Rugby
Der Sport als Lebensschule: Ein Besuch bei den Amateuren vom RFC Basel

Nicht nur an der Weltmeisterschaft in Japan wird Rugby gespielt: Auch in Basel halten die Spieler vom RFC Basel Woche auf der Pruntrutermatte für Woche ihre Knochen hin. Die Basler beweisen: Ihr Sport ist für sie mehr als nur ein Hobby - er ist eine Lebensschule.

Julian Förnbacher
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RFC Basel - Rugby Winterthur.
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RFC Basel - Rugby Winterthur.
RFC Basel - Rugby Winterthur.
RFC Basel - Rugby Winterthur.
RFC Basel - Rugby Winterthur.
RFC Basel - Rugby Winterthur.
RFC Basel - Rugby Winterthur.
RFC Basel - Rugby Winterthur.
RFC Basel - Rugby Winterthur.
Rugby RFC Basel - Winterthur
RFC Basel - Rugby Winterthur.

RFC Basel - Rugby Winterthur.

Juri Junkov

Die Rugby-WM, welche dieser Tage in Japan ausgetragen wird, ist nach Olympia und der Fussball-WM der weltweit drittgrösste Sportanlass. Drei Milliarden Zuschauer sind vor den TV-Geräten mit dabei.

Fernab der grossen Bühne wird auch in Basel Rugby gespielt. Auf der lauschigen Pruntrutermatte ist der RFC Basel zu Hause. Gegründet wurde der Verein 1975. Der Legende nach notierte man die ersten Statuten auf einer Serviette im damaligen Warteck-Pub in der Steinenvorstadt.
Im Sommer stieg der RFC in die Nationalliga B auf. «Wir sind zu einhundert Prozent Amateure, wir zahlen Mitgliederbeiträge und die Coaches arbeiten ehrenamtlich. Uns geht es um das Herzblut und die Liebe zum Sport», erzählt Greg Allen stolz. Er ist Vorstandsmitglied und spielt in der ersten Mannschaft. Seit zehn Jahren ist der 29-Jährige im Verein aktiv.

Greg Allen vom RFC Basel.

Greg Allen vom RFC Basel.

Juri Junkov

In dieser Zeit hat sich im Schweizer Rugby und beim RFC einiges verändert. Rugby war wegen des französischen Einflusses zunächst in der Romandie populär. Heute findet das Wachstum aber vor allem in der Deutschschweiz statt. «Es werden immer mehr Leute auf die Sportart aufmerksam, das lässt sich auch an den Spielerzahlen ablesen», erzählt Allen. So sind heute rund 5500 Spieler beim Verband gemeldet, vor zehn Jahren war es noch die Hälfte.

Früher war Rugby ein Einwanderer-Sport, heute ist es auch bei Schweizern populär. «Wir haben Schweizer, Briten, Italiener, Australier und noch viel mehr. Im Team wird englisch und deutsch gesprochen», sagt Allen. Nicht nur betreffend der Nationalitäten gibt die Basler Equipe ein besonderes Bild ab.

Der Verein als Schmelztiegel

«Was uns vielleicht von anderen Sportarten unterscheidet, ist die unglaubliche Diversität im Team», sagt Allen. So stürzen sich auch am vergangenen Wochenende beim Spiel gegen Winterthur, welches die Basler nach einer dramatischen Schlussphase knapp verloren, Professoren, Schüler und Pharma-Angestellte Schulter an Schulter ins Getümmel. «Im Rugby werden so viele Körpertypen für die vielen unterschiedlichen Positionen angesprochen, da kann jeder seinen Teil beitragen», schwärmt Allen.

Nicht nur, wer wie er 1.90 Meter misst und 105 Kilo wiegt, kann Rugby spielen. Jung, alt, schmächtig oder massiv – jeder Spieler hat seine persönliche Aufgabe. «Deshalb ist Rugby für uns auch ein Stück weit Lebensschule. Auf dem Feld sind die Unterschiede irrelevant. Unseren Job auf dem Platz können wir nur gemeinsam erledigen. Diesen Gedanken wollen wir hochhalten.»

