Wenn es in Wimbledon in der Nähe des Aorangi Parks plötzlich laut wird, ohrenbetäubendes Geschrei ertönt, ist alles klar: Die Fans empfangen King Roger, der aus dem Tunnel kommt und Richtung Trainingsplatz geht. Kinder, Jugendliche, Frauen und Männer hängen am Zaun, kreischen wie bei einem Popstar und strecken Bälle, Kappen, Programmhefte hin. Viele kommen auf ihre Kosten, Federer lässt sich in Sachen Autogramme nie lumpen.

Gestern, kurz vor zwölf Uhr in Allschwil. Ein weisser Mercedes fährt beim Sportcenter Paradies vor, parkiert direkt vor dem Eingang. Es gibt keinen anderen Parkplatz mehr. Heraus steigt Federer, mutterseelenallein. Er schnappt seine Schlägertasche, begrüsst herzlich einen Angestellten der Swiss Indoors, den einzigen Menschen, der von seinem Kommen Kenntnis nimmt. Federer drückt ihm den Autoschlüssel in die Hand, falls der Wagen einem Lieferanten im Weg stehen sollte.

Wie im Paradies

Er begrüsst die Mitarbeiter am Empfang und verschwindet in den Umkleidekabinen. Dort wartet Henri Laaksonen. Den jungen Schweizer Profi hat sich Federer als Sparringspartner für sein erstes Training ausgesucht. Federer muss sich vorkommen wie im Paradies. Niemand stört ihn, er kann sich in Ruhe seinem Kerngeschäft, dem Sport, widmen. Eine halbe Stunde später erscheint Coach Severin Lüthi. Inzwischen ist ein Fotograf eingetroffen. «Beim Training kannst du gerne ein paar Minuten fotografieren», sagt Lüthi.

Auf Platz vier, den zweitletzten vom Restaurant aus gesehen, verziehen sich die drei. Es geht nicht ums Verstecken. Die hintersten drei Plätze sind neu gemacht, entsprechen dem Boden in der St. Jakobshalle am besten. So ruhig, wie er gekommen ist, verlässt Federer gegen halb drei das Paradies wieder. Mit der Ruhe ist es bald vorbei.

Bei einem seiner Hauptsponsoren ist er gefragt, so wie heute und auch morgen. Dazu kommen die Medien. Deshalb hat Federer, alles andere denn ein begeisterter Frühaufsteher, für heute schon um acht Uhr mit seinem Kumpel Marco Chiudinelli abgemacht. Am Sonntag steht dann eine Sitzung des Stiftungsrates der Roger-Federer-Foundation auf dem Programm, mit ihm als Präsident. Auf dem Centre-Court gehts dann am Montagabend los. Dann gehts nicht mehr ohne Bodyguards, sonst erdrücken die Fans ihr Idol.