Volleyball

Der Traktor tuckert erstklassig: Trotz kleinem Budget wollen die Basler Volleyballer hoch hinaus

Daniel Rocamora Blazquez sammelt als Trainer in Basel seine ersten Erfahrungen bei einer Herrenmannschaft.

Daniel Rocamora Blazquez sammelt als Trainer in Basel seine ersten Erfahrungen bei einer Herrenmannschaft.

Am Samstag beginnen die NLA-Volleyballer von Traktor Basel ihre Saison mit einem Auswärtsspiel in Genf. Für die Region Basel ist es das Ende einer langen Durststrecke.

18 Jahre. So lange musste die Region Basel auf einen Volleyballklub warten, der bei den Männern die höchste Schweizer Spielklasse aufmischt – die NLA. Diese Leidenszeit ist jetzt beendet. 18 Jahre nach dem Abstieg des VBC Gelterkinden nimmt Traktor Basel die neue Saison erstmals in der Klubgeschichte erstklassig in Angriff. «Hoffentlich sind wir für die Region ein Zugpferd», sagt Heiko Breer.

Der Sportchef gründete den Volleyballverein 1995 mit zwei weiteren Studienkollegen. Seit dem Gründungsjahr geht es für Traktor nur in eine Richtung: nach oben. Im vergangenen Jahr folgte mit dem Aufstieg in die NLA die Krönung einer Erfolgsgeschichte, die die Mannschaft in wenigen Jahren aus der Zweiten in die Elite-Liga beförderte. Es ist ein kleines Märchen, das in der Rankhofhalle geschrieben wird.

Die Anforderungen für die erstmalige NLA-Saison sind nun ungleich höher – sowohl in sportlicher als auch in organisatorischer Sicht. Fünf neue Spieler verpflichtete die sportliche Leitung in der Sommerpause, darunter prominente Namen: Mittelblocker Samuel Ehrat und Aussenangreifer Irian Mika kamen beide von Volley Schönenwerd und sind Schweizer Nationalspieler.

Samuel Ehrat ist für Traktor ein Schlüsselspieler.

Samuel Ehrat ist für Traktor ein Schlüsselspieler.

   

Auch auf der Trainerposition gab es eine gewichtige Fluktuation. Erneut musste Schönenwerd als Lieferant herhalten. Der Spanier Daniel Rocamora Blazquez leitet neu die sportlichen Geschicke des Vereins auf dem Platz. Die Konstellation passt: Wie Traktor Basel geht auch Rocamora in seine erste NLA-Saison als Trainer einer Herrenmannschaft. Im vergangenen Jahr coachte er noch die Frauenmannschaft von Schönenwerd. Während er im Trainergeschäft noch ein Grünschnabel ist, ist seine Volleyball-Erfahrung als ehemaliger spanischer Nationalmannschaftsspieler umfangreich. «Von diesem grossen Erfahrungsschatz können unsere jungen Spieler stark profitieren», sagt Breer.

Rocamora musste beim Angebot aus Basel nicht lange überlegen, nur der Name machte ihn stutzig. «Ich dachte zuerst, dass eine Traktorfirma hinter dem Verein steht», sagt er. Schnell merkte er aber: Mit seiner Art passt er zum Aufsteiger aus Basel. «Ich sah, dass der Verein beinahe jedes Jahr aufstieg, ohne die Spieler zu wechseln und besonders viel Geld reinzustecken», erzählt Rocamora.

Zwei Attribute treffen sowohl auf den Trainer als auch auf die sportliche Führung zu: Ehrgeiz und Ruhe. Auf Lobgesänge des neuen Trainers werden die Spieler indes verzichten müssen. «Ich werde den Spieler keine Belohnungen geben, wenn sie etwas Gutes machen. Sie müssen gut sein, deshalb sind wir auch in der NLA», sagt der Spanier fordernd. Der Entwicklungsprozess der Spieler ist für ihn wichtiger als die einzelnen Resultate. «Wenn wir ein Spiel verlieren, sollen wir daraus lernen. So machen wir aus einer Niederlage einen Sieg», erklärt er seine Philosophie.

Marketing und Finanzen sind eine Knochenarbeit

Das Ziel für Traktor Basel sind die Playoffs. Dafür muss eine von insgesamt neun Mannschaften aus der Liga geschlagen werden. «Schwierig» sei diese Mission, sagt Rocamora. Es sei aber ein Vorteil, dass die Saison mit einem Auswärtsspiel in Genf begonnen werden kann. «Zu Hause wäre der Druck noch einmal grösser gewesen», sagt er.

Im Jahr nach dem Aufstieg will Traktor auch in der NLA jubeln.

Im Jahr nach dem Aufstieg will Traktor auch in der NLA jubeln.

   

Rocamora und der Verein denken bereits über die aktuelle Saison hinaus. Traktor soll in der Zukunft im Mittelfeld der Liga etabliert werden. Dafür müssen auch die Finanzen aufgestockt werden. 200 000 Franken beträgt das aktuelle Budget. Darin sind nicht nur die Gehälter für Spieler, sondern auch alle anderen Ausgaben wie für Trikots oder Reisen enthalten. «Mit diesem Budget können wir nicht mit anderen Mannschaften mithalten», sagt Breer unmissverständlich. Auf diese Saison hin wurden die finanziellen Mittel mehr als verdoppelt, womit sich Traktor auch einen Spieler wie Samuel Ehrat leisten konnte.

Auch wenn Breer betont, dass Ehrat in der gleichen Grössenordnung verdient wie bei seinem früheren Arbeitgeber, wirbt der Verein primär mit anderen Aspekten. «Die Spieler merken, dass bei uns in der Region Basel eine tolle Nachwuchsarbeit geleistet wird und dass es vorwärts geht», sagt Breer. Vorwärts will der Verein auch in der Wahrnehmung in der Bevölkerung. Dazu hat sich die Marketingabteilung einiges überlegt. Am Dienstagnachmittag fährt die Mannschaft mit einem Traktor auf dem Marktplatz vor, um für die Heimspiele zu werben. An diesen soll jeweils die Post abgehen – mit verschiedenen Veranstaltungen in der Pause. «Die Bemühungen um Finanzen und Marketing sind Knochenarbeit», sagt Breer. Nach 18 Jahren ohne Herren-Spitzenvolleyball in Basel nimmt der Verein dies aber gerne in Kauf.

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