Super League

Der starke FCB schlägt Luzern 4:1 – doch sein Kolumbianer hätte rot sehen müssen

Über diese Szene wurde in Luzern diskutiert: Basels Eder Balanta bringt den allein aufs Tor zusteuernden Tomi Juric zu Fall.

Über diese Szene wurde in Luzern diskutiert: Basels Eder Balanta bringt den allein aufs Tor zusteuernden Tomi Juric zu Fall.

Soll ein Deutscher bei einer WM den Final zwischen Deutschland und Brasilien pfeifen? Dass dies ein No-Go ist, darüber gibt es keine zwei Meinungen. Länder- und Europacuppartien werden nie von einem Schiedsrichter geleitet, der aus einem der am Spiel beteiligten Länder kommt.

Soll ein Basler ein Super-League-Spiel des FC Basel pfeifen? Darüber gibt es indes zwei Meinungen. «Ja, absolut, da sehe ich null Probleme», sagt der frühere Spitzenschiedsrichter Patrick Graf, der heute die Geschäftsstelle der SFV-Schiedsrichterkommission führt.

In der Bundesliga wäre das unmöglich 

«Das ist schon merkwürdig, wenn ein Schiedsrichter aus Basel ein Spiel des FC Basel leitet», sagt dagegen der Luzerner Trainer Markus Babbel. Und ergänzt: «In der Bundesliga wäre das unmöglich.

Graf sagt: «Mit dem nötigen Fingerspitzengefühl geht das. Aber klar, eine Finalissima zum Beispiel käme nicht infrage.» Graf begründet seine Haltung auch damit, dass die Schweiz nicht ein unbegrenztes Reservoir an Super-League-Schiedsrichtern besitze und die Spielzuteilung extrem erschwert wäre, könnte ein Schiedsrichter nicht ein Spiel mit einer Mannschaft leiten, die aus derselben Region wie er kommt.»

Erst seit drei Jahren

Das war aber nicht immer so. Bis vor drei Jahren durfte der Basler Adrien Jaccottet noch keine Partie des FCB pfeifen. Dann aber entschieden die Verantwortlichen, das Prinzip der Regionalzugehörigkeit aufzuweichen. Seit Oktober 2014 hat der 34-Jährige, der in seiner Jugend als FCB-Fan in der Muttenzerkurve stand, nun schon sieben Pflichtspiele von Rotblau geleitet.

Dass die Basler fünf davon gewannen und zwei Mal unentschieden spielten, hat gewiss mit ihrer Überlegenheit und nichts mit einer Bevorzugung durch Jaccottet zu tun. Dennoch: Um unnötigem Argwohn den Riegel zu schieben, ist die alte Regel die bessere.

Weshalb diese Frage am Samstag in Luzern aber diskutiert wurde, hatte mit einer Szene aus der 24. Minute zu tun. In dieser nämlich wurde Tomi Juric von Eder Balanta noch ausserhalb des Strafraums just mit einem Foul vom Ball getrennt, als er alleine auf Goalie Tomas Vaclik hätte zusteuern können.

Die Gastgeber forderten energisch die rote Karte für den Kolumbianer; zu Recht, denn der sich auf gleicher Höhe befindende Marek Suchy wäre zu weit weggewesen, um noch eingreifen zu können.

Nach der Pause spielte nur noch der Meister

Es war nun aber nicht gleich so, dass die Luzerner den Schiedsrichter für die Niederlage verantwortlich machten. Sie hatten schon konstatiert, dass nach einer ausgeglichenen ersten Halbzeit und Toren von Shkelqim Demhasaj (18.) und dem überragenden Michael Lang (31.) nach der Pause nur noch der Meister gespielt und nach Treffern von Dimitri Oberlin (69.), Cedric Itten (81.) und Lang (92.) einen hoch verdienten 4:1-Sieg errungen hatte.

«Das war der Abschluss einer perfekten Woche», sagte Trainer Raphael Wicky, der mit dem FCB am Mittwoch im Cup erneut auf Luzern trifft. Drei Siege gegen Sion, ManUnited und Luzern mit 10:2 Toren − Halbzeit 1:2! − geben ihm recht. Fast recht. Denn YB gewann am Sonntag in Lugano 2:1 und liegt weiter sieben Punkte voraus.

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