Es war genau 19.37 Uhr, als der enthusiastische, zuletzt euphorisierte Matchspeaker die letzten fünf Spielsekunden (ab-)zählte. Und mit der Endsirene brachen alle Dämme – Spieler und Trainerstab sowie der Grossteil der Zuschauer feierten den Wiederaufstieg des Traditionsklubs - der 14 Jahre älter als der FC Basel ist - in die Nationalliga A.

Ein Mann, der mit „seinem“ RTV nahezu alles erlebt hat, ist Igor Stamenov. Der 39-jährige Captain, gebürtiger Serbe und einst italienischer Internationaler und Vorzeige-Basler be­züglich Vereinstreue (Stamenov spielt gefühlt das ganze Leben im RTV und wird auch in den nächsten Jahren kaum aufhören…) meinte unmittelbar nach Abpfiff auf die Frage, wie und was er fühle: „Ganz einfach – heute ist alles gut“. Und sein Blick verriet, dass er die Frage nicht allzu originell fand… und strahlend die nächste „Schampus“-Dusche über sich ergehen liess.

Fünfmal gegen Baden gewonnen

Baumeister des RTV-Erfolges ist Cheftrainer Samir Sarac (53). Der kroatische-schweizeri­sche Doppelbürger ist Ausbildner und Sportlehrer. „Wir haben fünfmal gegen Baden ge­spielt – und fünfmal gewonnen. Zum Teil sehr deutlich. Es war nicht einfach, nach unserer Dominanz in der Qualifikationsphase die Spannung wieder neu zu laden. In einer Finalse­rie ist vieles möglich – wir haben vom ersten Match an gezeigt, dass wir jener Klub sind, welcher in die Nationalliga A gehört“. Und zeigte auf die Anzeigetafel, wo das finale Skore leuchtete. „Das ist die einzige Wahrheit“, so Sarac. 

Zu Beginn des Vergleiches war es ein Basler Schaulaufen. Nach knapp drei Minuten stand es 3:0 und von den ersten sechs RTV-Toren erzielte Florian Goepfert gleich deren vier. Der sprunggewaltige und wurfstarke Rückraumspieler, einst in der Nationalmannschaft und beim Serienmeister Kadetten Schaffhausen aktiv, tritt mit dem (Wieder-)Aufstieg vom Elite-Handball zurück. Dass es dem Binninger, der die Namen der grossen Basler Hand­baller der jüngeren Zeit (Ebi, Feigl, Gassmann-Brüder, Stauber) fortsetzte, vergönnt war, nach 59 Minuten und 27 Sekunden das letzte Tor seiner Karriere zu erzielen, passte ins Drehbuch.

Eine harzige Periode

Denn nach dem beschwingten Auftakt und der sicheren Pausenführung war Sand ins RTV-Getriebe gekommen. Aus einem 17:8 nach 23 Minuten wurde  ein 19:17 (38). Und nach 41 Minuten und 46 Sekunden stand es 20:20 – wie der Gastgeber in 18 Minuten ein 3:12 gegen die anfangs fahrig aufspielenden Aargauer einfangen konnte, spielte nach Abpfiff während den Freudentänzen und Champagnerduschen keine Rolle mehr.

Aber viel­leicht wird Sarac diese Periode, in denen viele einfache Ballverluste und Fehlwürfe zur Regel wurden, genauer anschauen. Und weil Baden, das von einer Hundert­schaft Anhän­ger unterstützt wurde, dreimal leichtfertig einen Angriff zur erstmaligen Füh­rung vergab, war das 21:20 nach 47 Minuten, durch Präsidenten-Sohn Yannick Ebi erzielt, die Signal­wirkung. Von da an waren die Stärkeverhältnisse wieder hergestellt.

Mann der vielen Funktionen

Rares Jurca (35), der grosse Mann des rumänischen Handballes, war Organisator, Motiva­tor, (fast) sicherer Siebenmeter-Torschütze, Antreiber und Publikums-Anpeitscher in Per­sonalunion. Ob der Zwei­meter-Mann auch in der kommenden Spielzeit beim RTV Basel spielen wird, „ist noch nicht ganz entschieden“, so der zehnfache Torschütze. Tendenziell wird er den Realturnern er­halten bleiben, denn in seiner Freude meinte er ein wenig über­mütig, im Sport gelte ja die Regel „never change a winning team“, so der Osteuropäer.

De­zidierter sieht es Trainer Sa­rac. „Den Rücktritt von Goepfert müssen wir kompensieren; und zwei, drei Verstärkungen werden nötig sein – und tun uns gut. Aber der Stamm wird auch in der Nationalliga A eine gute Figur abgeben“. Und dann entschwanden alle RTV-Exponenten ins Foyer und in den Gängen der Rankhofhalle. Es dürfte eine lange Nacht im „minderen Basel“ (Glaibasel) werden...

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