Basketball

Der Verband macht auf stur und die Nationalspieler sind arbeitslos

Würde gerne wieder im Starwings-Trikot spielen, darf aber (noch) nicht: Miroslav Petkovic. Foto: Junkov

Würde gerne wieder im Starwings-Trikot spielen, darf aber (noch) nicht: Miroslav Petkovic. Foto: Junkov

Weil das nationale Transferfenster geschlossen ist, kommen die Spieler von Vacallo, welches Konkurs melden musste, nicht bei anderen Schweizer Vereinen unter. Ein Wechsel ins Ausland und von dort zurück in die Schweiz, ist aber theoretisch möglich.

Die SAV Vacallo, welche auf die Saison 2012/13 hin die drei ehemaligen Starwings-Spieler Roman Albrecht, Miroslav Petkovic und Reto Schwaiger mit exorbitanten Gehaltsversprechungen und Dreijahresverträgen ins Tessin gelockt hatte, musste nach der zweiten Qualifikationsrunde vor zwei Wochen die Bilanz deponieren. Und den Spielbetrieb der 1. Mannschaft, die vom Gesamtverein losgelöst und als Aktiengesellschaft deklariert war, einstellen. Den vielen Versprechungen waren nie Taten, in Form von Zahlungen, gefolgt. Zuletzt soll Vacallo eine Schuldenlast von über einer Million Franken aufgewiesen haben, obwohl die Chiassesi noch vor drei Wochen trotzig am 1,8-Millionen-Budget festhielten.

12 Spieler ohne Verein

Damit waren sieben ausländische Profispieler und ein Schweizer Quintett arbeits- und vereinslos. Die meisten Berufsspieler suchten sich neue Arbeitgeber im Ausland, der Aargauer Albrecht schloss sich dem B-Ligisten Alte Kanti Aarau an, während Schwaiger aus Münchenstein bereits vor Weihnachten seinen Kontrakt kündigte und eine schöpferische Pause einschaltete.

Rückkehr zu den Starwings

Miroslav Petkovic (24) ist einer der besten Schweizer Basketballer und trainiert seit zehn Tagen mit den Starwings. Und würde die restlichen Partien der dritten Qualifikationsrunde und allfällige Playoff-Spiele gerne für die Baselbieter bestreiten. Doch der Zürcher mit serbischen Wurzeln hat, wie seine Ex-VacalloTeamkollegen Matt Schneider (USA) und Nationalspieler Florent Ramseier, die Rechnung ohne die Verbandsherren von Swiss Basket gemacht. Denn in den Paragrafen steht unmissverständlich, dass das nationale Transferfenster am 31.  Januar schliesst und danach nur noch Zuzüge aus dem Ausland möglich sind.

Regelwerk überfordert

Statutarisch ist der Fall eines Mannschaftsrückzuges während der Meisterschaft nicht festgehalten, obwohl dies im Schweizer Basket kein Novum ist, denn schon im Jahre 2000 hatten sich Vacallo (drei Stunden vor dem ersten Saisonmatch) und vor drei Jahren Hérens Sion kurz vor Weihnachten «auf Französisch verabschiedet».

Schlupfloch entdeckt

Lugano, das am letzten Wochenende das Final Four im Ligapokal bestritt, wollte Schneidermann, der seit acht Jahren in der Schweiz spielt und bereits einmal für den Serienmeister aktiv gewesen war, einsetzen. Und weil der Verband stur an seiner Nicht-Lizenzierung festhielt, entdeckten die Tessiner ein Schlupfloch. Sie meldeten den 205 Zentimeter grossen Amerikaner pro forma beim BC Belgrad an, um ihn nach wenigen Minuten in die Schweiz zurückzutransferieren. Natürlich durchschaute der Verband dieses «Unrecht», wie er den Tessinern schrieb, und verweigerte weiterhin die Freigabe, obwohl die nationale Basket-Liga und der Weltverband Fiba die Freigabe erteilt hatten.

Fall geht vor Gericht

Die Folge war, dass Lugano gegen Fribourg unter Protest spielte und verlor, Anwälte eingeschaltet hat und nun den ganzen Fall vor ein ordentliches Zivilgericht bringen wird. Juristenfutter ist damit gewährleistet.

Der Verband bleibt stur

Auch die «Wings» wären heute Abend gerne mit Petkovic als Spieler nach Monthey (19.30 Uhr; Résposieux) gefahren. Auch hier blieb der Verband, wie bei Ramseier, der beim BBC Monthey anheuern wollte, stur und unerbittlich. In Birsfelden überlegte man, Petkovic beim Regionalligisten CVJM Lörrach einen Match spielen zu lassen, um dann den Auslandstransfer zu tätigen. «Bis jetzt ist es aber nur ein Gedanke und noch keine Tat», so der neue Team-Manager Viktor Mettler.

Ausnahme für Nationalspieler?

Im Unterbaselbiet hofft man weiterhin, dass es Swiss Basket seinen Nationalspielern erlaubt, eine bisherige Frustsaison in geordneten Verhältnissen zu beenden. Ansonsten könnten die wenigen Nationalspieler von Niveau, welche die Schweiz besitzt, dem Verband bald signalisieren, dass sie mit dem Nationalteam nichts zu tun haben wollen. «In diesem Fall gibt es nur Verlierer», sind sich Klubverantwortliche und Spieler einig.

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