Fussball
Der sprachlose Japaner: Yoichiro Kakitani gab sein Debüt beim FC Basel

Rund 15 Minuten durfte der japanische Neuzugang Kakitani Super-League-Luft schnuppern. In Ansätzen zeigte der 24-Jährige bereits seine technische Klasse, noch hapert es aber noch an der Kommunikation.

Michael Meier
Merken
Drucken
Teilen
Yoichiro Kakitani in seinem ersten Spiel für den FC Basel
4 Bilder
 Yoichiro Kakitani gegen den Thuner Stefan Glarner
 Yoichiro Kakitani freut sich mit Torschütze Fabian Schär und Marcelo Diaz über den Sieg.
 Torhüter Tomas Vaclik, Matias Delgado, Yoichiro Kakitani, Marco Streller und Taulant Xhaka

Yoichiro Kakitani in seinem ersten Spiel für den FC Basel

Keystone

Da stand er im Regen in der Stockhorn Arena von Thun. Wie ein begossener Pudel. Sprachlos. Die Arme in der Hüfte eingestützt. Sein Gesichtsausdruck verriet Fassungslosigkeit, aber auch Ohnmacht. Vielleicht hätte er in diesem Moment gerne seinen Dolmetscher auf dem Feld gehabt, um dem Schiedsrichter so richtig die Meinung zu sagen. Aber während ungefähr sechs FCB-Spieler rund um den Referee Alain Bieri standen und auf ihn einredeten, stand Yoichiro Kakitani immer noch sprachlos im Strafraum des FC Thun.

Penaltypfiff bleibt aus

Es läuft die 83. Minute. 2:1 führt der FC Basel im Berner Oberland. Gerade eben war Kakitani auf das Thuner Tor zugestürmt, vorbei an seinem Gegenspieler. Nichts schien ihn mehr aufhalten zu können. Bis besagter Gegenspieler – Stefan Glarner – ihn an der Schulter zurückreisst. Ein klarer Penalty. Doch der Pfiff bleibt aus. Während seine Mitspieler wild gestikulierend einen Elfmeter fordern, weiss Kakitani wohl selbst nicht so recht was er machen soll. Er geht dann doch noch kurz zum Schiedsrichter und sagt ein paar Worte. Was, und in welcher Sprache ist nicht überliefert. Aber Alain Bieri dürfte es nicht verstanden haben. Denn der japanische Neuzugang, der fünf Minuten zuvor eingewechselt wurde und so zu seinem Debüt im Dress des FC Basels gekommen war, beherrscht weder Deutsch, Englisch noch eine sonstige Fremdsprache.

Kuriose Szene am Spielfeldrand

So spielte sich kurz vor seiner Einwechslung eine skurrile Szene ab. FCB-Trainer Paulo Sousa gab Kakitani noch letzte Anweisungen. In Ermangelung einer sprachlichen Alternative musste kurzerhand ein Dolmetscher an den Spielfeldrand kommen, um die Anweisungen zu übersetzen. Dieser ist auch in jeder Trainingseinheit des FCB zugegen und soll dem Japaner helfen, sich möglichst rasch einzugewöhnen.

Paulo Sousa ist zufrieden

Dass aber die Kommunikation mit den Mitspielern nicht einfach ist, zeigten die rund 15 Minuten, die Kakitani in Thun auf dem Platz stand. Der linke Aussenverteidiger Behrang Safari hatte seine liebe Mühe, dem japanischen Flügel vor sich klarzumachen, wie er sich defensiv verhalten soll. Gestenreich gab er ihm Anweisungen, aber der Japaner schien ihn nicht so richtig zu verstehen. Die Thuner wussten diese Abstimmungsprobleme auszunützen und attackierten immer wieder über die linke Abwehrseite der Basler.

«Ein intelligenter Spieler»

Es war aber auch zu sehen, weshalb der FC Basel rund zwei Millionen Franken für den Japaner in die Hand nahm. Der Offensivspieler ist technisch sehr beschlagen und ungemein schnell. Gut möglich, dass er sich schon bald zur angekündigten Attraktion im Basler Spiel mausert. Sein Trainer ist jedenfalls voll des Lobes über seinen Neuzugang: «Er ist ein sehr intelligenter Spieler und versteht das Spiel sehr schnell», schwärmt Paulo Sousa. Deshalb sollte die Sprachbarriere auch kein unüberwindbares Hindernis darstellen. Sousa ist überzeugt, dass der Neuzugang schon bald grossen Einfluss aufs Spiel der Basler ausüben wird. «Mit seinen Qualitäten und seiner Torgefahr bringt er uns sofort weiter», resümiert Sousa nach dem Spiel.

Lob von Urs Fischer

Man kann sich also auf weitere Einsätze von Kakitani freuen. Mit ihm verfügt Sousa in der Offensive über noch mehr Möglichkeiten. Der Kader des FCB ist beneidenswert. Als Thun-Trainer Urs Fischer an der Pressekonferenz nach dem Spiel gefragt wird, was er zur Aufstellung des FCB denke, lächelt er gequält. «Ich beschäftige mich eigentlich nur mit meiner Mannschaft und meinen Spielern. Aber natürlich ist das Matchblatt auch mir in die Hände gekommen. Es sieht interessant aus, was da alles nicht im Team ist». Von Alternativen wie Delgado, Kakitani, Fabian Fei, Diaz, oder Embolo kann jeder andere Super League Trainer nur träumen.

Und während der FCB in den letzten Jahren anfangs Saison noch eine gewisse Anlaufzeit benötigte und einige Punkte abgab, ist die Mannschaft von Sousa diese Saison mit drei Siegen am Stück gestartet – zum ersten Mal seit vier Jahren. Wer soll diesen FC Basel nur stoppen?