Der alte Mann und die Strasse: Mit 49 Jahren kann der Basler Christian Eminger (VC Basilik) noch immer mit den jungen Radamateuren mithalten. Eminger musste zwar zwei mehr als zwanzig Jahre jüngere Fahrer ziehen lassen. Doch das schmälert seine Freude nicht. Im Gegenteil: Am Samstag war er im Tirol zum dritten Mal Weltmeister in der Masterskategorie 40+ geworden.

300 Zuschauer am Strassenrand

Rund 300 Zuschauerinnen und Zuschauer erlebten, wie spannend Radsport sein kann. Insbesondere, wenn das Kriterium in einem Wohnquartier stattfindet. Das Publikum feuerte die Velorennfahrer entlang der Kornfeldstrasse-Tiefweg-Morystrasse-Lachenweg lautstark an.

Für die 34 gestarteten Amateure galt es, 90 Runden à 900 Meter (81 Kilometer) zu absolvieren. Die Rennfahrer schlugen von der ersten Runde ein horrendes Tempo an, sodass das geschlossene Feld zu Beginn in 4,5 Sekunden die Zieldurchfahrt passierte. Die jeweils zwei schnellsten Fahrer erhielten in der 5. Runde erstmals eine Prämie; gesamthaft 40 Franken von der Gemeinde Riehen gestiftet. Weiter gab es zehn Wertungen und drei Supersprints.

Stundenmittel über 40 km/H

Lukas Spengler (Team Atlas Personal-Jakroo/RRC Diessenhof.), Christoph Inauen (Atzmännig-M.F. Hügler-Wetzikon) und Christian Eminger (VC Basilisk) sowie Gwenael Rouzet (Macadam Cowboys) waren seit der ersten Wertung vorne mit dabei und sammelten fleissig Punkte. Der Franzose Rouzet holte in den Runden 17 und 18 gut hundert Meter Vorsprung heraus. Doch das Feld reagierte sofort, und der Zusammenschluss folgte in der 19. Runde. Ab der 33. Runde verschärfte sich das Tempo nochmals. Das Stundenmittel stieg auf 43.7 Kilometer. Einzelne Fahrer konnten nicht mehr mithalten und mussten abhängen lassen.

Spitzenduo arbeitet zusammen

Entscheidend für den weiteren Rennverlauf war die 67. Runde: Das Spitzenduo Lukas Spengler und Christoph Inauen setzte sich vom Feld ab, die Spreu begann sich vom Weizen zu trennen. Die beiden holten einen Vorsprung von 28 Sekunden heraus und fuhren mannschaftstaktisch clever, sodass sie in der 70. Runde bereits einen Vorsprung von 35 Sekunden aufwiesen. Fünf Runden später waren es bereits 40 Sekunden. Kaum war die letzte Runde eingeläutet, lancierten die beiden Spitzenfahrer den Schlussspurt. Der Speaker forderte das Publikum auf, die Fahrer anzufeuern, insbesondere auch den Lokalmatadoren Christian Eminger. «Chom, du chasch no uf de dritti Platz fahre.» In der Tat: Eminger schafft es noch, sich auf den dritten Platz vorzuarbeiten. Vor ihm platzierten sich nur zwei deutlich jüngere Fahrer: der 19-jährige Lukas Spengler und der 20-jährige Christoph Inauen. Sieger Spengler benötigte für die total 81 Kilometer 1: 57:05 Stunden.

Leistung durch Training

Der im Aargau aufgewachsene Christian Eminger wird, wie er verriet, so lange weitermachen, bis er nicht mehr vorne mitmischen kann. Der ehemalige Eisschnellläufer, der in dieser Sportart zwei WM-Medaillen holte, besitzt noch immer eine unglaubliche Kraft-Ausdauer. Trotzdem sagt er: «Auch ich werde älter und langsamer. Das kompensiere ich jedoch übers Training und die Erfahrung.» Gegenüber einem durchschnittlichen Amateur legt er pro Jahr mit 30 000 Kilometern fast doppelt so viele Trainingskilometer zurück. Im Frühling musste allerdings auch Eminger seinem Alter erstmals Tribut zollen: Er hatte sich am Bein wegen einer Thrombose operieren lassen müssen.