Regiosport
Der Schuh drückt: Laufveranstaltungen fallen dem Coronavirus zum Opfer

Der Muttenz Marathon, der Dreiländerlauf und die SOLA-Stafette mussten wegen der Coronakrise alle abgesagt werden. Die Folgen für die Veranstalter sind unterschiedlich. Der Frauenlauf hingegen gibt sich noch optimistisch.

Simon Leser
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Der Massenstart des Dreiländerlaufs vor dem Rathaus entfällt in diesem Jahr.

Der Massenstart des Dreiländerlaufs vor dem Rathaus entfällt in diesem Jahr.

Homepage Dreiländerlauf

Es ist eine dieser Skurrilitäten der letzten Tage. Während viele ihren Coronakater auf einer Joggingrunde aus den Beinen schütteln, sagt ein Organisator nach dem anderen seinen Lauf ab. Dabei wäre eigentlich alles angerichtet für die erste Hochsaison der Laufveranstaltungen. Den Regen kennt der April nur vom Hörensagen, die Temperaturen sorgen für Sommergefühle. Und trotzdem dominiert im Laufkalender zurzeit ein Wort: Abgesagt.

Am kommenden Sonntag wäre der Muttenz Marathon über die Bühne gegangen. Knapp 600 Läuferinnen und Läufer hätten sich die Schönmatt hinauf geschleppt. Ein neuer Teilnehmerrekord. Dass es nicht so weit kommt, macht Ivo Amrein traurig. Doch der Blick des Präsidenten des Muttenz Marathon ging bereits kurz nach Bekanntgabe der einschränkenden Massnahmen des Bundesrats nach vorne. Zusammen mit seinen zwei Vorstandsmitgliedern sagte er den Marathon ab und schaltete das Rückerstattungsformular für die bereits angemeldeten Teilnehmer auf. «Wir wollen nicht Geld einbehalten, das uns nicht gehört», sagt Amrein. Diejenigen, die auf ihr Geld verzichten möchten, können es sich für eine Teilnahme im nächsten Jahr anrechnen lassen oder es dem Veranstalter spenden. Rund 30 Prozent haben sich bisher für letztere Variante entschieden.

Trotz den Spenden sind die finanziellen Verluste beträchtlich. Ein höherer vierstelliger Beitrag wäre von den Sponsoren gekommen, bis zu 18000 Franken von den Teilnehmern. Die bereits bestellten Pokale dienen nur noch als Dekorationsmaterial. Wegen einer umsichtigen Finanzplanung trifft es den Muttenz Marathon dennoch nicht ganz so hart. Der Vorstand arbeitet ehrenamtlich und die Zeitmessung machen sie selbst. «Die finanziellen Folgen können wir mehrheitlich mit Rückstellungen auffangen», sagt Amrein. Anforderungen stellt er nur bezüglich des kantonalen Swisslos Sportfonds, der Veranstaltungen finanziell unterstützt. Er sagt: «Als Frühlingsveranstaltung hatten wir dieses Jahr einfach Pech. Es ist umso wichtiger, dass wir in einer solchen Situation nicht leer ausgehen.» Als Ersatz für den Marathon plant der Vorstand einen virtuellen Lauf. Jogger können so eine Strecke für sich selbst abrennen und dann ihre Zeit in einer App eintragen, die eine virtuelle Rangliste erstellt. Dies alles unter Einbehaltung der Hygienemassnahmen. Amrein und Co wollen auch in der Krise den Sport fördern.

Teilnehmer beklagten sich beim Dreiländerlauf

Auch der Dreiländerlauf vom 17. Mai fiel dem Coronavirus zum Opfer. 555 Personen hatten sich bereits angemeldet, um über drei verschiedene Landesgrenzen zu rennen. Es wäre der 30. Lauf gewesen, eine Jubiläumsausgabe. Aber nicht nur deshalb trifft es die Verantwortlichen härter als andere Veranstalter. Noch im letzten Jahr feierte der Dreiländerlauf einen neuen Teilnehmerrekord. Weil darum aber auch die Kosten in die Höhe schnellten, sind die finanziellen Reserven in diesem Jahr gering. «Der Verlust wird substanziell sein», sagt Martin Lichtenthaler. Der OK-Präsident und Gründer des Dreiländerlaufs entschied deshalb, nur 50 Prozent des Startgelds zurückzuzahlen und sagt: «Gemäss unserem Wettkampfreglement hätten wir, aufgrund von höherer Gewalt, sogar keine Rückzahlung vornehmen müssen.» Gleichzeitig ruft Lichtenthaler auf, das Startgeld zu spenden. Diese Rückerstattungsregel stiess einigen sauer auf. Ein Teilnehmer schrieb schlicht, die Organisatoren sollen sich schämen.

«Ich begreife zwar, dass auch einige Teilnehmer die finanziellen Folgen dieser Krise spüren. Doch teilweise fehlt mir die Solidarität», sagt Lichtenthaler. Um die finanziellen Verluste abzufedern, wollte er ein Formular für Staatsgelder ausfüllen. 50 Millionen verspricht der Bund Breitensportveranstaltungen, denen die Zahlungsunfähigkeit droht. Trotz aller Probleme profitiert der Dreiländerlauf aber nicht davon. «Der Bund will unsere Einnahmenausfälle nicht decken. Das begreife ich nicht», sagt Lichtenthaler. Auch bei den Sponsorengeldern bahnen sich schwierige Zeiten an. Lichtenthaler kann sich vorstellen, dass diese im nächsten Jahr sinken. «Wenn ich neue Sponsoren suchen muss, werde ich dies in Branchen machen, die wegen der Coronakrise profitiert haben», sagt er und denkt an die Pharmaindustrie.

Für Muttenz Marathon und Dreiländerlauf war es keine Option, den Lauf in diesem Jahr nachzuholen. Beide wollen nicht andere Läufe konkurrieren, die im Herbst stattfinden sollen. Dies hat auch die SOLA Basel bewogen, ihre Stafette abzusagen. Der Dreiländerlauf ist zudem von drei unterschiedlichen nationalen Weisungen betroffen. Die Unsicherheit wiegt zu schwer. Nächstes Jahr soll alles nachgeholt werden. «Ich bin zuversichtlich, dass wir 2021 eine würdige Jubiläumsausgabe präsentieren», sagt Lichtenthaler.

Nicht alle Organisatoren haben eine diesjährige Austragung abgeschrieben. Der Basler Frauenlauf wurde auf den 30. August verschoben. «Die fehlende Planungssicherheit ist schwierig. Das ist eigentlich nicht in Worte zu fassen», sagt Verena Eugster, Organisatorin des Frauenlaufs. Trotzdem ist sie optimistisch, dass der Lauf stattfinden kann.

Dem Muttenz Marathon und dem Dreiländerlauf kommt entgegen, dass trotz der Absage die Unterstützung des Swisslos Sportfonds nicht ausbleibt. Im vergangenen Jahr bekam der Muttenz Marathon 3100 Franken. «Wenn der Verlust ausgewiesen werden kann, wird der Betrag maximal in der üblichen Grössenordnung sein», sagt Christian Saladin, stellvertretender Leiter der Sportamts Baselland. Die Ziellinie werden die Veranstalter deswegen heuer nicht sehen. Doch immerhin stehen die Läufer im nächsten Jahr wieder am Start.