RFC Basel - Rugby Winterthur.

RFC Basel - Rugby Winterthur.

Juri Junkov

Förderlich für das Kollektivgefühl ist beim RFC sicherlich auch das gemütliche Klubhaus mit einer eigens eingerichteten Bar. Dort verfolgen die Rugbyaner Live-Spiele oder frönen nach ihren Trainings dem Biergenuss. «Vereinskultur» nennt Allen diese Anlässe schmunzelnd.

Es ist nicht nur dieses Einheitsgefühl, das die Rugby-Mentalität einzigartig macht. Reklamieren ist genauso verpönt wie Respektlosigkeiten am Gegenüber. Nach harten Zweikämpfen hilft man dem Gegner auf die Beine, nach dem Spiel stehen die Sieger für die Unterlegenen Spalier. Diesen Spirit will der RFC schon den Kleinsten vermitteln. Denn neben zwei Herren-Teams und einer Damenmannschaft hat der Verein auch eine Juniorenabteilung. Schon Vierjährige können dort erste Schritte mit dem «Ei» in der Hand wagen.

Komplexe Regeln und harte Zweikämpfe sollen keine Hemmschwelle sein

Allen wünscht sich, dass sich mehr Interessierte trauen würden, in seinen Sport hinein zu schnuppern: «Der Verein muss eine breitere Basis aufbauen.» Das umfangreiche und zunächst verwirrende Regelbuch und die körperliche Intensität, die charakteristisch für den Rugby-Sport sind, sollten dabei aber niemanden abschrecken: «Wenn man ein Reglement aufschlägt, und versucht, die Regeln so zu verstehen, klappt es nicht. Das muss man direkt im Spiel lernen. Auch der Körperkontakt sieht von aussen oft schlimmer aus, als er effektiv ist. Rugby ist nicht gefährlicher als Fussball.»

Allen gibt zwar zu, dass es bei Vollkontaktsport wie Rugby mal eine Schramme oder ein blaues Auge gibt. Er erklärt aber auch, dass in letzter Zeit regeltechnisch einiges gemacht wurde, um das Verletzungsrisiko zu minimieren.

Das Ziel: Von der WM in Japan profitieren

Das Heimspiel gegen Winterthur unterstreicht diese Erläuterungen. Gespielt wird mit vollem Körpereinsatz aber stets fair. Das schlägt sich auch in der Ambiance am Spielfeldrand nieder: Fans beider Lager sitzen nebeneinander und geniessen die Herbstsonne, vor dem Klubhaus wird gegrillt. Gegen Spielende sorgt gar eine Band für Stimmung. Es kommen gut zweihundert Zuschauer – einige von ihnen auch wegen der WM.

RFC Basel - Rugby Winterthur.

RFC Basel - Rugby Winterthur.

Juri Junkov

«Wir spüren, dass das Interesse in der WM-Zeit grösser wird. Die Präsenz des Sports in diesen Wochen hilft uns immens. Das macht es wahrscheinlicher, dass Leute zu uns finden. Ob als Spieler, Sponsoren oder Zuschauer». Mit einem Bier in der Hand lebt Allen kurz nach Spielende verschwitzt, aber trotz Niederlage zufrieden die Vereinskultur vor. Es hat eben doch gewisse Vorzüge, dieser Tage nur auf der Pruntrutermatte und nicht in den Arenen Japans zu spielen.

Rugby WM in Japan, Public Viewing in Basel

Viertelfinals: 19. Oktober, 9.15 Uhr: England - Australien, 12.15 Uhr: Neuseeland - Irland, 20. Oktober, 9.15 Uhr: Wales - Frankreich, 12.15 Uhr: Japan - Südafrika. Das Spiel Neuseeland gegen Irland kann bei einem Public Viewing auf der Puntrutermatte geschaut werden. Ab 15 Uhr spielt dann der RFC Basel gegen La Chaux-de-Fonds.