, «seinen» RTV zu betreuen. Wäre sein Team erfolgreicher, hätte er es sich vielleicht anders überlegt. Der Präsident übernimmt einmal mehr auch das Traineramt – bis Ende Saison.

Spieler aus der Region

Bei der Kaderplanung ist der Spielraum begrenzt. Geld für Ausländer ist keines da, eine eigene Jugend auch nicht. Dennoch muss das dünne Kader aufgefüllt werden. Dies bedeutet, dass man sich bei den regionalen Mannschaften bedienen muss. Cedric Kroos (HSG Leimental), Timon Steiner, Luca Engler, Maurus Basler (alle TV Birsfelden) und Kevin Langhein (SG ATV/KV Basel) sind junge talentierte, aber auch unerfahrene Spieler, die in Zukunft mit Doppellizenzen für den RTV auflaufen werden. Egal wie Ebi aufstellt, der Ligaerhalt wird schwierig, aber nicht unmöglich. Drei Punkte Rückstand auf GC Amicitia sind einholbar.