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Der Vaclik-Nachfolger steht bei Thun im Tor - Djordje Nikolic soll dereinst die Nummer 1 werden

«Handschuhe faszinierten mich schon immer mehr als Fussballschuhe, schöne Paraden sagten mit mehr als schöne Tore.» Djordje Nikolic Torhüter FC Thun

«Handschuhe faszinierten mich schon immer mehr als Fussballschuhe, schöne Paraden sagten mit mehr als schöne Tore.» Djordje Nikolic Torhüter FC Thun

Djordje Nikolic (20) ist seit der Winterpause Torhüter des FC Thun. Der Hüne (1,95 Meter) soll dereinst das Tor des Serienmeisters hüten. Wie er zu Basel kam und was ihn auszeichnet.

Für Thun war es eine glückliche Fügung. Denn es war offensichtlich, dass die Berner Oberländer ein Problem auf der Torhüterposition haben. Zu oft hat der 24-jährige Francesco Ruberto gepatzt, fast zwei Tore im Schnitt kassierte der FC Thun in den ersten 19 Spielen (35 Gegentore). Aber was hätte Thuns Sportchef Andres Gerber auch machen sollen?

Die Mittel sind knapp im Berner Oberland, das Geld für einen neuen Keeper hätte gefehlt, also plante man eigentlich mit Guillaume Faivre. Im Sommer wurde der Neuenburger von Ruberto verdrängt, aber er habe eine gute Figur gemacht in der Vorbereitung, das wäre die Lösung gewesen.

Bis der FC Basel anklopfte und fragte, ob man kein Interesse hätte, Djordje Nikolic auszuleihen. Der Serbe wechselte im Sommer vor anderthalb Jahren von Partizan Belgrad zum FCB.

Schaffhausen als Sprungbrett

Nach einer Saison in Basel, in der er kaum spielen konnte, da er als Drittstaaten-Spieler nicht im Nachwuchs spielen kann, wurde er erst vor einem halben Jahr an den FC Schaffhausen ausgeliehen. Ein Sprungbrett.

Eben wurde Nikolic an der Awards-Verleihung der Liga zum besten Torhüter der Challenge League ausgezeichnet. So rasch hat er sich entwickelt, dass man in Basel Möglichkeiten prüfte, ob er nicht jetzt schon eine Liga höher spielen könnte. In Thun wurde man fündig.

Heute also steht Nikolic im Tor, wenn der FC Basel in Thun gastiert. Gegen den Verein, bei dem er eigentlich unter Vertrag steht (er ist für 18 Monate an Thun ausgeliehen). «Ich bin voll auf meine Aufgabe bei Thun konzentriert. Aber natürlich wird es ein spezielles Spiel für mich», sagt Nikolic zur «Schweiz am Wochenende».

Welcome to Basel: Djordje Nikolic

Welcome to Basel: Djordje Nikolic bei seiner Ankunft in Basel

Er werde sich einfach vorstellen, dass ihnen da ein anderes Team gegenüberstehe, um die Aufgabe ein bisschen zu vereinfachen. Denn seine Ziele sind klar: Thun soll weniger Tore kassieren als in der Vorrunde, den Ligaerhalt schaffen, und irgendwann will er die Nummer 1 in Basel sein.

Mit dieser Absicht holte ihn Georg Heitz auch nach Basel. Zu einem Zeitpunkt, da Nikolic mit 18 schon in der höchsten serbischen Liga spielte. Bei Jagodina, ausgeliehen von Partizan. Zudem war er schon damals Torhüter der serbischen U21. Ein grosses Talent.

Und obwohl er in der Schweiz und auch in Deutschland mehreren Vereinen angeboten wurde, zeigte nur Heitz Interesse. Weil er das Potenzial dieses jungen Mannes erkannte. Seine Veranlagungen, die Grösse von fast zwei Metern, die Einstellung – Basel wagte es.

Einziger Ausländer in Thun

Das Wagnis scheint sich schneller bezahlt zu machen, als man das erwarten konnte. Nikolic hat so rasch Fortschritte gemacht, wie er Deutsch gelernt hat. Während andere Spieler auch nach Jahren in Basel kaum ein Wort verstehen, drückt er sich erstaunlich differenziert aus in seiner zweiten Fremdsprache neben dem Englisch, das er in der Schule gelernt hat. Nikolic: «Ich habe schon in Basel Unterricht genommen. Aber die beste Schule war eigentlich das halbe Jahr in Schaffhausen. Dort wurde im Training nur Deutsch gesprochen.»

Das kommt ihm nun in Thun entgegen. Trainer Marc Schneider spricht Schweizerdeutsch – und wechselt allenfalls in die Hochsprache, wenn Nikolic ihn fragend anschaut. Hin und wieder unterhält er sich mit Teamkollege Dejan Sorgic auf Serbisch.

«Aber sobald wir im Team sind, sprechen wir Deutsch», sagt Nikolic und lacht. Obwohl Nikolic erst wenige Wochen im Team ist, sagt Schneider: «Wenn Djordje etwas ruft, dann spuren die Spieler. Mit seiner Grösse und seiner Lautstärke hat er ihnen ordentlich Respekt eingeflösst.»

Djordje Nikolic

Djordje Nikolic

Gefragt nach seiner grössten Stärke, sagt der junge Serbe, ohne lange zu zögern: «Dass ich schnell lerne und mich schnell an neue Situationen anpasse.» Das hat er früh gelernt. Als er mit 18 Jahren in die Schweiz kam, war alles neu für ihn. Land, Leute, Kultur. Mehr Training, gerade auch im Kraftraum, höhere Ansprüche, besseres Niveau, eine fremde Sprache – Nikolic: «Das war eine schwierige Umstellung für mich.»

Auch was den Fussball anbelangt, lernte er innert Kürze eine neue Welt kennen. In Serbien wurde er darauf trainiert, die Bälle lang nach vorne zu spielen. In Basel und ganz allgemein in der Schweiz ist der Torhüter viel mehr ins Spiel eingebunden, wird hinten rausgespielt. Aber Nikolic lernt schnell.

Das hat er schon immer gemacht, seit er mit fünf Jahren zum Fussball fand. Obwohl seine grosse Schwester und seine Mutter Basketball spielen und niemand – ausser sein Grossvater – etwas mit Fussball am Hut hatte. Für ihn war immer klar: «Ich will Torhüter werden. Handschuhe haben mich immer mehr fasziniert als Fussballschuhe, schöne Paraden sagten mit mehr als schöne Tore.» Zum Glück für Thun – und dereinst wohl für den FCB.

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