Am Morgen ist der Solothurner jeweils einer der ersten, der die St. Jakobshalle betritt. Das Eis der Curling-Rinks bekommt in der Nacht, wenn die Scheinwerfer ausgelöscht sind, eine tiefere Temperatur. «Wir brauchen ungefähr zwei Stunden, bis das Eis wettkampfbereit ist», erklärt der 55-Jährige.

Gestern aber das böse Erwachen: Wegen des anhaltenden Regens hat sich Reif auf dem Eis gebildet. «Wir mussten das Eis dreimal abhobeln statt einmal», sagt Wüthrich. Nun stehen wenig dekorativ sechs gelbe Entfeuchtungsmaschinen in der Halle, um die Luftfeuchtigkeit in den Griff zu kriegen. «Acht weitere sind bestellt», ergänzt Wüthrich.

Der Solothurner ist vor 36 Jahren nach Kanada ausgewandert. Dort lebt er mit seiner Familie und betreibt eine Landschaftsgärtnerei. Das Eis ist nur sein Hobby. Aber er ist eine Kapazität auf dem Gebiet. Seit 1993 ist er jedes Jahr bei einem Curling-Grossanlass für das Eis verantwortlich. Bei den Olympischen Winterspielen in Vancouver wurde er sogar als Berater in den Bau der Curlinghalle einbezogen.

Drei Schweizer Eisspezialisten

Vancouver war eistechnisch sowieso «swiss made». Die Bobbahn, das Eishockeyfeld und die Curling-Rinks: bei allen Anlagen zeichnete ein Schweizer für das Eis verantwortlich. «Wir sind halt bekannt für unser exaktes Arbeiten», sagt Wüthrich, wobei natürlich das Curling die höchste Genauigkeit erfordere. Auf den Zehntelmillimeter genau muss der Eismeister und sein Team arbeiten.

Die letzten Olympischen Spiele wären sehr speziell gewesen. Toll, weil Kanada eine absolute Curling-Nation sei. Und schwierig, weil Kanada eine absolute Curling-Nation sei. «1,2 Millionen aktive Curler haben eine eigene Meinung zum perfekten Eis. Das macht die Arbeit nicht einfacher», sagt der Kanada-Schweizer.

Neue Herausforderung

Sotschi sei eine ganz andere Erfahrung. Im Moment könne er noch nicht einschätzen, ob der Zeitplan stimmt. Eine Begutachtung vor Ort sei bislang immer wieder verschoben worden. Dabei finden in einem Jahr die Junioren-Weltmeisterschaften als Testlauf für die Olympischen Spiele in Sotschi statt.

Einmal pro Jahr bildet Wüthrich im deutschen Füssen für den Weltverband neue Eismeister aus. Dann lande er jeweils in Zürich und könne seine Familie in der Schweiz besuchen. Als Eismeister sei er natürlich neutral, aber dass die Männer gerade nicht so überzeugen, sei schade. Gerade bei der Heim-WM. Dafür konnte er seinen Teil zum WM-Gold der Curlerinnen beitragen. In seiner Heimatstadt Gimli in Manitoba hat er dem Schweizer Frauenteam einen perfekten Trainingsrink präpariert.

Viel Zeit

Damit in Basel ideale Bedingungen herrschen, investiert Wüthrich viel Zeit. Von sechs Uhr morgens bis spät nachts ist er in der Halle. Vor jeder Partie werden die Eisflächen von seinem Team neu aufbereitet. Jeder Curler soll die gleichen Bedingungen haben. Während der Spiele sitzt der Eismeister an seinem Laptop und beobachtet die verschiedenen Temperaturen, um allenfalls das Kühlsystem justieren zu können.

Im Moment läuft alles zu seiner Zufriedenheit. Und im Idealfall hat es spätabends, wenn Wüthrich als Letzter aus der Halle tritt, auch noch aufgehört zu regnen.