Seit 2002 ist Alex Ebi (51) Präsident des Basler Traditionsvereins. Ohne den früheren Nationalspieler, der profund denkt und flott redet und damit meistens bewusst anecken respektive polarisieren will, würde es in der Stadt am Rheinknie längst keinen Spitzen-Handball mehr geben. Nun sind die Realturner aber im Frühling 2015 wieder in die höchste Liga aufgestiegen – mit dem klaren Ziel, dort zu bleiben und die Sportart populär(er) zu machen.

An der Vorsaison-Pressekonferenz nannte Präsident Ebi ein Etat von 400'000 Franken als Budget für das NLA-Team. Das ist im Vergleich zum Grossteil der Konkurrenz wenig. Einzig Fortitudo Gossau und der HC Stäfa steht ungefähr gleich viel Geld zur Verfügung. Am gleichen Abend, anlässlich der ordentlichen Generalversammlung, konnte Ebi den Anwesenden mitteilen, dass «der RTV endlich schuldenfrei ist».

Wechsel im Kader

Den vier Abgängen stehen fünf Neuzuzüge gegenüber. Prominentester Neuling ist der 130-fache rumänische Internationale Rares Jurca (32), der einst auch in der 1. Bundesliga und in der Champions League Akzente gesetzt hat. Jurca stiess vom Schweizer Serien-meister Kadetten Schaffhausen zum RTV und soll Denker, Lenker und Goalgetter in Personalunion sein.

Beim internationalen Vorbereitungsturnier in der Rankhofhalle konnte der Osteuropäer im Ansatz zeigen, dass er diese Polyvalenz, sicher aber die nötige Erfahrung, mitbringt. Schöner Nebeneffekt: Der Linkshänder wird das Budget nicht belasten. Jurca wird fremd finanziert.

Ein zweiter Mann wird speziell im Fokus stehen. Sebastian Ullrich (23) hat primär die Aufgabe, Gegentreffer zu verhindern. Aber der Deutsche, mit Bundesliga-Erfahrung (SG Leutershausen, MT Melsungen), muss auch Goalielegende Pascal Stauber ersetzen.

Sportlich und von der Persönlichkeit her nicht einfach, denn «Pasci» war RTV-Integrations- und Symbolfigur, Rückhalt, Antreiber, Motivator und Siegesgarant in Personalunion. «Die Herausforderung ist gross», sagt Ullrich stoisch. «Aber ich bin nach Basel gekommen, um in der obersten Liga meinen Mann zu stellen, dem Team zu helfen und mich persönlich weiterzuentwickeln», sagt der Student, der aber zugibt, dass «ich derzeit eigentlich Profi bin».

Ein breites Kader

Ein Vorteil des Liganeulinges ist die Tatsache, dass ein Grossteil der Mannschaft seit Jahren zusammen spielt. Igor Stamenov (36) zum Beispiel. Der gebürtige Serbe, welcher früher italienischer Nationalspieler war, trägt seit 14 (!) Jahren das schwarz-weisse Trikot. Und mit Michael Goepfert (26) kann der RTV auf einen aktuellen Nationalspieler zählen, der sagt: «Wir werden eine gute Saison spielen. Wir haben die Abgänge gut kompensiert», so der Binninger, der vor einem Jahr aus Schaffhausen zu seinem Stammklub zurückkehrte.

Aber auch Marko Vukelic (Ex-Nationalspieler), der kroatische Zuzug Bruno Kozina, der kubanische Kreisläufer Henry Martinez oder Dick Hylken aus Schweden müssten keine Anlauf- oder Akklimatisationsschwierigkeiten in der Nationalliga A haben.

«Die Vorbereitungszeit war kurz, da heuer die Meisterschaft eine Woche früher anfängt. Wir werden kaum im Auftaktspiel gegen Kriens-Luzern unseren besten Match liefern.» Trainer Silvio Wernle (40) weiss, «dass zwischen der Nationalliga B und Nationalliga A sportlich Welten liegen. Aber eines kann ich versichern: Die Mannschaft ist parat.»

Auch wenn der heutige Gegner, zumindest auf dem Papier, als Favorit antritt und beim Vorsaison-Turnier vor drei Wochen gegen den Aufsteiger sicher mit 25:16 (16:7) gewann, «werden wir auf Augenhöhe sein», glaubt Rares Jurca.