Handball
Der RTV Basel steigt in die NLB ab – er war zu selten die Summe seiner Teile

Diverse Gründe haben zum Abstieg des RTV Basel in die Nationalliga B geführt. Dabei hatte der RTV das nominell beste Kader seit Jahren. In den entscheidenden Momenten fehlten aber Kampf und Wille.

Alan Heckel
Drucken
Teilen
RTV-Spieler Florian Goepfert liegt am Boden. Genau so wie der ganze Verein nach der Niederlage gegen Gossau und dem damit verbundenen Abstieg.

RTV-Spieler Florian Goepfert liegt am Boden. Genau so wie der ganze Verein nach der Niederlage gegen Gossau und dem damit verbundenen Abstieg.

Juri Junkov

Am liebsten hätten die Spieler des RTV Basel am Mittwochabend den Rankhof nach dem Schlusspfiff wohl auf schnellstem Wege verlassen. Doch auch dieses Mal galt es, die Halle aufzuräumen.

Während die Gossauer Spieler in der Kabine den 30:28-Sieg und damit die Rettung in die Barrage feierten, liessen sich die Basler ihrerseits beim Kabelaufrollen und Papiereinsammeln den letzten Match und die gesamte Saison, die mit dem Abstieg in die NLB ein trauriges Ende genommen hatte, durch die Köpfe gehen.

Ein Spiegelbild der Saison

Basil Berger dachte wohl an seine beiden hundertprozentigen Chancen, die er Mitte der zweiten Halbzeit nicht verwertet hatte. Maurus Basler dürfte dagegen immer noch über den Grund für seine Zeitstrafe aus der 56. Minute gegrübelt haben.

«Die Schiris haben ein paar seltsame Entscheide gefällt», fand zwar auch Silvio Wernle, doch für den RTV-Interimstrainer machte es wenig Sinn, das Spiel im Detail zu sezieren und zu analysieren. «Wir sind nicht heute abgestiegen. Der Match gegen Gossau war einfach ein Spiegelbild der ganzen Saison.»

Abstieg mit dem besten Kader

So richtig fassen konnte man die Relegation in die Zweitklassigkeit bei den Realturnern nach Spielende noch nicht. Mit dem nominell besten Kader seit Jahren und dem Ziel, die Finalrunde zu erreichen, war man in die Spielzeit gestiegen. Als der Gang in die Abstiegsrunde feststand, herrschte kein echter Grund zur Beunruhigung, schliesslich hatte man die auf dem Papier wohl stärkste Equipe dieser Viererpoule.

Zu wenig entschlossen? Juri Junkov zieht für den RTV Basel ab.

Zu wenig entschlossen? Juri Junkov zieht für den RTV Basel ab.

Juri Junkov

«Papier und Realität sind zwei verschiedene Dinge. Handball ist ein Mannschaftssport, in dem man auf dem Feld seine beste Leistung bringen muss», stellte Simon Wittlin richtigerweise fest. Der RTV war aber zu selten die Summe seiner Einzelteile. «Es ist uns über Monate hinweg nicht gelungen, die nötige Konstanz an den Tag zu legen», bilanzierte der Kreisläufer weiter.

Verletzungspech ist keine Ausrede

Rares Jurca hatte ebenfalls das gleiche Problem eruiert. «Wir haben gefühlt stets sechs Spiele in Partien verloren und sporadisch ein Heimspiel gewonnen. Das reicht einfach nicht», gab der erfahrene Rumäne zu Protokoll. Zwar sprach der ehemalige Bundesliga-Profi mitunter das zwischenzeitliche Verletzungspech an, wollte dies aber nicht als Ausrede gelten lassen.

Das tat auch Wittlin nicht: «Gerade in dieser Saison war unser Kader breit genug, um damit umzugehen ...» Aber erst als man das Messer am Hals hatte und spielerische Mittel nicht mehr gefragt waren, hielten die Realturner in den letzten drei Heimspielen mit Kampf, Leidenschaft und Willen die Hoffnung, den Klassenerhalt doch noch zu schaffen, am Leben.

Emotionales Ende

In einem dramatischen Match vor über 1000 lautstarken Fans im Hexenkessel Rankhof fehlte der Wernle-Equipe gegen Gossau aber auch das nötige Glück, um den benötigten – und möglichen – Sieg einzufahren. Das Publikum würdigte den Effort des Heimteams am Ende trotzdem mit grossem Applaus, was die Tränen einiger Basler aber auch nicht schneller trocknen liess.

Die jungen Spieler mussten von den Routiniers getröstet werden, doch auch in deren Gesichtern herrschten nur Leere und Enttäuschung. Denn daran, 2017/18 nicht mehr erstklassig zu sein, hatte vor der Saison niemand nur einen Gedanken verschwendet.

Aktuelle Nachrichten