Schwingen
Der schüchterne Böse: Adrian Odermatt gilt als eines der grössten Nachwuchstalente

Adrian Odermatt ist eines der grössten Nachwuchstalente – ganz daran gewöhnt hat sich der schüchterne Baserl aber noch nicht.

Céline Feller
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Das Nachwuchstalent Odermatt Adrian ist so ehrgeizig wie zuweilen schüchtern.

Das Nachwuchstalent Odermatt Adrian ist so ehrgeizig wie zuweilen schüchtern.

Kenneth Nars

«Odermatt, Adrian», meldet er sich am Telefon. Alleine die Reihenfolge, in der er seine Namen nennt, würde genügen, um zu wissen, welchen Sport er betreibt. Odermatt Adrian ist Schwinger. Einer der besten seiner Alterskategorie. «Den Besten gibt es nicht, weil es einem immer mal besser, mal schlechter laufen kann», erklärt er. Daher sei es «gar nicht so schlecht, einer der Besten zu sein.» Wenn Odermatt Adrian diese Worte wählt, spricht er leise. Noch leiser als sonst. Der Blick geht immer wieder auf den Boden. Oder zu Henzer Andreas, dem technischen Leiter des Schwingklubs Binningen, in dessen Keller wir uns treffen. Henzer Andreas ist während des ganzen Gesprächs dabei. Es scheint dem Jungen Sicherheit zu verleihen. Denn Interviews geben ist er sich noch nicht gewohnt. «Wahnsinnig im Fokus stehen mag ich sowieso noch nicht», gibt er zu.

Odermatt Adrian wirkt etwas schüchtern und zurückhaltend. Er sei entschuldigt, ist er doch gerade mal 16 Jahre jung. Für dieses junge Alter kann er jedoch schon eine lange Erfahrung im Schwingen aufweisen. Seit 9 Jahren steht er regelmässig im Sägemehl. «Mein Vater und mein Grossvater haben ebenfalls geschwungen. Sie haben mir dann gesagt, ich solle es versuchen und, wenn es mir gefällt, weitermachen.» Und es hat ihm gefallen. Vom ersten Moment an. «Wieso, kann ich nicht mehr sagen», versucht sich Odermatt Adrian zu erinnern. Heute fasziniert ihn vor allem der faire Zweikampf, den er wie folgt erklärt: «Im Boxen gibst du einander auf die ‹Schnuure› und willst, dass der andere kaputtgeht. Wenn dein Gegner zu Schaden kommt, eine blutige Nase hat, dann hast du gewonnen.» Im Schwingen sei das ganz anders. «Wir legen den Gegner auf den Rücken. Wenn das geschafft ist, ist es zu Ende. Vor und nach dem Kampf sind wir die besten Freunde.»

Der andere Stellenwert

Er habe auch andere Sportarten ausprobiert. Unihockey und Fussball. Aber nichts habe ihm so Spass gemacht wie das Schwingen. Vielleicht gründet es in seiner Herkunft. Denn auch wenn Odermatt Adrian in Liesberg aufgewachsen ist, dort die Primarschule besucht hat und bis heute dort gemeinsam mit seinen Eltern, seinem Bruder und den drei Schwestern dort wohnhaft ist, so liegen seine Wurzeln in der Innerschweiz. Von dort kommt sein Vater. Und dort habe das Schwingen «einen ganz anderen Stellenwert. Dort kann man mit jedem darüber reden. Hier ist das nicht der Fall.»

Der einzige Sport, der ihm ähnlich viel Spass macht wie das Schwingen, ist das Krafttraining. Es ist ein Glücksfall für ihn, dass er dieses gerne macht. Denn Odermatt Adrian wiegt im Moment nur 90 Kilogramm. «Das ist bei uns nicht schwer.» Was das ideale Körpergewicht für einen Schwinger ist, wisse er gar nicht. Der Blick geht auf den Boden. Und dann zu Henzer Andreas. Wie immer, wenn er sich unsicher fühlt.

Wenn es aber darum geht zu erklären, wie er das mangelnde Körpergewicht im Sägemehl wettmache, dann braucht er keine Hilfe. Eine gute Technik, seine Vielseitigkeit und schnelle Züge seien es, die ihm «das überraschende Element bringen und mich unberechenbar machen». So unberechenbar, dass Odermatt Adrian in diesem Jahr gar seinen ersten Kranz gewinnen konnte. Der Triumph am Baselstädtischen Schwingfest in Riehen sei für den Nachwuchssportler überraschend gekommen. «Trainer und Betreuer haben aber damit gerechnet.» Als müsste dies bekräftigt werden, nickt Henzer Andreas im Hintergrund. Man glaubt an das Potenzial von Odermatt Adrian, der seine ersten Jahre im SK Dorneck-Thierstein verbrachte, bevor er nach Binningen wechselte, weil er dort «bessere Voraussetzungen» vorgefunden habe. Der Wechsel soll ihn weiterbringen. Denn Odermatt Adrian ist so ehrgeizig wie zuweilen schüchtern. Unnötig Druck möchte er sich zwar nicht machen, aber «es ist für mich eine Leidenschaft mit dem Ziel, Spitzenschwinger zu werden».

Den nächsten Schritt dazu könnte der Forstwart in Ausbildung am Sonntag am Nordwestschweizer Schwingfest in Therwil machen. Er wolle das Maximum aus sich herausholen, dann sei er zufrieden. Zu was es dann reichen könnte, wisse er nicht. Sein Blick geht auf den Boden. Und dann zu Henzer Andreas. «Oder was meinst du?», fragt er diesen «Mit dem nötigen Glück liegt der Kranz drin.»