Die eisigen Temperaturen sind für Robin Brugger kein Problem: Er ist Skilehrer in Klosters. Per Piquetdienst kann er gerufen werden, dann kommt er gerne, um den Kleinen die Kunst des Skifahrens beizubringen. Offensichtlich ist das aber nur eine saisonale Beschäftigung für den 25-Jährigen. Die Priorität gilt ganz klar dem Handball – und auch dem Medizinstudium natürlich.

Seit September 2012 spielt der Oberwiler für den TV Möhlin als Kreisläufer. Dieser raue Job in den Reihen der Mehlemer passt auf den ersten Eindruck gar nicht zu dem sympathischen und ruhigen Robin Brugger. Seine Vergangenheit bringt die Erklärung, warum er als «Rammbock» des TV Möhlin so gut funktioniert: Er war in Jugendzeiten ein Judoka. Der sanfte Weg lässt sich ins Handball übertragen, wie Brugger selbst sagt: «Die Adaption von Judo zu Handball liegt gar nicht so fern. Ich habe dort gelernt mich so abzurollen, dass ich mich nicht verletze – das ist in diesem Sport schon ab und zu von Nutzen.»

Doch nicht nur bei der Vermeidung von typischen Verletzungen – wie zum Beispiel Kreuzbandrissen – kann Brugger von der Kampfsportart profitieren. «Die Intensität während eines Kampfes ist höher, man muss voll konzentriert sein», weiss der Ex-Judoka. Dies komme ihm auch im Handball zugute, da die Intensität verteilt wird auf eine längere Spielzeit. Weiter hat er ein gutes Körpergefühl und eine Dynamik, die ihm Vorteile gegenüber dem Gegner verschaffen.

Seine Jugend bestand allerdings nicht nur aus Judo, er spielte lange parallel dazu auch noch Handball. Mit der Zeit sagte ihm das Handball mehr zu und er akzeptierte eine Einladung zu einem Training beim TV Oberwil. So begann die Handballkarriere des jungen Baselbieters.

Nach einigen Saisons bei der HSG Leimental wechselte er zum TV Möhlin in die NLB – auf Empfehlung eines Mitstudierenden. «Er hat mir gesagt, dass sie einen Kreisläufer suchen und ich war davon überzeugt, dass ich ihnen da aushelfen kann. Zudem spielen die Mehlemer in einer höheren Liga als wir damals», erklärt Brugger. Der Trainingsaufwand sei gleich wie bei seinem Ex-Klub, das Physische sei aber wichtiger. «Die Topspieler summieren sich, je höher die Liga ist. Früher konnte man sich auf einen konzentrieren, weil der einfach der beste Spieler eines Teams war. Heute muss man sich auf das Team konzentrieren – da sind alle gut», erzählt der Medizinstudent. Das stelle auch die Teamchemie mehr in den Vordergrund, da man mit einem neuen Team erst noch Automatismen entwickeln muss. «Die Anpassungsphase ist definitiv vorbei, jetzt folgen nur noch die Feinabstimmungen», weiss Brugger.

Während seiner ganzen Karriere scheint er sehr auf seinen Körper bedacht, so fällt es einem nicht schwer zu glauben, dass er ein Medizinstudium bestreitet. «Mit früheren Verletzungen und den Erfahrungen mit Ärzten und Spitälern schien mir das passend zu meiner Person», erzählt der angehende Arzt Brugger. Trotz einiger zeitlicher Engpässe ist er mit sich, dem Handball und dem Studium sehr zufrieden und hofft auf eine positive Zukunft ohne Unfälle – weder beim Sport noch im Beruf.